Der blau-weiß umrandete Wimpel mit dem Pokal und der Aufschrift „Uefa-Cup 96/97“, den Gerd Rehberg im Mai 1997 zum Besuch der Sportredaktion mitbrachte, existiert noch. Er signierte ihn damals voller Stolz, obwohl er sich nie wichtig nehmen wollte. Er thronte nicht auf dem Mount Ego, es ging ihm um Teamgeist, immer.

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Aber in jenen Tagen konnte man ausnahmsweise auch mal die Zurückhaltung vergessen. Als Präsident des FC Schalke 04 hatte Gerd Rehberg allen Grund zu übermäßiger Freude: Die Königsblauen hatten bereits eine triumphale Europa-Tournee hinter sich, nun standen sie kurz vor den beiden Finalspielen des Uefa-Cups gegen Inter Mailand. Der Kessel der Emotionen kochte über, als sie wenig später sogar die Trophäe mit nach Hause brachten. Da durfte auch der Chef des Hauses die Hochstimmung ausgiebig genießen.
Schalke und Gelsenkirchen feiern Gerd Rehberg
An diesem Donnerstag wird Gerd Rehberg 90 Jahre alt. Das Autogramm von einst ist verblichen, und mit der Zeit hat auch der Klub an Glanz eingebüßt. Schalke 04 ist heute trotz der vorbildlichen Treue seiner Fans nur noch ein ambitionierter Zweitligist. Aber natürlich hat der traditionsbewusste Verein diejenigen nicht vergessen, die ihm zu Erfolgen verhalfen. Und dazu zählt auch Gerd Rehberg.

Deshalb wird an seinem Ehrentag in der Arena, an deren Entstehung er maßgeblich mitwirkte, ein Empfang ausgerichtet: Nicht nur vom FC Schalke, dem Gerd Rehberg von 1994 bis 2007 diente, sondern auch von der Stadt Gelsenkirchen. Denn auch die Kommune hat diesem Mann vieles zu verdanken: 1975 wurde er für die SPD erstmals in den Stadtrat gewählt, 1979 stieg er zum Bürgermeister auf – und blieb es 25 Jahre lang. Gerd Rehberg, dem Kümmerer, wurde 2010 das Bundesverdienstkreuz erster Klasse verliehen.
Schalke war in den Achtzigern von Chaos und Krawall geprägt
In das Amt beim FC Schalke kam der heutige Ehrenpräsident zu einer Zeit, als der Klub vor allem mit Chaos und Krawall Schlagzeilen machte. Einen geeigneten Präsidenten zu finden, war in den Achtzigern und frühen Neunzigern oft eine Wahl der Qual. Mal reichte ein lockerer Spruch über Borussia Dortmund für die Amtsübernahme, mal machte privater Millionenbesitz einen Selbstdarsteller zum Hoffnungsträger, mal warf ein frisch Gewählter im frühen Frust schon nach drei Tagen die Brocken wieder hin. „Das konnte so nicht weitergehen“, erkannte Gerd Rehberg. Als er sich trotz der nicht unbegründeten Skepsis seiner mittlerweile leider verstorbenen Frau und seines Sohnes dazu bereiterklärte, seine verbindenden Fähigkeiten einzubringen, atmete der ganze Verein auf.
Endlich einer, der passte. Seine persönliche Geschichte machte Gerd Rehberg zur Idealbesetzung. Glückauf, der Steiger kommt.
Seit Kindertagen war er Schalke-Fan, obwohl er nicht im Ruhrgebiet geboren wurde, sondern in Ostpreußen. Der Vater war im Krieg gefallen, die Mutter flüchtete mit dem zehnjährigen Jungen vor der Roten Armee und fand später eine neue Heimat in Schleswig-Holstein. Zuvor hatte der kleine Gerd in einem Flüchtlingslager in Dänemark einen interessanten jungen Mann kennengelernt: „Der hatte es geschafft, sein Album mit Fußball-Sammelbildern zu retten.“ Gerd Rehberg sah die Fotos der Spieler des damals ruhmreichen FC Schalke 04 – von diesem Moment an war er mit dem blau-weißen Virus infiziert.
Gerd Rehberg entschied sich für die Zeche Westerholt – wegen Schalke
Als Jugendlicher wollte er ursprünglich zur See fahren. „Aber viele meiner Freunde waren damals schon ins Ruhrgebiet gegangen, in den Bergbau.“ Und so verwarf auch er seine Pläne. Gerd Rehberg wurde Bergmann, er entschied sich für die Zeche Westerholt. Wegen der Nähe zu Schalke: „Ich bin immer zu den Spielen gegangen.“
40 Jahre lang blieb er der Kohle treu, 25 davon als Steiger auf Westerholt. Diese Persönlichkeit war für den Verein ein Glücksfall. Ein Mann, für den Maloche kein Fremdwort war, der zudem den Ruf hatte, verlässlich, bodenständig und uneitel zu sein.

Ein Vorzeige-Repräsentant. Aber kein Frühstücksdirektor, wie manches Mal unverschämt behauptet wurde, weil an seiner Seite ein deutlich auffälligerer, hemdsärmeliger Macher namens Rudi Assauer wirbelte. Obwohl Gerd Rehberg als ein Mann des Ausgleichs bekannt war („Ich bin harmoniebedürftig“), konnte er auch auf den Tisch hauen: „Ich habe immer meine Meinung gesagt.“ Wenn er sich auf Schalke anfangs wie im wackelnden Wagen auf der Teamgeisterbahn vorkam, griff er entschlossen ins Lenkrad. Weil er wusste: „Unsere Fans und Freunde hatten von Krach und Knatsch die Nase gestrichen voll.“
Schalke trieb den Abbau der Altlasten voran
In dringend nötigen neuen Strukturen konnte mit der Zeit der Abbau von Altlasten vorangetrieben werden. Denn seit 1994, als Gerd Rehberg Präsident wurde, wird der Vorstand nicht mehr direkt von einer wankelmütigen Mitgliederschaft gewählt, sondern von einem Aufsichtsrat ernannt.
„Viele wollten vor drei Jahren mit Schalke nichts mehr zu tun haben“, erzählte Gerd Rehberg 1997 beim Redaktionsbesuch. Aber inzwischen hatte der Verein 19 Millionen Mark Schulden abgebaut, auch durch Gerd Rehberg konnte neues Vertrauen bei Banken und Sponsoren gewonnen werden. „Wir hatten einen guten Vorstand“, bilanziert er. „Wir haben aber auch die Ärmel hochgekrempelt.“

Erst als er vor knapp 20 Jahren vom Präsidenten zum Ehrenpräsidenten wurde, kündigte Gerd Rehberg an: „Ich werde nur noch das machen, was mir Spaß macht.“ Logisch, welche Leidenschaft ihn besonders leitet: Er besucht immer noch die Heimspiele seines FC Schalke 04.




