Champions League

105 Festnahmen, 238 Verletzte - das Champions-League-Drama

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Ein Polizist versprüht Tränengas beim Champions-League-Finale.

Ein Polizist versprüht Tränengas beim Champions-League-Finale.

Foto: Getty

Paris.  Beim Champions-League-Finale in Paris gab es chaotische Szenen. Gefälschte Karten, viele Festnahmen, Pfefferspray - das ging schief am Samstag.

Die verstörenden Bilder des Tränengaseinsatzes gegen Fußball-Fans beim Einlass-Chaos am Stade de France wirkten lange nach. In einer vorläufigen Bilanz registrierte die Polizei rund um das Champions-League-Finale 105 Festnahmen und 238 Verletzte. In den Sozialen Medien tauchten etliche Fotos und Videos auf, die einen mindestens unverhältnismäßigen Einsatz der Ordnungskräfte am Stadion zeigten. Ein „katastrophales Bild von Frankreich“ sei vor dem Endspiel des FC Liverpool gegen Real Madrid am Samstag gezeichnet worden, schrieb die französische Zeitung Le Figaro. "Unglaublich, dass so etwas in der Champions League passieren kann“, schrieb die spanische Zeitung AS. Es habe zeitweise einen Kontrollverlust gegeben, während englische Fans versucht hätten, ins Stadion zu gelangen.

Die Hauptstadt Frankreichs war am Samstag fest in englischer Hand. 60.000 bis 70.000 Liverpooler sollen sich auf den Weg über den Ärmelkanal gemacht haben, um ihren FC Liverpool im Champions-League-Finale gegen Real Madrid triumphieren zu sehen. Es kam ganz anders. Sportlich. Und katastrophal auch im Umfeld des legendären Stade de France. Der Anpfiff verzögerte sich um mehr als 30 Minuten, denn zahlreiche Anhänger des FC Liverpool befanden sich kurz vor dem ursprünglich geplanten Anpfiff um 21 Uhr noch nicht auf den Rängen, auch beim Anpfiff gab es noch einige Lücken.

Unser Reporter Christian Woop berichtete vor Ort: „Es gibt zwei Bahnhöfe in der Nähe des Stadions, an dem einen kommen aber kaum Züge an, weil die Linie bestreikt wird. Vom anderen Bahnhof aus wird man durch eine Gasse geführt, die viel zu eng ist. Gibt bloß vier oder fünf Taschen-Kontrolleure dort. Das ist der einzige Weg zum Stadion.“ Hintergrund: Eine Gewerkschaft bestreikt die Linie RER B, es ist eine der wichtigsten Nord-Süd-Verbindungen durch die Stadt – und sie macht Station am Stade de France in Saint-Denis.

Gefälschte Karten sorgen für Chaos, Polizei reagiert hart

Dann kam es zu Tumulten: Mehrere Hundert Liverpool-Fans hatten sich ohne Tickets Zugang ins Stade de France verschafft. Bilder in den Sozialen Netzwerken und im TV zeigten teils chaotische Szenen beim Einlass rund um die Arena. Die Pariser Polizei twitterte auf französisch, englisch und spanisch, dass Fans nicht versuchen sollten, sich den Zugang zu erzwingen. Am Stadion selbst zeigten Videos, wie Polizisten mit Tränengas gegen einige Fans vorgingen. Die Europäische Fußball-Union Uefa erklärte das Chaos beim Stadion-Einlass später durch das hohe Aufkommen von Fans ohne gültige Tickets. Die Drehkreuze am Eingang von Liverpool seien blockiert gewesen, weil Tausende Anhänger, die gefälschte Tickets erworben hätten, diese nicht passieren konnten. Der Kontinentalverband äußerte Mitgefühl für diejenigen, die durch die Vorfälle betroffen gewesen seien und kündigte eine Aufarbeitung mit der französischen Polizei und dem französischen Verband an. Laut Polizei habe es sich bei den Verletzungen um „leichte“ Blessuren gehandelt, die Versorgung habe vor Ort stattgefunden.

Die Mannschaften kamen kurz nach 21 Uhr wieder aus der Kabine und machten sich ein zweites Mal warm. Die Eröffnungsfeier startete um 21.23 Uhr, begleitet von einem lauten Pfeifkonzert der Anhänger. Um 21.37 Uhr war es dann schließlich soweit: Anstoß.

Gegen Wände und Zäune gedrückt

Nach der Halbzeitpause berichtete unser Reporter Christian Woop: "Draußen herrscht immer noch eine angespannte Stimmung. Fans versuchen weiterhin, durch die Gates zu kommen. Die Polizei in Vollausrüstung antwortet mit Pfefferspray. Liverpool Fans erzählten mir, wie sie gegen Zäune und Wände gedrückt worden sind. Sie beklagten auch die Beschilderung auf dem Weg ins Stadion, die Polizei konnte oder wollte nicht helfen. Die Polizisten antworteten immer nur, sie können kein Englisch - sagten dies aber auf Englisch."

„Ich bin nicht sicher, dass es möglich ist, ein Event schlechter zu organisieren, sogar falls man es versuchen würde. Absolut chaotisch und gefährlich“, twitterte die englische Fußball-Legende Gary Lineker. Wie wahr. Nicht mal die Hälfte der vielen englischen Fans war mit Tickets versorgt. Ein paar Fans hatten das Meer sogar von der Kanalinsel Jersey aus per Speedboot überquert. Andere wiederum kamen über Irland nach Frankreich. Direktflüge aus England kosteten an diesem Wochenende ein kleines Vermögen. Auch die Hoteliers hatten ihre Preise kräftig angezogen. Wer in der Nähe der Arena übernachten wollte, konnte das teilweise für eine vierstelligen Preis tun. Pro Nacht versteht sich.

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