Revierderby

Naldo drückt Schalke beim Derby aus der Ferne die Daumen

Naldo in Rot: der Brasilianer im Trikot der AS Monaco.

Naldo in Rot: der Brasilianer im Trikot der AS Monaco.

Foto: imago

Gelsenkirchen  Naldo fiebert mit seinem Ex-Klub Schalke beim Kracher in Dortmund. 2017 schrieb er selbst Derby-Geschichte. Jetzt sitzt er in Monaco oft auf der Bank.

1200 Autobahn-Kilometer trennen den Schalker Derby-Helden am Samstag vom Derby in Dortmund. Rein theoretisch hätte Naldo sogar Zeit, um 15.30 Uhr (ARD und Sky) persönlich vorbeizuschauen. „Wir spielen mit meinem jetzigen Verein AS Monaco erst in der nächsten Woche wieder“, sagt der 36-Jährige, der bei den Königsblauen Geschichte geschrieben hat.

Rückblick: Am 25. November 2017 köpfte Naldo in der vierten Minute der Nachspielzeit das 4:4 in Dortmund und löste damit eine blau-weiße Jubelparty aus. „Dieses Erlebnis werde ich nie vergessen“, sagt Naldo. Immer, wenn er auf diese Szene angesprochen wird, bekommt der Deutsch-Brasilianer Gänsehaut am ganzen Körper.

Irre Aufholjagd in Dortmund

Mit Schalke hatte er in Dortmund schon aussichtslos 0:4 hinten gelegen. Dann kam der Halbzeit-Kabinenschwur, bei dem sich Ex-Trainer Domenico Tedesco vor seine sitzenden Spieler kniete und ihnen, nun auf Augenhöhe, neuen Mut einhauchte.

Schalke nahm sich vor, zumindest die zweite Halbzeit „zu gewinnen“. Naldo erzielte zunächst einen Treffer, der nach Videobeweis nicht gegeben wurde (53.). Guido Burgstaller (61.), Amine Harit (65.) und Daniel Caligiuri (86.) verkürzten auf 3:4. Naldo hob sich sein Tor zur Vollendung der irren Aufholjagd bis zur Nachspielzeit auf. Ecke, Kopfball, Jubel. Derby-Geschichte.

"Schalke wird immer in meinem Herzen sein"

Auch beim Schalker 2:0-Sieg im Rückspiel traf Naldo. Dortmund lag ihm scheinbar. Jetzt drückt er aus der Ferne die Daumen. „Schalke wird immer in meinem Herzen sein“, sagt der Abwehrschrank im Gespräch mit dieser Redaktion. Weil Naldo bei den Fans wegen seiner sympathischen Art und den gezeigten Leistungen hoch im Kurs stand, fiel ihm der Abschied vom Malocherklub schwer. Und auch seine ehemaligen Teamkollegen hatten an seinem Weggang zu knacken. Benjamin Stambouli bezeichnete ihn als „le Chef“, Weston McKennie titulierte ihn wegen der vielen Tipps und Ratschläge als „Papai“, als Vaterfigur.

Naldo ging, weil ihm unter Domenico Tedesco die Wertschätzung fehlte. Der Vize-Kapitän fand sich oft auf der Bank wieder, kam auch nach schwächeren Leistungen seiner Defensivkollegen nicht zurück ins Team. Das brachte Naldo immer stärker ins Grübeln. Als sich Monacos Trainer Thierry Henry im Dezember 2018 bei ihm meldete, war Naldo Feuer und Flamme. Monaco, eine neue Herausforderung, noch einmal etwas Neues kennenlernen.

Henry war Naldos großer Fürsprecher

Naldo hätte erwartet, dass Schalke wie ein Löwe um ihn, die Führungsfigur, kämpft. Weil ihm die Schalker Bemühungen, ihn umzustimmen, nicht reichten, ging Naldo. Noch nicht einmal eine Million Ablösesumme zahlte Monaco für den viermaligen brasilianischen Nationalspieler.

Was Naldo nicht ahnen konnte: Henrys Zeit lief schnell ab. Somit war sein großer Fürsprecher in Monaco weg. Naldo kassierte zwei Platzverweise in drei Spielen. Unter dem neuen Trainer Leonardo Jardim bekamen andere Spieler den Vorzug. Monaco verabschiedete sich Schritt für Schritt aus der Abstiegszone, Naldo musste seine Bankrolle wohl oder übel akzeptieren. Zuletzt schaffte er es sogar dreimal gar nicht in den Spieltags-Kader der Monegassen.

Familie fühlt sich wohl in Monaco

Trotzdem wertet Naldo den Wechsel ins Fürstentum nicht als Fehlschlag. Zusammen mit Ehefrau Carla, den Kindern Liz, Naldinho und Töchterchen Liv Rodrigues genießt er die Entspanntheit an der Côte d’Azur. In den sozialen Netzwerken postet Familie Naldo regelmäßig Bilder von sonnigen Spaziergängen durch Monacos Yachthäfen. „Wir fühlen uns rundum wohl hier“, sagt Naldo. Möglicherweise beschert sein Derby-Daumendrücken am Samstag auch Schalke ein wohliges Gefühl.

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