Um verstehen zu können, wie die Fußballer des Underdogs VfL Bochum in den Siebzigern und Achtzigern zu Legenden wurden, warum sie bis heute als „die Unabsteigbaren“ geadelt werden, lohnt es sich, einer Anekdote von Jupp Tenhagen zu lauschen. Vor einem Bundesligaspiel, er weiß nicht mehr vor welchem, „aber es wird schon wichtig gewesen sein“, fühlte er sich geschwächt, erhöhte Temperatur wies auf einen Infekt hin. „Aber ich wollte unbedingt spielen. Wir waren vor unseren Heimspielen immer im Hotel in Wuppertal, da habe ich dann die Badewanne mit eiskaltem Wasser volllaufen lassen und mich reingelegt. Ich habe das damals keinem erzählt und tatsächlich gespielt. Das war natürlich verantwortungslos, aber es ist gutgegangen.“

Er sagt es ja selbst: Das war hochriskant und nicht besonders schlau, „mit dem Wissensstand von heute würde ich so etwas natürlich nicht mehr machen“. Aber damals waren sie einerseits ahnungslos und andererseits unerschütterlich. Das ewige Außenseiterteam mit Typen wie Ata Lameck, Hermann Gerland, Jupp Kaczor, Heinz-Werner Eggeling kämpfte Jahr für Jahr mit Leidenschaft, mit Zusammenhalt und daher auch mit Erfolg gegen den Sturz in die Zweite Liga an. Und Jupp Tenhagen war der Beste von ihnen.