Schalke 04

Stevens’ bittere Erkenntnisse vom Schalke-Aus im DFB-Pokal

Abgang der Enttäuschten: (v.l.) Burgstaller, Ersatzspieler Carls aus der U23, Boujellab, Nastasic und Nübe

Abgang der Enttäuschten: (v.l.) Burgstaller, Ersatzspieler Carls aus der U23, Boujellab, Nastasic und Nübe

Foto: Firo

Gelsenkirchen.  Auch für den Trainer-Routinier ist der Klassenerhalt mit Schalke ein schwerer Job. Beim Pokal-Aus gegen Bremen sah er entscheidende Schwächen.

Dass beim FC Schalke 04 in dieser Saison vieles dramatisch schief läuft, war auch am Morgen nach dem Pokal-K.o. gegen Werder Bremen auf dem Trainingsgelände zu erkennen. Im alten Parkstadion versammelten Interimstrainer Huub Stevens und sein Partner Mike Büskens die Reservisten, die beim 0:2 am Abend zuvor nicht zum Einsatz gekommen waren, und einige Angeschlagene, die nach längeren Ausfallzeiten noch nicht einsatzfähig waren: Weston McKennie, Daniel Caligiuri, Steven Skrzybski und Amine Harit ließen zumindest die Hoffnung auf eine baldige Rückkehr zu.

Auf einem Nebenplatz bereitete sich die Schalker U23 auf das Oberligaspiel an diesem Freitagabend bei der TSG Sprockhövel vor. Mittendrin: die beiden vorerst aussortierten Profis Nabil Bentaleb und Hamza Mendyl. Ob sie tatsächlich um 19.30 Uhr auf den Kunstrasen im Süden des Ruhrgebiets laufen wollen, sollen sie selbst entscheiden dürfen.

Unweigerlich fragt man sich: Was haben die da überhaupt zu suchen? Vor allem, wenn doch zeitgleich so viele Verletzte zu beklagen sind. Warum bloß musste es so weit kommen?

Bentaleb und Mendyl: zwei Symbole

Der Algerier Bentaleb und der Marokkaner Mendyl stehen symbolisch für zahlreiche Fehlentwicklungen in diesem Klub. Bentaleb hat es sich mit Huub Stevens wegen einer Disziplinlosigkeit verscherzt – ein Problem, das Stevens’ entlassener Vorgänger Domenico Tedes­co schon bei mehreren Profis beklagt hatte. Und Mendyl hat es bis heute nicht geschafft, eine erkennbare Begründung dafür zu liefern, warum er überhaupt verpflichtet wurde. Er ist eines der deutlichsten Beispiele für die verfehlte Personalpolitik, die vor allem der zurückgetretene Sportvorstand Christian Heidel zu verantworten hatte.

Beim Viertelfinal-Aus gegen Bremen wurden die Versäumnisse bei der Planung einmal mehr deutlich. Schalke schaffte es tatsächlich, die Partie gegen diesmal nicht einmal sonderlich starke Bremer durch einen couragierten Auftritt lange offen zu halten. Aber das Schalker Team hat auf zu vielen Positionen zu wenig fußballerische Qualität, so dass individuelle Fehler verheerende Folgen haben. Auch diesmal, als Bastian Oczipka einen langen Pass auf Yevhen Konoplyanka hätte spielen müssen, allerdings damit gerechnet hatte, dass ihm der Ukrainer entgegenkommen würde. Das übernahm dann Bremens Marco Friedl, der das 1:0 durch Milot Rashica vorbereitete.

Und wenn die Schalker erst einmal ein Tor kassiert haben, brechen sie nervlich ein. Bremen, plötzlich gestärkt, legte kühl das 2:0 durch Davy Klaasen nach. So war Werders Effektivität entscheidend. Eine Qualität, die auf Schalke komplett vermisst wird.

Huub Stevens hat all die Missstände natürlich längst identifiziert. „Wir haben sowohl offensiv als auch defensiv Fehler gemacht, die man gegen eine Mannschaft wie Bremen einfach nicht machen darf“, stellte er fest. Warum aber passieren diese Fehler immer wieder? „Ich weiß, woran es liegt“, sagte der Niederländer in der ARD. „Ich kann aber nicht mehr dazu sagen. Ich bin doch nicht verrückt.“

Eine zynische Antwort

Auf Nachfrage in der Pressekonferenz wurde Stevens laut: „Ich werde keine Antwort geben!“ Ob es denn Fehler seien, die in der Vergangenheit liegen, wurde nachgehakt. Da wurde Stevens zynisch: „Ich habe in den letzten drei Wochen viele Fehler gemacht. Ich weiß nur nicht, welche.“

Warum er sich mit öffentlicher Kritik zurückhält, dürfte klar sein. Er will nicht sagen, dass diese Mannschaft mangelhaft zusammengestellt wurde. Weil er die Spieler, deren fehlende Qualität er klar benennen könnte, noch dringend benötigt: Der Abstiegskampf geht weiter. Am Samstag kommt die seit Wochen formstarke Frankfurter Eintracht. Schalke ist Außenseiter im eigenen Stadion.

Absage von Roger Schmidt

Stevens muss bis Mai alle Kräfte bündeln, danach übergibt er den Job an einen Nachfolger. Die Suche läuft längst. Bei dem früheren Leverkusener Roger Schmidt, derzeit in China bei Beijing Sinobo Guoan, hat Schalke vergeblich angeklopft. Auf Nachfrage dieser Zeitung sagte Schmidt: „Ich habe einen Vertrag bis Jahresende und stehe im Wort, den zu erfüllen.“

Ohnehin dürfte es nicht leicht werden, einen neuen Trainer zu finden, der jetzt schon zusagt. Denn ganz sicher wüsste jeder gerne, ob er Schalke in der Bundesliga oder in der Zweiten Liga übernimmt.

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