Letzter Spieltag

Bajic verabschiedet sich vom MSV Duisburg mit Tränen

Gänsehaut schon vor dem Anpfiff: Der MSV verabschiedete Branimir Bajic.

Foto: Fabian Strauch

Gänsehaut schon vor dem Anpfiff: Der MSV verabschiedete Branimir Bajic. Foto: Fabian Strauch

Duisburg.   Branimir Bajic erlebte beim MSV Duisburg einen emotionalen Abschied. Auch Kingsley Onuegbu erhielt seine Bühne. Gegen St. Pauli gab's ein 2:0.

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Schon vor dem Anpfiff war es um Branimir Bajic geschehen. Der 38-Jährige, der am Sonntag im Heimspiel gegen den FC St. Pauli noch einmal die Kapitänsbinde des Fußball-Zweitligisten MSV Duisburg tragen durfte, ließ seinen Tränen freien Lauf. Geschäftsführer Peter Mohnhaupt hatte den Bosnier gerade offiziell verabschiedet, die Zuschauer feierten ihn mit stehenden Ovationen.

Um 16.47 Uhr kam es für „Baja“ noch dicker. Es war der Moment, auf den sich Bajic seit vielen Tagen vorbereitet hatte. Der Moment, vor dem er großen Respekt hatte. Der Moment, vor dem er sich auch fürchtete. Trainer Ilia Gruev nahm den Routinier vom Feld.

Auswechslung dauerte drei Minuten

Es war eine Auswechslung, die drei Minuten dauerte. Erst ließ sich der Verteidiger, der seit 2010 beim MSV unter Vertrag steht, im Mittelkreis fallen. Dann stand er auf und verließ unter tosendem Applaus den Rasen. Einige Pauli-Spieler umarmten ihn, auch Schiedsrichter Deniz Aytekin zollte ihm Respekt. Als Bajic schon auf dem Weg zur Tribüne war, kehrte er noch einmal um. Er übergab die Kapitänsbinde an Kevin Wolze, der bereits seit Saisonbeginn bereits sein Nachfolger als Mannschaftsführer ist.

„Es ist schwer. Es ist so unglaublich schwer“, sagte Branimir Bajic nach dem Spiel, das der MSV mit 2:0 (1:0) gewann und damit den siebten Tabellenplatz in der Abschlusstabelle erreichte. „Ich überlege, ob ich auf Knien zu Ivo und Ilia rutsche, dass sie mir noch ein Jahr geben“, seufzte Bajic. Natürlich sprach er nicht mehr bei Trainer Ilia Gruev und Sportdirektor Ivica Grlic vor. Auch wenn er es liebend gerne getan hätte.

Es war nicht der einzige bewegende Abschied. Auch Stürmer Kingsley Onuegbu, dessen Vertrag der MSV nicht mehr verlängerte, erlebte einen emotional schweren Nachmittag. Weil sich der 32-Jährige im Training verletzt hatte, konnte er nicht noch einmal für die Zebras auflaufen.

Der King erhielt seine Bühne in der Halbzeitpause. Die Meidericher Verantwortlichen krönten ihn und kleideten ihn in eine blaue Königsrobe. Onuegbu, der seit 2013 für die Zebras stürmte, kletterte im Ornat auf den Zaun und genoss die Sprechchöre der Fans.

Weil beide Mannschaften ihre Hausaufgaben in der Liga bereits in der Vorwoche erledigt hatten, musste gestern niemand mehr befürchten, aus sportlichen Gründen in ein Tal der Tränen zu stürzen. Beide Teams konnten befreit aufspielen. Die Gastgeber hatten dabei aber zunächst mehr Probleme als die Gäste aus Hamburg. Das mag auch am ungewohnten Spielsystem der Meidericher gelegen haben. Ilia Gruev brachte Borys Tashchy als einzige Spitze. Lukas Fröde spielte vor der Abwehr auf der Sechs. Zwischen ihm und Tashchy spielte eine weitere Viererkette, der auch Christian Gartner angehörte.

St. Pauli verbuchte im ersten Durchgang die besseren Chancen, So kam der Duisburger Führungstreffer in der zweiten Minute der Nachspielzeit der ersten Halbzeit dann doch überraschend. Der St.-Paulianer Yi-young Park konnte in Anschluss an eine Ecke nicht klären. Moritz Stoppelkamp war mit dem Kopf zur Stelle und traf aus kurzer Distanz zum 1:0.

Zwei neue Legenden

Auch nach dem Seitenwechsel gaben die Gäste zunächst den Ton an. Der MSV überstand die Druckphase – übrigens bis zur 57. Minute auch dank eines abgeklärten und souveränen Innenverteidigers Branimir Bajic – ohne Schaden. Mit der Entscheidung ließen sich die Zebras allerdings Zeit. Das 2:0 fiel erst in der fünften Minute der Nachspielzeit. Torwart Robin Himmelmann ließ einen Schuss von Cauly Oliveira Souza abklatschen und Christian Gartner war zur Stelle und erzielte sein erstes Tor für den MSV.

Die Stimmung unter den 25 324 Zuschauern war friedlich – immerhin galt die Begegnung vor ein paar Wochen noch als Hochsicherheitsspiel. Die Fans beider Teams stimmten gestern sogar ein gemeinsames Lied an: „HSV – endlich 2. Liga.“

Der MSV wird Branimir Bajic am 28. Juli in einem Abschiedsspiel noch einmal würdigen. Eine große Ehre wurde dem Bosnier bereits am Sonntag zuteil. Der MSV Duisburg erweiterte seine Legendenwand auf der Fantribüne um zwei Namen. Günter Preuß, Kapitän der Vizemeistermannschaft von 1964, ist dort nun ebenso zu sehen wie Branimir Bajic.

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