Schon zu Beginn des Schalke-Tags brachte es Vorstandschef Matthias Tillmann auf den Punkt: „Mit zweiter Liga hat das hier gar nichts mehr zu tun“, sagte er mit Blick auf die unglaubliche Kulisse bei der offiziellen Saisoneröffnung des FC Schalke 04 am Samstag. Laut Vereinsangaben waren über den ganzen Tag verteilt mehr als 100.000 Fans rund um die Arena, um sich gemeinsam auf die anstehende Bundesligasaison einzustimmen. Die Atmosphäre war tatsächlich nicht nur bundesliga-, sondern sogar Champions-League-würdig.

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Der Hype rund um die Mannschaft war am Berger Feld nicht nur spürbar, sondern auch sichtbar. Die Belege: Bei einer Autogrammstunde von Trainer Miron Muslic und Sturm-Ikone Edin Dzeko im Zelt von Hauptsponsor Beumer drehten die Fans derart durch, dass kurzzeitig Chaos ausbrach. Die anwesenden Security-Mitarbeiter drohten zwischenzeitlich sogar mit dem Abbruch der Autogrammstunde – erst dann ging es gesitteter zu.

Schalke-Trainer Miron Muslic macht Ansage vor Bundesliga-Start
Mindestens genauso verrückt: Für Autogramme im Spieler-Zelt standen die Fans in einer gut 300 Meter langen Schlange. Da die anwesenden Profis rund um Robin Gosens, Loris Karius und Dejan Ljubicic aber nur begrenzt Zeit hatten, gingen etliche Autogrammjäger hier leer aus. Der guten Stimmung tat das aber keinen Abbruch. Alle Spieler und Verantwortlichen in Königsblau wurden gefeiert wie Rockstars – allen voran Trainer Muslic, der den vielen Schalkern während des Rahmenprogramms aus der Seele sprach.
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„Ich hatte hier vor einem Jahr die Möglichkeit, vor so vielen Menschen das Mindset auf Schalke zu ändern. Nicht nur bei den Profis, sondern auch bei den Fans. Wir sind Schalke. Bescheiden, bodenständig, aber ambitioniert.“ Und dann ließ der Coach eine Ansage folgen: „Wir brauchen vor niemandem Angst zu haben. Das gilt zu hundert Prozent auch für die Bundesliga.“ Die Fans quittierten diese Worte mit Jubel und Applaus.
Stimmungsvoll ging es auch im anschließenden Testspiel gegen Atalanta Bergamo weiter. Schier unglaubliche 58.587 Fans waren in der Arena, um das Duell mit den Italienern zu schauen. Sie sahen zweifelsfrei ein unterhaltsames Spiel – allerdings mit dem besseren Ende für den Conference-League-Teilnehmer aus Norditalien. Mit 0:3 (0:2) mussten sich die Schalker geschlagen geben.
Schalke mit Pech im Abschluss, Bergamo eiskalt
Trotz des letztlich klaren Ergebnisses spielten die Schalker aber gut mit. Die Muslic-Elf presste zeitweise hoch, setzte die Italiener so früh unter Druck und schaffte es, Fehler zu erzwingen. Kapitän Kenan Karaman hatte vor der Pause gleich zwei Großchancen. Nach einer Flanke von Neuzugang Junior Dina Ebimbe köpfte er zunächst knapp über das Tor (10.); nach einer Ecke von Adil Aouchiche scheiterte er per Kopf wenig später an der Unterkante der Latte (38.).

Ein Qualitätsunterschied wurde vor allem bei der Chancenverwertung deutlich – denn hier waren die Italiener wesentlich effektiver. Nach einer guten Kombination gingen die Gäste durch den italienischen Nationalstürmer Gianluca Scamacca in Führung (30.).
Noch vor dem Halbzeitpfiff kassierten die Schalker dann sogar das 0:2. Nach einer S04-Ecke inklusive Karaman-Großchance landete der Ball im Rückraum bei Vitalie Becker. Als letzter Verteidiger wagte er einen Schussversuch, doch dieser wurde von Lazar Samardzic geblockt. Die Folge: Der gebürtige Berliner lief 60 Meter weit unbedrängt auf das Tor von Loris Karius zu. Soufiane El-Faouzi eilte zwar noch zurück, doch Samardzic umkurvte sowohl ihn als auch Karius locker und schob dann ins leere Tor ein. Inmitten der Laola erhöhte Nikola Krostovic sogar noch auf 0:3 (87.). Im königsblauen Freudentaumel ging das beinahe unter.
Schalke-Gänsehaut-Moment wegen Sead Kolasinac
Spannend war allerdings nicht nur das Geschehen auf dem Rasen, sondern auch die Aufstellung der Königsblauen – denn diese gibt Aufschluss über die derzeitige A-Formation von Trainer Muslic. Neben vielen Aufstiegshelden scheint dort derzeit Neuzugang Junior Adamu die Nase vor Moussa Sylla im Sturmzentrum zu haben. Im defensiven Mittelfeld bekam zudem Satoshi Tanaka den Vorzug vor Ron Schallenberg. Auch der zuletzt angeschlagene WM-Fahrer Dejan Ljubicic verfolgte die erste Halbzeit von der Bank. Er kam nach Wiederanpfiff für Debütant Dina Ebimbe. Gar nicht erst im Aufgebot standen Robin Gosens (Oberschenkelverletzung), Edin Dzeko (Trainingsrückstand), Max Wöber (krank) sowie Bryan Lasme (Verletzung im Training).

Auch im zweiten Durchgang spielte Schalke munter mit und begeisterte das Publikum mit Einsatz und einigen Offensivaktionen. Im Fokus standen hier immer wieder Karaman und Junior Adamu, die einige Chancen ausließen. Richtig laut wurde es aber in der Schlussphase wegen eines Spielers von Atalanta: Bei seiner Einwechslung (61.) wurde Ex-Schalker Sead Kolasinac angekündigt wie ein Königsblauer. Stadionsprecher Timo Düngen rief den Vornamen, über 50.000 Schalker in der Arena brüllten „KOLASINAC“. Ein Gänsehautmoment, den der 33-Jährige mit Applaus quittierte.
Tore fielen nach der Kolasinac-Einwechslung zwar nicht mehr. Trotz Niederlage gingen die Schalker allerdings zufrieden nach Hause. Viele von ihnen werden schon kommenden Sonntag (16. August) wieder in die Arena kommen, wenn der nächste Test gegen die Königlichen von Real Madrid ansteht. Eine ganz besondere Atmosphäre ist auch hier garantiert. Schon jetzt ist die Partie ausverkauft.
Aufstellung Schalke 04:
Karius – T. Becker (71. Katic), Ayhan, Kurucay – Dina Ebimbe (46. Ljubicic), Tanaka (71. Schallenberg), El-Faouzi, V. Becker (78. Vozar) – Aouchiche, Karaman (62. Sylla) –Adamu (80. Gomis)








