Gladbach

Gladbachs Traoré feiert Derbysieg mit vier Monaten Anlauf

Große Freude bei Gladbachs Ibrahima Traoré.

Foto: Getty Images

Große Freude bei Gladbachs Ibrahima Traoré. Foto: Getty Images

Mönchengladbach.  Nach seiner Verletzungspause traf Gladbachs Traoré beim 3:2 in Köln. Die Schlussphase brachte sogar Trainer Hecking kurz aus der Fassung.

Dieter Hecking ist für seine westfälische Nüchternheit bekannt. Den 52-jährigen Westfalen, der Abstiegskampf, Zweite Liga und die Champions League gleichermaßen kennt, bringt im Fußball eigentlich nichts aus der Fassung. Den Gegenbeweis trat der Cheftrainer von Borussia Mönchengladbach in den Schlussminuten eines aufregenden Rheinderbys beim 1. FC Köln selbst an.

Jonas Hofmann staunte jedenfalls nicht schlecht, als sein Trainer nach dem 3:2 durch Lars Stindl ausgerechnet ihn in der Hektik anherrscht, auf dem Platz „endlich mal Ruhe reinzubringen“. Hofmann zu Hecking: „Sie wissen schon, dass Sie mich ausgewechselt haben?“ Hecking hinterher schmunzelnd: „Da sieht man, dass ich voll dabei war.“ Er wusste: „Da haben einige was zu lachen.“

Die Hauptdarsteller in Müngersdorf waren, abgesehen von dieser Randnotiz, andere. Ibrahima Traoré etwa. Der Nationalspieler Guineas ist in dieser Saison wahrlich nicht vom Glück geküsst. Eine Oberschenkelzerrung im vergangenen Oktober und ein Sehnenriss Ende November kosteten Traoré stattliche 26 Pflichtspieleinsätze für Borussia Mönchengladbach im rechten Mittelfeld.

Derbys sind kein Spaß

Ob ein Treffer im Rheinderby, praktisch mit vier Monaten Anlauf, alle Gedanken an eine lange, schmerzhafte Zwangspause verscheucht? „Für mich war das 2:1 jedenfalls ein ganz spezieller Moment, für die Mannschaft war das Tor eine große Hilfe – auch wenn ich eigentlich flanken wollte“, sagt der Mittelfeldspieler. Die Flanke wurde zum Treffer, und der war wichtiger Bestandteil des hochverdienten Auswärtserfolgs.

Ibrahima Traoré stand nach der Einwechslung bei seinem Glücksmoment handgestoppte 72 Sekunden auf dem Rasen. „Ich bin näher an die Mannschaft herangerückt, sonst hätte mir der Trainer kein Vertrauen geschenkt“, versichert Traoré, „und ich bin froh, dass ich überhaupt dabei sein durfte. Derbys sind kein Spaß. Da braucht man ganz viel Teamspirit. Den haben wir von der ersten Minute an gezeigt.“

Genau dieser Mannschaftsgeist, der Glaube an die eigene spielerische Qualität, die Gladbach in Müngersdorf eine Ballbesitzquote von 74 Prozent bescherte, wird in den kommenden beiden Spielen gefragt sein. Borussia muss am Ostersamstag (15.30 Uhr/Sky) beim Tabellendritten 1899 Hoffenheim antreten, eine Woche später gastiert Borussia Dortmund bei den Fohlen.

Empfehlung an Joachim Löw

„Wir wissen um unser schweres Programm, wir wissen aber auch um unsere Stärke“, sagt Traoré. Und die soll die Gladbacher noch auf einen Startplatz für die Europa League bringen. Es wäre die fünfte internationale Qualifikation für die Elf vom Niederrhein in den vergangenen sechs Saisons.

Cheftrainer Dieter Hecking kann sich auf seine Bank verlassen. Etwa auf Josip Drmic, dem das siegbringende 3:2 per Abstauber von Kapitän Lars Stindl zur Hälfte gehörte. Der Schweizer Nationalspieler traf in der entscheidenden Szene zunächst den Pfosten, ehe Stindl verwertete.

„Ich nähere mich dem Tor langsam an“, versichert Drmic mit einem leicht zynischen Unterton. Der Dauerreservist wartet schließlich weiter auf einen Saisontreffer in der Bundesliga. Hatte aber zuletzt in der WM-Qualifikation für die Schweiz zum 1:0-Heimsieg über Lettland getroffen.

WM-Qualifikation? Da würde Lars Stindl auch gern mal mitspielen. Borussias Kapitän wurde nach seinem neunten Treffer im 14. Pflichtspiel in diesem Jahr erneut mit einem möglichen Einsatz bei Bundestrainer Joachim Löw in Verbindung gebracht. Gladbachs Trainer Dieter Hecking schmunzelte, weil er die Frage zum wiederholtem Male beantworten sollte. Das fiel ihm leicht: „Ich kann nur eine Empfehlung aussprechen. Jogi würde einen guten Spieler bekommen.“

Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik