Drittliga-Reform

So reagieren MSV, RWE und RWO auf Bierhoffs Reformpläne

DFB-Direktor Oliver Bierhoff plant eine Reform der 3. Liga.

DFB-Direktor Oliver Bierhoff plant eine Reform der 3. Liga.

Foto: Getty Images

Essen.  DFB-Direktor Oliver Bierhoff bringt eine mehrgleisige 3. Liga ins Gespräch, um Talente besser zu fördern. Die Vereine reagieren überrascht.

Seit dem historischen Vorrunden-Aus der DFB-Elf bei der WM 2018 steht die Talententwicklung im deutschen Fußball auf dem Prüfstand. Nationalmannschaftsdirektor und Akademieleiter Oliver Bierhoff hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Nachwuchsförderung wieder an die Weltspitze zu führen. In diesem Zusammenhang brachte der 51-Jährige eine Wiedereinführung einer mehrgleisigen 3. Liga ins Gespräch. „Das könnte eine Möglichkeit sein, jüngeren Spielern mehr Spielmöglichkeiten zu geben“, sagte der DFB-Direktor dem Kicker.

In den Augen Bierhoffs habe man es verpasst, die Nachwuchsarbeit seit der großen Förderreform nach dem EM-Desaster 2000 regelmäßig nachzujustieren. Mit seinem „Projekt Zukunft“ will er dafür sorgen, dass die „Vereine 2030 nicht mehr ins Ausland schauen“ müssen, um Top-Talente zu finden.

KFC Uerdingen befürchtet Qualitätsverlust

Die dritte Profiliga in der aktuellen Form war erst zur Saison 2008/09 neu organisiert worden, um eine höhere Leistungsdichte im Unterbau von 1. und 2. Bundesliga zu schaffen. Die Gedankenspiele von Verbandsseite, eine Rolle rückwärts zu machen, werden von den Vereinen jedoch mit Skepsis betrachtet. „Eine Zwei- oder gar Dreiteilung würde aus unserer Sicht die Attraktivität und die sportliche Qualität dieser Liga reduzieren, was mit Sicherheit auch Einnahmeverluste nach sich ziehen würde“, gibt der Geschäftsführer des KFC Uerdingen, Nikolas Weinhart auf Anfrage dieser Redaktion zu bedenken. „Talente werden besser, in dem sie sich so früh es geht mit möglichst starken Spielern messen müssen. In einer mehrgleisigen Liga würde zwangsläufig das Niveau sinken.“

Weinhart nennt in diesem Kontext konkret Franck Evina, Jean Manuel Mbom und Oliver Steurer als Beispiele für "Spieler, die von Bundesligisten ausgeliehen wurden und in Uerdingen die Spielpraxis erhalten, die sie für ihre nächsten Schritte auf dem Weg in die Bundesliga benötigen.“

MSV-Manager Grlic reagiert überrascht

Drittliga-Konkurrent MSV Duisburg zeigt sich überrascht darüber, Gedanken von Oliver Bierhoff zur Zukunft der 3. Liga aus den Medien zu erfahren, noch bevor sich Vereine und Verband bezüglich eines Konzepts zusammengesetzt haben. "Ich sehe den MSV als Ausbildungsverein", betont Ivica Grlic auf Anfrage dieser Redaktion, "als solcher legen wir Wert auf das Thema Jugend und auf die Förderung junger Spieler im Profifußball."

Der MSV-Sportdirektor sieht wenig Notwendigkeit darin, grundlegend am Gerüst der bestehenden Liga zu rütteln. "Bisher ist die 3. Liga als Teil des Profifußballs unserer Ansicht nach in seiner Eingleisigkeit sehr gut vermarktet. Außerdem hat sich die 3. Liga unter den aktuellen Rahmenbedingungen als adäquate Ausbildungsstation für Spieler der höheren Ligen erwiesen. Die Liga ist sportlich aktuell sehr homogen, was sowohl der Attraktivität für Zuschauer als auch für Spieler zugutekommt. Des Weiteren ist der Sprung zwischen 2. Bundesliga und 3. Liga nicht allzu groß."

Zurückhaltung auch bei RWE und RWO

Auch aus der Regionalliga kommen zurückhaltende Reaktionen, obwohl sich bei einer Drittliga-Reform die Aufstiegschancen für die Viertligisten zwangsläufig deutlich verbessern würden. In einer Stellungnahme warnt Rot-Weiss Essen vor einer wachsenden Kluft zwischen 2. und 3. Liga. „Neben vielen weiteren offenen Fragen wäre zu klären, ob eine zwei- oder dreigleisige 3. Liga auch zu einer weiteren Aufteilung der TV-Einnahmen für die dann doppelte, beziehungsweise dreifache Anzahl von Drittligisten führt.“

Ähnlich äußerte sich Regionalliga-Konkurrent Rot-Weiß Oberhausen. "Für die Talentförderung kann das auf sportlicher Ebene sicher ein Ansatz sein. Aber die Vereine müssen diese Ausbildung auch irgendwie finanzieren. Die Anforderungen an die Vereine steigen immer weiter. Aber die Einnahmen sind durch die Strahlkraft der Liga regional und durch diverse andere Umstände begrenzt. Hier wäre vielleicht zu überdenken, ob sich durch den Verband nicht ein 'Topf' einrichten lässt, aus dem dann analog zum TV-Geld-System der oberen Klassen anhand der Abschlusstabelle des Vorjahres jeweils eine aufgeschlüsselte Summe gezahlt wird."

Die weiteren Entwicklungen werden in Oberhausen mit großem Interesse verfolgt. Man hofft auf eine Verbesserung der Bedingungen für die Viertligisten. "Grundsätzlich ist jeder Ansatz begrüßenswert, der dazu führt, dass alle Meister aufsteigen. Wenn das die Lösung des Problems ist, sind wir dabei."

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