Gladbach-Analyse

Gladbachs Sorgenkind ist die Defensive - jetzt gegen Schalke

Ging mit Borussia Mönchengladbach in Dortmund unter: Matthias Ginter. Foto: Getty

Ging mit Borussia Mönchengladbach in Dortmund unter: Matthias Ginter. Foto: Getty

Foto: Getty Images

Mönchengladbach.   Am Samstag trifft Mönchengladbach im Liga-Topspiel auf Schalke 04. Wir haben uns das Gladbach-Team angeschaut: Was läuft gut? Was läuft schlecht?

Rund um den Borussia-Park würden sie gern die aktuelle Bundesliga-Tabelle zementieren. Bis zum Saisonende Mitte Mai 2018. Platz vier, Teilnahme an der Champions League – würde sich nach 34 Spieltagen doch aus Sicht der Mönchengladbacher Fußballprofis prima lesen. Doch sind die Fohlen vor dem Topspiel am Samstag (18.30 Uhr/Sky) gegen den Tabellendritten FC Schalke 04 schon reif für die Königsklasse, 20 Spieltage vor Schluss?

Das läuft gut: Trotz der jüngsten Niederlage in Wolfsburg hat das Team von Trainer Dieter Hecking die Auswärtskrise hinter sich gelassen. Acht Siege und fünf Punkteteilungen wurden in 17 Reisespielen unter Hecking verbucht. 2016 gab es in 16 Auswärtspartien unter Vorgänger André Schubert nur einen Erfolg, dafür zwölf Niederlagen. Das Selbstvertrauen auf fremdem Rasen ist gewachsen. Kapitän Lars Stindl entpuppt sich gerade nach seinen Einsätzen für die Nationalmannschaft als großer Antreiber und starker Balleroberer.

Das läuft schlecht: Die Defensive gibt mit 25 Gegentoren Anlass zur Kritik, wirkte in einigen Partien unaufgeräumt, langsam, nicht engmaschig genug. Nur Schlusslicht 1. FC Köln (27) ist wackeliger. Dazu geben Leistungsschwankungen Rätsel auf. Wie etwa beim 1:5 nach einer 1:0-Pausenführung gegen Leverkusen. Oder beim 0:3 in Wolfsburg wegen einer verschlafenen Startphase.

Der Faktor Verletzungsausfälle: Gerade auf den Außenbahnen gerät Gladbach oft in die Bredouille. Fabian Johnson, Patrick Herrmann, Jonas Hofmann und auch Ibrahima Traoré fallen immer wieder verletzt aus. Vor dem Schalke-Spiel scheint auch der Einsatz von Thorgan Hazard gefährdet. Der belgische Nationalspieler gilt neben Stindl sowie den Weltmeistern Kramer und Ginter als wertvollster Borusse.

Der Faktor Trainer: Erfolgreiche Freistöße und Eckbälle gehören wieder zum Repertoire der Borussia. Gerade Co-Trainer Dirk Bremser bringt sein Faible für beide Situationen zur Geltung. Dazu ist die Elf nach der maximalen, aber am Ende verwirrenden System-Flexibilität unter Vorgänger André Schubert meist im 4-4-2 unterwegs. "Da fühlt sich die Mannschaft wohl", betont Trainer Hecking.

Der Faktor Neuzugänge: Weltmeister Matthias Ginter ist in der Abwehr gesetzt, der ehemalige Dortmunder präsentiert sich bisher aber nicht patzerfrei. Der Schweizer Denis Zakaria sorgt mit langen Schritten im defensiven Mittelfeld für Schwung, offenbart aber taktische Mängel im Defensivverhalten. Nach einer starken Startphase hat sich der 18 Jahre junge Franzose Mickael Cuisance im Kader festgebissen. Das soll nun auch für Freistoßexperte Vincenzo Grifo gelten. Der Freiburger lief wegen einer Verletzung anfangs hinterherlief. Kaum Spielanteile hatten bisher Innenverteidiger Reece Oxford von West Ham United sowie die Angreifer Raúl Bobadilla und Julio Villalba.

Wie dringend wird das internationale TV-Geld benötigt? Rund 40 der gut 196 Millionen Euro beim Gladbacher Umsatz des Jahres 2016 stammten aus der Champions League. Dennoch sind internationale Spiele noch kein Muss. Geschäftsführer Stephan Schippers wies in der Bilanz ein Eigenkapital von 88 Millionen Euro aus. Das dürfte wachsen, weil Gladbach neben der Arena ein Hotel mit Museum und medizinischem Zentrum baut, in Eigenregie.

Gibt es in der Winterpause personelle Verstärkung? "Bisher haben wir keine Intention", betont zwar Sportdirektor Eberl. Gleichwohl sind Gladbachs Späher nicht untätig. Der 17-jährige Norweger Alexander Torvund, der als Angreifer in der U17 beim ungarischen Vizemeister Videoton Szekesfehervar aktiv ist, hat das Interesse geweckt.

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