Schalke-Analyse

Schwermut über Schalke - null Chancen, null Spielfreude

Kann nicht wahr sein: Schalkes Mark Uth nach dem 0:0 gegen den SC Freiburg.

Kann nicht wahr sein: Schalkes Mark Uth nach dem 0:0 gegen den SC Freiburg.

Foto: firo

Gelsenkirchen.  Null Chancen, null Spielfreude, null Tore gegen den SC Freiburg. Schalkes 0:0 gegen den Tabellennachbarn macht kaum Mut für die Champions League.

Domenico Tedesco sprach leise. Noch immer leidet der Trainer des FC Schalke 04 an den Folgen einer Grippe, und dann musste er auch noch sagen: „Da war einfach nicht mehr drin.“ Sehr glücklich kam Schalke zu einem 0:0 gegen den kleinen SC Freiburg – wieder einmal gelang den Königsblauen in einem Bundesligaspiel in dieser Saison fast nichts. Auf dem 14. Platz steht Schalke nach dem 22. Spieltag – und das als amtierender Vizemeister. Über der Veltins-Arena lag eine Menge Schwermut.

Viel gab es zu kritisieren nach diesem abermals trostlosen Auftritt. Zuallererst traf der Zorn Mittelfeldspieler Suat Serdar. Der hatte in der 42. Minute den Freiburger Kapitän Mike Frantz im Mittelfeld gesundheitsgefährdend umgetreten und dafür die Rote Karte gesehen – zurecht, daran zweifelte niemand.

Schalke und Freiburg diskutieren über umstrittene Entscheidungen

Doch ob mit zehn Mann oder zuvor zu elft: Zu keiner Zeit fand Schalkes Offensive ein Rezept gegen Freiburgs Deckung. Dabei hatte Tedesco eine offensive Ausrichtung mit einem 4-3-3-System gewählt. Doch nach dem Spiel musste Tedesco ein wenig ratlos gestehen: „Wir waren nie richtig torgefährlich. Das Ergebnis ist deshalb leider okay.“ Schalkes Matchplan, so verriet Stürmer Mark Uth später, hieß: „steil, klatsch, tief“. Einer spielt den Ball steil nach vorn, der nächste lässt ihn abprallen, also „klatschen“ – und dann folgt ein langer Pass in die Tiefe. Doch tief war nichts, eher schief.

Und auch Schiedsrichter Frank Willenborg (Osnabrück) passte sich dem schwachen Niveau an. Gleich zweimal lief er nach Handspielen im Strafraum zum TV-Bildschirm, und zweimal entschied er nicht auf Elfmeter. In der 32. Minute sprang Freiburgs Lukas Kübler der Ball an die Hand – Willenborg pfiff nicht und blieb nach Ansicht der Bilder dabei. Sieben Minuten vor Schluss sprang Schalkes Omar Mascarell nach einer Grätsche der Ball gegen die Hand. Diesmal pfiff Willenborg und zeigte auf den Punkt, doch die Entscheidung nahm er nach Rücksprache mit Video-Assistent Harm Osmers in Köln zurück.

Freiburgs Trainer Christian Streich holte deshalb nach dem Spiel zu einer Generalkritik aus: „Es kann sein, dass es durch den Videobeweis mehr Gerechtigkeit gibt, wenn abgerechnet wird. Ich bin altmodisch – ich mag das Spiel so lieber, wie es vorher war: ohne Videobeweis.“ Benachteiligt fühlte sich Streich trotzdem: „Der Elfmeter-Pfiff für uns ist keine so klare Fehlentscheidung, dass Köln da eingreifen muss.“ Zudem fand Streich die Gelb-Rote Karte für Christian Günter (90.+2) „fragwürdig“.

Die Freiburger sorgten für die einzigen Höhepunkte des Spiels, doch Jerome Gondorf (46.), Luca Waldschmidt (61.) und Vincenzo Grifo (62.) vergaben die drei einzigen Chancen des Spiels. „Wir haben nicht einen Punkt gewonnen, sondern zwei verloren“, resümierte Christian Günter. So leicht wird Freiburg wohl nicht so schnell wieder die Chance bekommen, drei Punkte aus Schalke mitzunehmen.

Die Schalker treffen zu allem Überfluss nun im Champions-League-Achtelfinale auf Manchester City (Mittwoch, 21 Uhr/Sky), unbestritten eine der besten Fußballmannschaften der Welt. Man City, am Samstag 4:1-Sieger im FA-Cup bei Viertligist Newport, stürmt mit Leroy Sané, Kevin de Bruyne und Sergio Agüero – und nicht mit Nils Petersen, Lukas Höler und Janik Haberer wie der SC Freiburg. Tedesco verbreitete trotzdem Optimismus: „Wir rechnen uns definitiv Chancen aufs Viertelfinale aus.“

Schalke: Mark Uth setzt gegen Manchester City auf Offensive

Auch seine Spieler zeigten eine Vorfreude, als hätte es das deprimierende Spiel gegen Freiburg nicht gegeben. „Ich habe keinen Bock, mich 90 Minuten hinten reinzustellen“, sagte zum Beispiel Mark Uth. Der Plan von Schalkes Torwart und Kapitän Ralf Fährmann lautet so: „Wir müssen nüchtern an dieses Spiel herangehen. Und wenn uns kleine Schwächen geboten werden, müssen wir da sein.“

Doch die Wahrheit kennt Fährmann genau wie die 58.271 Zuschauer, die am Samstag gekommen waren: Unterlaufen seinen Teamkollegen auch gegen Manchester City die Fehler im Dutzend, dann könnte Mittwochnacht noch mehr Schwermut über der Arena liegen.

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