Im ersten Moment, so sagte es Vitalie Becker ehrlich, hätte er gar nicht gewusst, wo er hinlaufen soll. „Es war auf einmal so laut, mein erstes Tor, einfach sprachlos“, sagte der 20 Jahre alte Linksverteidiger des FC Schalke 04 nach dem 2:0 (1:0)-Erfolg seines Teams bei Fortuna Düsseldorf, zu dem er in der 81. Minute das zweite Tor beigetragen hatte. Es war sein erstes als Profifußballer. „Ich bin voll happy, sehr zufrieden“, ergänzte Becker.

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Unter den 51.500 Zuschauern in der Düsseldorfer Arena waren rund 20.000 Anhänger der Königsblauen - und nachdem Becker einige Sekunden später realisiert hatte, was ihm da gelungen war, lief er direkt auf Trainer Miron Muslic zu und herzte ihn. „Ich bin ihm sehr dankbar, weil ich vor der Saison nicht so auf dem Zettel stand. Er gibt mir das Selbstbewusstsein und das hilft mir. Ich wollte ihm diese Dankbarkeit zeigen“, sagte Becker. Der junge Linksverteidiger, das ist noch so eine Märchengeschichte in dieser Schalker Saison, in der ein Party-Höhepunkt auf den nächsten folgt.

Fortuna Düsseldorf - FC Schalke 04
Tor für Schalke: Vitalie Becker überwindet Torwart Florian Kastenmeier mit einem Linksschuss.© Anke Waelischmiller/dpa | Anke Waelischmiller

Vitalie Becker ist Schalker durch und durch, trug im Alter von acht Jahren zum ersten Mal das S04-Trikot, durchlief danach sämtliche Jugendmannschaften. 2022 holte er mit der U17 den Meistertitel. Im Januar 2024 nahm er als U19-Spieler am Profi-Trainingslager in Albufeira teil, einen Monat später erhielt er einen bis Juni 2027 gültigen Profivertrag. Danach ging es für ihn aber bergab. In seinem ersten Jahr als Seniorenfußballer erhielt er keine Chance bei den Profis. Wegen einer Verletzung verpasste er die Hinrunde der Saison, in der Rückrunde bestritt er 16 Spiele für die Regionalligamannschaft.

Schalke: Murkin geht - die große Chance für Becker

Durch den Abgang von Derry Murkin (Utrecht) rückte er zur Vorbereitung wieder zu den Profis - denn Schalke fehlte das Geld für einen neuen Linksverteidiger. Favorit Anton Donkor schwächelte schon zu Beginn der Muslic-Zeit. Schon im Trainingslager in Neustift im Stubaital war zu sehen, dass es Beckers Saison werden könnte. „Das ist eine schöne Schalke-Geschichte“, resümierte Muslic. „Der Junge war klar abgestempelt als ,Er hat nicht die Qualität‘, wie so viele andere Schalke-Spieler. Aber er hat von Tag eins an alles investiert. Wir sind sehr glücklich über seine Entwicklung und den Weg, den er mit uns geht. Ich bin sehr glücklich über sein erstes Tor.“ Becker und Muslic blieben bei ihrem Jubel nicht allein, schnell war an der Seitenlinie eine riesengroße Schalker Jubeltraube zu sehen. Auch die Fans sahen Beckers Trainer-Sprint als Zeichen für den Zusammenhalt.

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Der Treffer war nicht Beckers einzige gute Aktion. Er behauptete in der 55. Minute an der eigenen Eckfahne den Ball gegen mehrere Düsseldorfer und spielte einen Kurzpass auf Christopher Antwi-Adjei, der rüde von Tim Oberdorf gefoult wurde. Dafür sah der Fortuna-Profi Gelb-Rot, Schalke spielte fortan in Überzahl. Auch in Luftduellen sah Muslic Fortschritte bei Becker: „Er hat einen Schritt nach vorn gemacht in seinen Luftzweikämpfen. Auch Düsseldorf hat schnell den langen Diagonalball auf unsere linke Seite gesucht.“ Muslic selbst hatte nach Trainingseinheiten mit Becker daran gearbeitet.

Schalke-Abwehrchef Katic: „Hat sehr, sehr große Zukunft vor sich“

Seine Teamkollegen sind vom Talent und den Qualitäten Beckers begeistert. „Er zeigt von Spiel zu Spiel seine Klasse“, erklärte Abwehrchef Nikola Katic. „Er ist erst 20 Jahre alt, ein Linksverteidiger mit starkem linken Fuß, er hat eine sehr, sehr große Zukunft vor sich. Ich hoffe, dass wir ihn so lange wie möglich halten können.“