FC Bayern München

Entscheidung gefallen: Javi Martínez verlässt den FC Bayern

Javi Martínez wird den FC Bayern München in diesem Sommer nach acht erfolgreichen Jahren verlassen.

Javi Martínez wird den FC Bayern München in diesem Sommer nach acht erfolgreichen Jahren verlassen.

Foto: firo

München.  Der FC Bayern München verliert einen seiner wichtigsten Spieler der letzten Jahre. Javi Martínez wird nach Informationen dieser Redaktion gehen.

  • Bayern-Star Javi Martínez wird den FC Bayern München noch in diesem Sommer verlassen. Unklar ist noch, wohin es den Spanier zieht. Er ist für viele Richtungen offen.
  • Ein Jahr vorm Vertragsende am 30. Juni 2021 wird Martínez Abschied nehmen, der Verein wird ihm trotz nur geringer Ablöseaussichten die Freigabe erteilen.
  • Martínez gilt als einer der erfolgreichsten Spieler der Klubgeschichte. In seiner ersten Saison gewann er das Triple. In jeder seiner Spielzeiten bei den Bayern gewann Martínez die deutsche Meisterschaft.

Immer, wenn Hansi Flick in den vergangenen Wochen über Javier Martínez sprach, war dem Trainer des FC Bayern die Zwickmühle anzumerken. Einerseits galt es, seine Wertschätzung für Spaniens Weltmeister von 2010 zum Ausdruck zu bringen und diesem das Gefühl zu vermitteln, weiter ein wichtiger Bestandteil der Mannschaft zu sein. Andererseits wollte Flick auch nicht flunkern und falsche Hoffnungen für die Zukunft wecken, weder bei Martínez noch bei den Fans. Heraus kamen Sätze, die Flicks Gespür für einen empathischen und zugleich ehrlichen Umgang belegten.

Javi Martínez kam bei Bayern auf 23 Saisoneinsätze

„Wenn er spielt“, sagte Flick also einerseits, sei Martínez „mit vollem Herzen dabei“, man könne sich „zu tausend Prozent auf ihn verlassen“ und er tue „der Mannschaft auch durch seine Erfahrung gut“. Anderseits habe Martínez immer wieder mit kleinen und größeren Verletzungen zu kämpfen, und Flick wollte es als Kompliment verstanden wissen, dass Martínez trotz anhaltender „Wehwehchen“ auch im Training voll dabei sei. „Für mich ist es wichtig, dass er seine Qualität, die er durchaus hat, ins Spiel bringen kann“, sagte Flick, wozu bei 23 Saisoneinsätzen oder 1006 Minuten in allen Wettbewerben vergleichsweise wenig Gelegenheit bestand. Vor zweieinhalb Wochen fügte Flick hinzu: „Aber bei ihm ist es genauso wie bei Jérôme (Boateng, d. Red.): Er hat auch ein gewisses Alter. Er muss dann letztendlich entscheiden: Wo geht mein Weg hin? Und er weiß natürlich auch, dass die Konkurrenz hier groß ist. Aber das sind Dinge, die muss er dann entscheiden.“

Nach Informationen dieser Zeitung ist die Entscheidung bereits gefallen, anders als beim wiedererstarkten Stamm-Innenverteidiger Boateng, der seinen Vertrag bis 2021 wohl erfüllen wird und der genau einen Tag jünger ist als der defensive Mittelfeldspieler sowie Innenverteidiger aus dem Baskenland: Javier Martínez Aginaga, den sie Javi nennen, wird den FC Bayern in diesem Sommer verlassen, kurz vor seinem 32. Geburtstag am 2. September. Nach acht Jahren endet seine Zeit in München, wohin er 2012 von Athletic Bilbao gekommen war. Ob es ihn zurückzieht in seine Heimat oder zu einem finalen Abenteuer in seiner Karriere anderswo, ist noch nicht bekannt. Gesichert aber ist: Ein Jahr vorm Vertragsende am 30. Juni 2021 wird Martínez Abschied nehmen, der Verein wird ihm trotz nur geringer Ablöseaussichten die Freigabe erteilen. Sein Haus in Grünwald nahe der Isar wird frei und kann von einem anderen Münchner Spieler bezogen werden, wahrscheinlich von einem der Zugänge. Bisher stehen Leroy Sané, Alexander Nübel, Tanguy-Austin Nianzou Kouassi und der zuletzt an den Hamburger SV ausgeliehene Adrian Fein als neue Kadermitglieder fest.

Wenn es besonders gut läuft, könnte Martínez als einer der erfolgreichsten Spieler der Klubgeschichte adiós sagen, als einer aus jenem Quintett, das zwei Mal das Triple gewonnen hat. Wie Manuel Neuer, Boateng, David Alaba und Thomas Müller war er bereits beim Dreifach-Triumph 2013 dabei, und anders als derzeit spielte er damals unter Trainer Jupp Heynckes als Abräumer im Mittelfeld eine ganz entscheidende Rolle. Im August beim Turnier der Champions League in Lissabon streben die Münchner nach dem bereits gewonnenen Double aus Meister- und Pokaltitel erneut das Triple an.

Der frühere Bilbao-Coach Heynckes hatte sich nach der Final-Niederlage mit dem FC Bayern in der Champions League 2012 gegen Chelsea vehement für die Verpflichtung des hierzulande wenig bekannten Martínez eingesetzt, für die damalige Rekordablöse der Bundesliga von 40 Millionen Euro.

Der Baske steht damit auch exemplarisch für die wechselvolle Geschichte der Münchner Rekordtransfers. 2017 folgte von Olympique Lyon der Mittelfeldspieler Corentin Tolisso mit der damaligen Rekordablöse in Höhe von 41,5 Millionen Euro und 2019 von Atlético Madrid Links- und Innenverteidiger Lucas Hernández für 80 Millionen Euro, die nach wie vor höchste Transfersumme der Ligageschichte. Bei Tolisso und Hernández steht der Durchbruch noch aus. Die Investition in Martínez aber hatte sich ausgezahlt, doch zuletzt musste sein Körper seinem einsatzfreudigen und kraftraubenden Kämpferstil immer mehr Tribut zollen. Auch deshalb werden sie den im Verein beliebten Martínez bald verabschieden.

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Bayern-Star Javi Martínez ist für alle Richtungen offen

Wie Flick hatte er das zuletzt schon selbst angedeutet. Er sei „für alles offen“, sagte Martínez vor gut einem Monat in der spanischen Marca, wichtig sei ihm eine neue Aufgabe, die ihn „sportlich und persönlich erfüllt“. Anfang Juni sagte er dort: „Es könnte sein, dass ich in den USA Fußball spielen und leben werde, oder in Australien oder zurück nach Spanien gehe. Ich glaube, ich habe noch etwas Zeit übrig“, wenngleich die Knochen immer öfter knirschen. Auch eine Rückkehr zu Athletic sei „natürlich möglich“, zumal der Verein schon länger erwägt, Martínez zurückzuholen. „In Bilbao habe ich sechs unglaubliche Jahre erlebt“, sagte Martínez. Bald wird er auf seine erfolgreichsten acht Karrierejahre in München zurückblicken – bestenfalls nach dem erneuten Gewinn des Triples zum Abschied.

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