Fußball

Ex-Schalker Wellenreuther: „Mal ist man Held, mal Buhmann“

Früher auf Schalke, jetzt in Tilburg: Torwart Timon Wellenreuther.

Früher auf Schalke, jetzt in Tilburg: Torwart Timon Wellenreuther.

Foto: imago

Tilburg.  Bei Schalke 04 ging Timon Wellenreuthers Stern auf. Mittlerweile ist er Führungsspieler beim niederländischen Ehrendivisionär Willem II Tilburg.

Das frühere Schalke-Talent Timon Wellenreuther hat mit seinen erst 23 Jahren schon viel erlebt. Man denke an das Traum-Debüt mit 18 für Schalke gegen Real Madrid, seinen Abstecher zu RCD Mallorca. Oder an die Enttäuschung, als ihm Schalke nach seiner Rückkehr die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Rio 2016 verweigerte. Beim holländischen Ehrendivisionär Willem II Tilburg hat sich Wellenreuther, inzwischen 23 Jahre alt, zu einem echten Führungsspieler entwickelt.

Wellenreuther überzeugt nicht erst in dieser Saison mit tollen Paraden. Zuletzt erfuhr er sogar, wie man sich als Tabellenführer der Ehrendivision fühlt. Nach dem vierten Spieltag stand er mit Willem II plötzlich an der Spitze. Zwar musste die Überraschungsmannschaft die Position nach kurzer Zeit wieder abgeben. Doch auch der aktuelle Platz im gesicherten Mittelfeld ist für den einstigen Abstiegskandidaten ein Riesenerfolg.

Der Torhüter selbst ist spätestens seit dem vergangen Winter endgültig in den Niederlanden angekommen. Im Pokal-Halbfinale gegen AZ Alkmaar hielt er drei Elfmeter und führte die Mannschaft fast alleine zum 3:2-Sieg nach Elfmeterschießen. „Das war eines der wichtigsten Spiele in meiner Karriere. Im Nachhinein genießt man das viel mehr, als es mir während des Spiels möglich war“, erinnert sich der Ex-Schalker im Gespräch mit dieser Zeitung. Einen großen Anteil am Erfolg habe der 64-jährige Trainerroutinier Adrie Koster. „Der Trainer ist hoch anerkannt und sehr erfahren. Er ist aber auch sehr locker, macht immer zwischendurch mal einen Witz. Insgesamt hat er einen guten Mix und weiß mit jeder Situation umzugehen“, beschreibt der Torhüter den früheren Assistenten von Huub Stevens beim VfB Stuttgart.

Wellenreuther: "Schalke ist ein überragender Verein"

In seiner Anfangszeit musste Wellenreuther einige Klippen überschiffen. Willem II verlor die ersten vier Spiele der Saison 2017/2018. Der damalige Trainer Erwin van de Looi setzte ihn auf die Bank. „Auch wenn man es selbst nicht versteht, darf man sich davon nicht runterziehen lassen. Man muss einfach weitertrainieren und durch Leistung überzeugen“, sagt er rückblickend. Dass viele Situationen von einem Extrem ins andere umschlagen, sieht Wellenreuther gelassen: „Das macht den Fußball doch aus. Mal ist man der Held und ein anderes Mal ist man der Buhmann. Da ist es manchmal ein schmaler Grat. Wir Torhüter kennen es nicht anders und können das ganz gut ab.“

Ein wichtiger Anker ist sein Vater, der fast bei jedem Spiel auf der Tribüne sitzt: „Wir sprechen sehr viel miteinander. Er ist immer kritisch und gibt mir gute Tipps, wo ich mich noch verbessern kann.“ Regelmäßig schiebt der frühere Jugendspieler des Karlsruher SC im Kraftraum Extraschichten. Die Zusatzeinheiten sind auch nötig, denn die Ehrendivision befindet sich aus seiner Sicht auf „einem ähnlichen Niveau“ wie die Bundesliga: „Hier sucht man immer nach fußballerische Lösungen. Flach von hinten heraus zu spielen, das liebe ich. Meiner Spielweise kommt es sehr entgegen.“

Natürlich macht Wellenreuther mit seinen guten Leistungen auch Bundesligisten auf sich aufmerksam. Ob es ein Traum sei, irgendwann nochmal für Schalke zu spielen? „Klar, Schalke ist ein überragender Verein. Aber daran denke ich im Moment nicht.“ Einen echten Bezug habe er zwar nicht mehr, aber „Fan des Vereins“ sei er weiterhin und verfolge regelmäßig die Spiele. Seine Analyse: „Schalke tritt als echte Mannschaft auf. Sie scheinen auf einem guten Weg zu sein. Die individuelle Klasse ist nicht so stark wie in den Jahren davor, aber man macht mit Teamgeist einiges wett.“

Obwohl man ihm die Nummer 1 langfristig nicht zutraute, möchte er nicht nachkarten: „Natürlich habe ich in meinem letzten Jahr auf Schalke nicht alle Entscheidungen des Vereins verstanden. Aber das war für meine Entwicklung genauso wichtig, wie die Erfahrung, einige Male vor 60.000 Zuschauern in der Bundesliga zu spielen.“

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