Saisonrückblick

Manni Breuckmann lobt die Arbeit von Schalke-Trainer Tedesco

Der ehemalige Radioreporter Manni Breuckmann.

Der ehemalige Radioreporter Manni Breuckmann.

Foto: Oliver Mengedoht / FUNKE Foto Services

Gelsenkirchen-Buer.   In launiger Diskussionsrunde ließ der ehemalige WDR-Radioreporter Manni Breuckmann auf Zeche Hugo die vergangene Spielzeit Revue passieren.

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So richtiges altes Zechen-Ambiente ist das nicht. Der Schacht 2 auf Hugo in Gelsenkirchen-Buer hat eher etwas von einem Biergarten. Doch an diesem Abend geht es nicht darum, an die mittlerweile schon lange zurückliegenden guten Zeiten des Bergbaus zu erinnern. Es geht um den FC Schalke. Und dessen gute Zeit ist alles andere als lange her.

Vorne auf der Bühne sitzt Manni Breuckmann. Der langjährige Reporter der Bundesliga-Konferenz auf WDR2 und bekennende Schalke-Fan blickt an diesem Abend auf die abgelaufene Saison der Königsblauen zurück. Zum bereits fünften Mal. Gemeinsam mit seinen Gästen Mike Büskens sowie den Kremers-Zwillingen Erwin und Helmut hat das Quartett dabei mit flotten Sprüchen einige Lacher auf seiner Seite.

Schalke hat eine bärenstarke Saison gespielt

Einig sind sie sich natürlich alle: Das war eine bärenstarke Saison, die die Schalker da gespielt haben. Das kann man auch schon erkennen, bevor die vier ihr Fachwissen zum Besten geben. 180 Leute haben sich auf Schacht 2 eingefunden, ausverkauft. „Daran kann man die Platzierung gut ablesen. Letztes Jahr waren wir nur Zehnter, da waren hier nur 80 Leute“, sagt Manni Breuckmann, bevor er sich mit den drei Ex-Spielern der Königsblauen der lockeren Beschäftigung mit dem harten Geschäft zuwendet.

Natürlich ist es vor allem Cheftrainer Domenico Tedesco, der ordentlich Lob bekommt und „über dessen bevorstehende Heiligsprechung wir unbedingt reden müssen“, wie Breuckmann sagt. Sollte es so weit kommen, dürften sich unter anderem Mike Büskens und die Kremers-Zwillinge wohl ein Stück von dem Heiligenschein abschneiden. Tedesco hatte vor der Saison einige ehemalige Spieler der Schalker zu einem Gespräch eingeladen, die drei Gäste von Manni Breuckmann waren auch dabei.

Erwin Kremers lobt Einstellung von Tedesco

„Da haben wir an ein paar Stellschrauben gedreht, deswegen sind wir Vizemeister geworden“, scherzt Erwin Kremers. „Wenn er uns nochmal einlädt, dann können wir über die Deutsche Meisterschaft reden. Wir haben da noch einiges im Köcher“, ergänzt er mit einem breiten Grinsen. Aber natürlich muss Kremers sich eingestehen, dass er Schalke nicht gänzlich alleine zur Vizemeisterschaft geführt hat. „Das ist einfach ein toller junger Mann mit einer tollen Einstellung.“

Und auch Mike Büskens verliert nur gute Worte über den erst 32-jährigen Tedesco. „Wir haben in dieser Saison endlich wieder eine Mannschaft auf dem Platz gesehen. Das war der erste Schritt. Jetzt musst du schauen, dass du punktuell die Qualität anhebst.“ Allerdings: Das ist mit ablösefreien Abgängen von Kalibern wie Leon Goretzka und Max Meyer natürlich schwierig. Auch wenn sie vorne auf der Bühne gar nicht darüber diskutieren müssen, dass Meyer für sie nicht in die Weltklasse gehört. „Die Position von Max können meiner Meinung nach zwei, drei andere unserer Spieler auch spielen“, sagt Helmut Kremers.

Vielmehr macht sich das Quartett Gedanken darüber, warum es Schalke nicht schafft, seine jungen und talentierten Spieler in Gelsenkirchen zu halten. Jung-Nationalspieler Julian Brandt verlängerte vor knapp zwei Monaten seinen Vertrag bei Bayer Leverkusen bis 2021. „Da frage ich mich: Was haben die, was wir nicht haben?“, gerät Büskens ins Grübeln. „Jetzt soll Max Meyer angeblich nach Hoffenheim gehen, Julian Draxler ist damals nach Wolfsburg gegangen, das sollte der nächste Schritt sein. Da fällt mir nichts mehr zu ein.“

Mutige Entscheidung

Anders war es bei Benedikt Höwedes. Das königsblaue Eigengewächs ging im vergangenen Sommer zu Juventus Turin. Nicht, weil der Ur-Schalker dort den nächsten Schritt machen wollte. Sondern, weil ihm Domenico Tedesco keinen Stammplatz garantieren wollte und konnte. „Wenn die Art und Weise eines Spielers, Fußball zu spielen, nicht zu deiner Spielweise passt, dann muss man ehrlich und offen damit umgehen.

Das hat Domenico getan“, lobt Mike Büskens. „Das war eine mutige Entscheidung, denn sie war risikoreich. Wenn die Ergebnisse am Anfang nicht kommen, wird es laut.“ Und Helmut Kremers glaubt bei der Personalie Höwedes fest an ein Happy End: „Ich kann mir vorstellen, dass er sauer ist. Aber wir warten einfach ein paar Jahre, und dann nehmen wir ihn mit hier hin.“ So lange muss er vielleicht gar nicht warten, Höwedes hatte erst vor wenigen Tagen betont, dass er sich vorstellen könne, in der kommenden Saison unter Tedesco zu spielen.

Wechsel von Höwedes hat sich für ihn doch gelohnt

Gelohnt hat sich der Wechsel für Höwedes’ Trophäen-Sammlung, er wurde mit Juventus Meister. Der Titel ging übrigens zum siebten Mal in Folge nach Turin – von wegen so etwas wie die Bayern-Dominanz gibt es in anderen Ligen nicht. Über das Thema musste natürlich auch noch gesprochen werden – als Schalker will man ja immer hoch hinaus. Doch auch hier war der Tenor eindeutig: „Die Bayern haben sich das über Jahre hinweg erarbeitet, das ist einfach Qualität“, sagt Erwin Kremers und erinnert daran, dass die Bayern bereits zu seiner aktiven Zeit eine Hausnummer waren.

„Wenn die zu uns kamen, dann wusste jeder, selbst unser Arzt und unser Busfahrer: Wenn der Beckenbauer nach vorne geht, dann spielt der Doppelpass mit Gerd Müller. Verhindern konntest du das trotzdem nicht.“ Zwillingsbruder Helmut Kremers grätscht dazwischen: „Aber wir haben damals auch ein paar Mal gegen die gewonnen.“

Keine zu hohe Erwartungshaltung

Dass genau das jetzt zur Erwartungshaltung werden könnte, davor warnt Büskens: „Du musst aufpassen, dass der Segen dieser Saison in der nächsten nicht zum Fluch wird.“ Es könne natürlich auch sein, dass man in der kommenden Saison mit der Dreifachbelastung „nur um den sechsten oder siebten Platz spielt.“ Doch Erwin Kremers weiß, wie das zu verhindern ist: Domenico Tedesco muss das Gespräch mit den dreien und anderen Ex-Spielern im Sommer wiederholen. Denn dann geht es um die Meisterschaft.

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