Fußball-Bundesliga

Gladbach war für Denis Zakaria Liebe auf den ersten Blick

Jubel über den Bayern-Sieg mit dem Kapitän: Denis Zakaria freut sich mit Lars Stindl.

Foto: firo/Sebastian El-Saqqa

Jubel über den Bayern-Sieg mit dem Kapitän: Denis Zakaria freut sich mit Lars Stindl. Foto: firo/Sebastian El-Saqqa

Mönchengladbach.   Platz vier ist für Borussia Mönchengladbach ist auch ein Verdienst von Denis Zakaria. Der Schweizer erweist sich als guter Griff von Max Eberl.

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Tabellenplatz vier für Borussia Mönchengladbach in der Fußball-Bundesliga ist auch ein Verdienst von Denis Zakaria. Der 20-jährige Genfer mit afrikanischen Wurzeln entpuppt sich im defensiven Mittelfeld neben Weltmeister Christoph Kramer bisher als nächster Schweizer Glücksgriff von Sportdirektor Max Eberl. Der hat in der Vergangenheit mit Torhüter Yann Sommer, den für 43 Millionen Euro zum FC Arsenal gewechselten Granit Xhaka und Außenverteidiger Nico Elvedi bereits einige wertvolle Eidgenossen vom Topfußball am Niederrhein überzeugen können.

Herr Zakaria, welche Rolle hat die Schweizer Komponente der Borussia bei ihrem Wechsel von den Young Boys Bern gespielt?

Denis Zakaria: Ich habe mit Nico Elvedi viel über einen Wechsel gesprochen. So bekommt man einen guten Eindruck vom neuen Verein. Entscheidend war aber, dass ich bei meinem Besuch im Borussia-Park das Gefühl hatte, in Gladbach will ich spielen. Es war so etwas wie Liebe auf den ersten Blick.

Dabei waren mit Arsenal und Liverpool auch zwei Premier-League-Klubs an Ihnen interessiert?

Zakaria: Gladbach ist auch ein großer Verein in einer starken Liga. Ich möchte mich Schritt für Schritt weiterentwickeln. Bei Borussia hatte ich von Beginn an ein sehr gutes Gefühl. Ich wollte es nicht bereuen hinterher, wenn ich mich doch anders entschieden hätte. Gegen mein Gefühl.

Und Gladbach hat ja grad auf Ihrer Position gesucht nach den Verlusten von Granit Xhaka und Mahmoud Dahoud?

Zakaria: Das war Glück für mich. Man braucht als junger Profi solche Schlüsselmomente, um vorwärts zu kommen. Als ich mit 18 von Servette Genf nach Bern gewechselt bin, war es so ähnlich. Servette war im Tiefflug, Young Boys als zweites Schweizer Topteam hinter Basel suchte jemanden für die Sechser-Position und hat mir vertraut. Ich habe dort zwei Superjahre verbracht.

Der gute Lauf scheint sich fortzusetzen. Samstag gegen Bayern München haben Sie Ihr bisher größtes Spiel als Profi mit 2:1 gewonnen.

Zakaria: Stimmt. Die Bayern sind für mich unter den Top 5 in der Welt. Wir mussten unglaublich viel laufen, haben sie aber besiegt. Und meine Mama hat im Stadion zugesehen. Das war zusätzlich ein schöner Moment für mich.

Ist Sie ein Glücksbringer?

Zakaria: Ja, auch wenn Sie natürlich nicht immer dabei sein kann.

Ist es Ihnen schwer gefallen, die Schweiz im Sommer gegen den Niederrhein zu tauschen?

Zakaria: Mönchengladbach ist wahrlich keine schlechte Stadt. Und in Bern war ich mit 18 auch zum ersten Mal von meiner Familie getrennt. Es läuft derzeit alles gut für mich.

Wo sehen Sie sportlich noch Potenzial?

Zakaria: Eigentlich überall. Ich spiele im Mittelfeld gern offensiv. Da muss ich aber taktisch noch besser werden, gerade in der Rückwärtsbewegung. Wir haben bisher zu viele Gegentore bekommen. Wenn wir Vierter bleiben wollen, müssen wir das abstellen. Da beziehe ich mich ausdrücklich mit ein.

Christoph Kramer hat im vergangenen Jahr betont, mit der Qualifikation zur Champions League wäre seine Sommerablöse von 15 Millionen Euro wieder in der Kasse. Spüren Sie einen ähnlichen monetären Druck?

Zakaria: Ich weiß, dass meine zwölf Millionen Euro nicht wenig Geld sind. Das kann sich nicht jeder Klub leisten. Ich darf mir darüber aber keine Gedanken machen, sondern muss über Fußball die Ablöse rechtfertigen.

Möglichst bis in den internationalen Wettbewerb.

Zakaria: Das ist mein Ziel. Ich will in der neuen Saison wieder in Europa spielen. Mit Gladbach.

Bei der WM 2018 stehen Sie voraussichtlich im Aufgebot der Schweiz. Wer soll am Freitag als Gruppengegner zugelost werden?

Zakaria: Ich habe da keine Wünsche, alle Gegner, die im Topf sind, sind für die Schweiz schwer. Außerdem ist die WM nicht meine größte Motivation.

Sondern?

Zakaria: Ich will mit Gladbach eine große Saison hinlegen. Nur das zählt. Die WM-Spiele werden dann schon kommen, wenn ich in der Bundesliga gut genug bin.

Ihr Nationaltrainer Vladimir Petkovic war davon in den Play-offs überzeugt. Sie durften gegen Nordirland beide Spiele machen.

Zakaria: Und es ist für mich sehr gut gelaufen neben Granit Xhaka.

Was zeichnet den ehemaligen Gladbacher Kapitän aus?

Zakaria: Er hat mir auf dem Rasen unglaublich viel geholfen mit seinen Anweisungen, seinem Blick für Situationen. Er ist ein echter Anführer.

Die Schweizer Presse feierte sie im Duett schon als „Xhakaria”.

Zakaria: Na ja, das ist eine schöne Spielerei. In erster Linie will ich allerdings meinen eigenen Spielstil entwickeln und damit Erfolg habe.

Sie besitzen afrikanische Wurzeln. Ihre Mutter ist aus dem Sudan, Ihr Vater aus der Demokratischen Republik Kongo. Haben Sie in der Vergangenheit darüber nachgedacht, für eines der beiden Länder aufzulaufen?

Zakaria: Nein, ich bin in der Schweiz geboren und fühle mich als Schweizer. Trotzdem sind die Nationen meiner Eltern stets in meinem Herzen. Meinen Vater besuche ich in den Ferien im Kongo, um mich zu erholen. Das zeigt mir dann vor Ort meine familiären Wurzeln.

Das ist Denis Zakaria:

Mit 17 Jahren feierte Denis Lemi Zakaria Lako Lado sein Profidebüt für Servette Genf in der zweitklassigen Challenge League der Schweiz.

1,91 Meter groß, zeichnen den defensiven Mittelfeldspieler schnelle, kraftvolle Vorstöße aus. Die zeigte der Genfer auch bei den Young Boys Bern.

Am 28. Mai 2016 gab Zakaria in der Nationalelf im Test gegen Belgien seinen Einstand.

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