Im Fußball kann es ganz, ganz schnell gehen. Am Donnerstagnachmittag kam Kevin Müller nach dem Training in eine Medienrunde, um über seine Rolle als Ersatztorwart zu sprechen. Eine Rolle, mit der er sich arrangiert hatte. Da wusste er noch nicht, dass er nur zwei Tage später sein Debüt für Schalke 04 feiern würde. Beim 5:3 (2:1) gegen Magdeburg am Samstagabend vertrat er den am Rücken verletzten Loris Karius: Kurvenparty inklusive.
Man kann sich nur wohl fühlen.
Kevin Müller, Schalke-Torwart
Kevin Müller: 330 Spiele für Heidenheim, eins für Schalke
Für den Torwart hatte im Alter von 34 Jahren vor wenigen Wochen noch einmal ein neuer Abschnitt in seiner Karriere begonnen. Nach 330 Pflichtspielen in zehn Jahren für den 1. FC Heidenheim in der beschaulichen, fast schon abgeschiedenen Ostalb irgendwo hinter Ulm wechselte der Torwart auf Leihbasis für sechs Monate zum FC Schalke 04 ins große Ruhrgebiet. Seine klare Rolle: Er soll Karius unterstützen.
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Müller, das ist im Training, im Kollegenkreis, bei den Spielern, im Gespräch mit Fans und Reportern zu spüren, genießt jede Sekunde, ob er spielt wie gegen Magdeburg oder eben nicht. „Man kann sich nur wohlfühlen“, sagte Müller. Alle hätten es ihm sehr leicht gemacht. Er würde sich nicht in einer „Scheißsituation“ befinden. „Ich bin da, um Loris, das Trainerteam und die Mannschaft zu unterstützen. Diese Aufgabe ist klar definiert. Im fortgeschrittenen Alter ändern sich die Rollen, ich bin fein damit“, sagte Müller am Donnerstag – bevor er von seinem Einsatz erfuhr.

Schalke-Torwart Müller: großer Fan der Seattle Seahawks
An die Schalke-Zeit wird er sich immer erinnern, das steht schon jetzt fest. Das liegt nicht nur an der Größe des Vereins, der „Strahlkraft“, die ganz anders sei als in Heidenheim, völlig neu für ihn. Sein Lieblings-Footballteam Seattle Seahawks gewann kürzlich den Super Bowl – für Müller, den offiziellen Seahawks-Botschafter für Deutschland, etwas ganz Besonderes. Schalke hatte ihm erlaubt, an der Watchparty der Seahawks in Berlin teilzunehmen.
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Kann Müller am Saisonende auch mit Schalke feiern? Mit Heidenheim ist er bereits in die Bundesliga aufgestiegen. Sein Aufstiegstipp an seine Mitspieler: „Man muss zusammenstehen bis zum bitteren Ende. Es sind noch zwölf Spiele. Mit jedem Spiel weniger merkst du: Jeder guckt mehr auf die Tabelle, auf die Punkte, achtet darauf, gegen wen man schon spielt. Alle fangen an zu rechnen. Das ist aber Bullshit. Es geht nur um das, was du beeinflussen kannst: sich täglich als Mannschaft gut präsentieren, nicht auf die anderen schauen. Solange du dein Schicksal selbst in der Hand hast, und das haben wir, musst du dich darauf konzentrieren. Auch die Nebengeräusche müssen wir ausblenden.“ In Schalkes Mannschaft stecke sehr viel Qualität.

Auch Müller-Sohn Pepe ist Torwart
Doch wie geht es für Müller in der kommenden Saison weiter? Auf jeden Fall im Profifußball, das scheint festzustehen, denn Müllers Heidenheim-Vertrag gilt noch bis Juni 2027. Könnte er sich ein weiteres Schalke-Jahr vorstellen? Er sagt: „Dazu gehören viele Parteien. Erst einmal Heidenheim, dort habe ich einen Vertrag für die kommende Saison. Auch Schalke müsste sagen, dass man mit mir weiterarbeiten möchte. Der volle Fokus liegt auf den kommenden drei Monaten.“ Seine Familie lebt aktuell weiter in Heidenheim. Müllers Frau ist dort fest verwurzelt, sein 15 Jahre alter Sohn Pepe spielt in der U15 der Heidenheimer – auch als Torwart. Und auch er wird am Samstagabend ganz genau hingesehen haben, als der Papa sein Schalke-Debüt feierte. Vor 61.000 Zuschauern; schon etwas ganz anderes als in Heidenheim.







