Interview

Kevin Volland: "Schalke - das wird brutal schwer"

Gesetzt bei Bayer Leverkusen: Kevin Volland.

Gesetzt bei Bayer Leverkusen: Kevin Volland.

Foto: Getty Images

Leverkusen.  Leverkusens Kevin Volland spielt die erfolgreichste Saison seiner Karriere. Er weiß, wie Schalkes Jahrhunderttrainer tickt. Ein Interview.

Kevin Volland ist heiß auf den Endspurt mit Bayer 04 Leverkusen. Die Werkself will sich im Endspurt noch am Tabellenvierten Eintracht Frankfurt vorbeischieben und in die lukrative Königsklasse einziehen. Vor dem Bundesliga-Heimspiel gegen Schalke 04 (Samstag, 15.30 Uhr/Sky) sagt Volland im Interview mit dieser Zeitung, warum es für Leverkusen so gut läuft und was sich unter Trainer Peter Bosz verändert hat.

Herr Volland, kribbelt es bei Ihnen besonders, wenn Sie Spiele wie das 4:0 von Liverpool gegen den FC Barcelona oder das 2:3 von Ajax gegen Tottenham sehen?

Kevin Volland: Als Bundesliga-Profi hast du nicht jeden Tag solche Spiele vor der Brust, das muss man sich schon erarbeiten und verdienen. Liverpool, Barcelona, Ajax Amsterdam und Tottenham, die allesamt im Halbfinale standen, sind schon aktuell das Nonplusultra im europäischen Vereinsfußball. Wenn Spiele dann noch so ausgehen, dann ist das großes Kino für alle Fußball-Fans. Und dann ist man selbst natürlich auch ein großer Fan.

Macht das bei Ihnen automatisch Lust auf die Königsklasse in der nächsten Saison?

Volland: Wenn du die Chance hast, wieder in die Champions League zu kommen, dann willst du die auch nutzen. Andererseits kennen wir natürlich die Tabelle: Eintracht Frankfurt steht aufgrund des besseren Torverhältnisses noch vor uns. Wenn die Eintracht ihre letzten beiden Spiele gewinnt, wird es für uns schwer. Wir müssen erst einmal zusehen, dass wir zuhause gegen Schalke 04 gewinnen.

Wird Platz vier am Ende über das Torverhältnis entschieden?

Volland: Wir müssen auf uns schauen und dafür sorgen, dass wir den Druck hochhalten. Wir werden alles reinhauen, um in die Champions League zu kommen.

Kann es sein, dass der Eintracht nach einer begeisternden Saison auf der Zielgeraden etwas die Puste ausgeht?

Volland: Frankfurt spielt mit enormer Kraft und Power. Sie marschieren, gehen auf die zweiten Bälle, spielen Pressing. Irgendwann kommt man ein Punkt, an dem du vom Kopf her etwas müder wirst. Das ist menschlich.

Sie haben die Hinrunde mit Bayer 04 auf Platz neun beendet. In der Rückrunden-Tabelle stehen Sie auf Rang drei. Liegt der Aufschwung nur an Neu-Trainer Peter Bosz oder hat es auch innerhalb der Mannschaft klick gemacht?

Volland: Unter Peter Bosz agieren wir sehr offensiv und haben einiges umgestellt. So spielen unter anderem Kai Havertz und Julian Brandt mehr im Mittelfeldzentrum. Dann kommt noch dazu, dass wir uns als Team zusammengesetzt und gesagt haben: Wir müssen schauen, dass wir aus dem Quark kommen. Wir waren weder mit der Art und Weise unseres Spiels noch mit der Konstanz in den Leistungen zufrieden. Wir als Mannschaft müssen das umsetzen, was der Trainer vorgibt. Das ist uns in der Hinrunde nur ab und zu gelungen. Jetzt in der Rückrunde schaffen wir das konstant. Und alles zusammen führt eben dazu, dass wir jetzt wieder gut im Rennen sind.

Was zeichnet Peter Bosz aus?

Volland: Peter Bosz hat eine ganz klare Linie, wie er sich alles vorstellt. Es macht Spaß, unter ihm zu trainieren und zu spielen. Er lässt mutig und mit viel Ballbesitz spielen, das finde ich ganz wichtig. Wenn du mit den Spielern, die wir im Kader haben, Ball und Gegner laufen lässt, dann macht Fußball umso mehr Freude.

Lässt sich das 6:1 über Frankfurt vom vergangenen Wochenende leistungsmäßig noch toppen oder war das schon Fußball in Perfektion?

Volland: Eine Steigerung wäre, wenn wir in einem ähnlichen Spiel nochmal sechs Tore in der zweiten Halbzeit schießen würden (lacht). Man muss die Kirche auch mal im Dorf lassen. Ich hätte vor dem Spiel ein 1:0 unterschrieben. Es war viel Druck auf dem Kessel. Wir mussten unbedingt gewinnen. Es war ein überragendes Ergebnis, das uns aber wenig hilft, wenn wir gegen Schalke nicht nachlegen.

Schalke 04 hat sich durch das 0:0 gegen Augsburg gerettet. Ist eine Mannschaft, die ohne Druck aufspielen kann, ein gefährlicher Gegner?

Volland: Eine Rettung kann bewirken, dass du befreit auftrittst. Es gibt aber auch die Variante, dass die Spannung vielleicht etwas abfällt. Ich persönlich glaube, dass es ein brutal schweres Spiel wird gegen Schalke. So Begegnungen, wie wir sie gegen Frankfurt oder beim 4:1 in Augsburg erlebt haben, sind Ausnahmespiele. Wenn jetzt auf der Zielgeraden Gegenwind kommt, müssen wir als Team dagegenhalten.

Hatten Sie Schalkes Probleme so erwartet?

Volland: Mich hat es überrascht. Schalke hat einen guten Kader. Dass sie als Vizemeister so weit nach unten abgerutscht sind, damit war nicht zu rechnen. Auf Schalke hat es in dieser Saison nicht so funktioniert.

Sie kennen Schalkes Jahrhunderttrainer Huub Stevens, der im März als Retter eingesprungen ist, aus gemeinsamer Zeit in Hoffenheim. Haben Sie ihn eher als Knurrer in Erinnerung?

Volland: In Hoffenheim war er schon ein Knurrer. Huub Stevens hat seine eigene, spezielle Art. Er packt jeden Spieler auch an seiner Ehre und vermittelt, dass man für Erfolg auch hart arbeiten muss. In dem Punkt hat er auch völlig recht. Egal, wo du stehst: Ohne diese Bereitschaft, alles zu investieren, kommst du nicht weiter. Das haben wir auch damals in Hoffenheim gemacht. Wir sind in der Liga geblieben. Das hat unter dem Strich gezählt.

Haben Sie noch Kontakt zu Schalkes Sebastian Rudy, mit dem Sie zusammen in Hoffenheim gespielt haben?

Volland: Sebastian ist ein cooler Typ und ein guter Kumpel von mir. Wir waren früher auch gemeinsam mit unseren Frauen auf den Malediven im Urlaub.

Auf Schalke hatte Rudy lange einen schweren Stand, jetzt läuft es für ihn besser.

Volland: Sebastian Rudy ist aus meiner Sicht ein unfassbar guter Fußballer. Er verliert kaum Bälle und hat eine sehr gute Übersicht. So sollte man ihn ins Spiel einbauen, damit er seine maximalen Qualitäten auch einbringen kann.

Sie persönlich spielen Ihre erfolgreichste Bundesliga-Saison überhaupt, haben 14 Tore geschossen und elf Treffer vorbereitet. Haben Sie irgendetwas geändert?

Volland: Ich bin ein Spieler, der immer Vollgas gibt. Wenn man als Mannschaft ein gutes Jahr hat und dazu viel Qualität im Kader, dann wirkt sich das auch für einen selbst positiv aus und du kommst auf deine Tore. Es läuft für mich super. Ich hoffe, dass ich am Ende meinen Teil beitragen kann, damit wir unsere Ziele erreichen. Das wäre dann die Krönung.

Sie haben in dieser Saison 40 Pflichtspiele für Bayer 04 bestritten. Merken Sie, dass der Akku allmählich nachlässt?

Volland: Klar ist es anstrengend, aber das Gute ist, dass wir die letzten vier Spiele gewonnen haben. Da bist du in einem Fahrwasser drin, in dem du einfach Bock hast, weiter zu arbeiten und auch die letzten zwei Spiele vor Saisonschluss noch erfolgreich zu bestreiten.

Ist das Thema Nationalelf, für die Sie vor drei Jahren das letzte Mal aufgelaufen sind, noch im Hinterkopf?

Volland: Für einen deutschen Spieler ist es natürlich das Größte, was es gibt, für sein Land zu spielen. Mal abwarten, was kommt. Ich bin kein Typ, der irgendetwas einfordert. Ich kann nur versuchen, meine Leistung zu bringen. Ich bin da relativ entspannt.

Entspannt ist ein gutes Stichwort: Greifen Sie eigentlich noch ab und zu zur Gitarre?

Volland: Ja, damit habe ich in Hoffenheim angefangen und das mache ich weiterhin. Ich kann jedes Lied spielen, das man am Lagerfeuer spielen würde. Wenn es aber darum geht, richtig ins Detail zu gehen, dann ist es noch schwierig.

Würden Sie die Champions-Leage-Hymne auf der Gitarre hinkriegen?

Volland: (lacht) Zum Zupfen ist es etwas schwierig. Das Singen würde vielleicht eher klappen.

Sie sind seit über einem Jahr Vater einer Tochter. Inwieweit hat Emilia Ihr Leben verändert?

Volland: Es ist schon ein enormes Glücksgefühl. Jeder, der selbst Vater ist, weiß, wovon ich spreche. Du kommst heim, holst die Kleine nach dem Mittagsschlaf aus dem Bett, das ist einfach besonders. Sie macht gute Laune, sie macht Freude. In dem Alter weiß sie natürlich noch nicht: Papa hat verloren, da komme ich jetzt mal nicht mit einem Buch zu ihm angewackelt.

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