So offen wie selten seit seinem Rücktritt als Aufsichtsratsvorsitzender am 30. Juni 2020 mitten in der Coronakrise hat Clemens Tönnies über den FC Schalke 04 gesprochen. Der 69-Jährige distanzierte sich im OMR-Podcast vom gegenwärtigen Aufsichtsratschef Axel Hefer und deutete an, dass er oft gebeten werde, wieder zu den Königsblauen zurückzukehren.

Ex-Chef Tönnies bleibt Schalker, aber „will da nicht wieder hin“

„Ich glaube, dass ich bei den allermeisten Mitgliedern in sehr, sehr guter Erinnerung bin“, sagte Tönnies. „Warum? Weil ich für die allerbeste Zeit stehe, die Schalke jemals hatte. Das wissen die.“ Er fügte hinzu: „Ich habe Prozessionen hinter mir von Leuten, die mir sagen: Du musst da wieder hin. Ja, wir haben in den 26 Jahren, die ich da war, eine tolle Zeit gehabt. Mir ist es gelungen, gute Leute um mich zu versammeln. Es war eine tolle Zeit, ich will keine Sekunde missen.“ Er würde, sagt Tönnies, Schalker durch und durch bleiben. „Aber ich will da auch nicht mehr wieder hin“, sagte er.

Seinem Nach-Nachfolger Hefer würde er eins besonders übelnehmen: „Er hat alle Bilder von Clemens Tönnies aus dem Schalke-Museum entfernt. Das macht man nicht. Ich bin ein Teil der Schalke-Geschichte. Es wurde gesagt: Sie wollten Gazprom negieren. Das macht man auch nicht. Das ist auch Teil der Geschichte.“ Stimmt das auch so? Der Verein beantwortete die Frage in der jüngeren Vergangenheit mehrmals. Es seien Bilder abgehängt worden, aber personenunabhängig, nur wegen Gazprom – vor allem, als Schachtar Donezk seine Champions-League-Spiele auf Schalke austrug.

Was Ex-Schalke-Chef Tönnies über die Ultras sagt

Hefer, so Tönnies, sei im Gegensatz zu ihm ein bekennender Ultra - was Hefer selbst übrigens nie gesagt hat. „Er zieht keinen Vereinsanzug hat, er kommt mit einem Kapuzenpulli“, sagte Tönnies und fügte hinzu: „Ich würde mit ihm nicht in den Urlaub fahren. Ich habe viele Entscheidungen, die er zu verantworten hat, nicht verstanden.“ Dass Hefer nur Kapuzenpulli trägt, ist nicht ganz korrekt: Zur Mitgliederversammlung kam er beispielsweise in einem Anzug.

Es war eine tolle Zeit, ich will keine Sekunde missen. Aber ich will da auch nicht mehr wieder hin.

Clemens Tönnies, über seine Zeit als Schalker Aufsichtsratsboss

Die Ultras, so Tönnies, würden ihn nicht mögen. „Ich will nicht sagen, dass die mich hassen, aber die mögen mich nicht. Ich habe gesagt: Ihr seid zwar wichtig, aber ihr seid nicht der gesamte Verein. Wir haben eine Hausordnung und daran haltet ihr euch bitte. Wer sich nicht daran hält, der kriegt Stadionverbot. Die habe ich auch reihenweise unterschrieben. Wer Gewalt anwendet, der fliegt raus. Fertig.“

firo :  15.11.2025,
Fussball, Fußball, 2.Liga, 2.Bundesliga, Saison 2025/2026, FC Schalke 04,
MV, Mitgliederversammlung 2025, JHV Jahreshauptversammlung
Aktuell Chef des Schalker Aufsichtsrats: Axel Hefer.© Jürgen Fromme /firo Sportphoto | Jürgen Fromme

Die Ultras, so Tönnies, hätten ihm immer vorgeworfen, sich zu sehr ins Tagesgeschäft einzumischen. Dazu sagte er: „Schalke hat über 300 Millionen Euro von Gazprom bekommen. Mit diesem Deal habe ich Schalke das Leben gerettet. Oder der Deal mit Veltins, als es um die Namensrechte der Arena ging. Den habe ich auch eingetütet. Veltins zahlt heute noch einen Millionenbetrag.“ Trotz der Differenzen mit Hefer wäre Tönnies immer noch bereit zu helfen: „Ich stehe zu Schalke. Ich habe ein paar Mal angeboten: Wenn Herr Hefer einen Rat braucht, dann kriegt er den. Wenn er sagt: Kannst du helfen? Bin ich auch dabei.“ Die Spiele würde er aber nur noch selten schauen. „Wir haben die Loge in der Arena, ich war aber nicht so oft da. Ich drücke dem Verein beide Daumen, aber will nicht mehr so präsent sein, das müssen andere machen“, sagte Tönnies. Trainer Miron Muslic sei „gut“, Sportvorstand Frank Baumann „ein richtig guter Junge“.

Mehr News zu Schalke 04 auf WhatsApp

Sie wollen immer auf dem neuesten Stand sein, was den FC Schalke angeht? Sie wollen nah dran sein am Verein und dabei sein, wenn unsere Reporter unterwegs sind und hinter die Kulissen gucken? Dann abonnieren Sie unseren WhatsApp-Kanal „WAZ auf Schalke“.

In den Anekdoten, die Tönnies erzählte, wurde der Unterschied zur heutigen Vereinsführung deutlich. Axel Hefer war im Kabinengang bisher noch nie öffentlich zu sehen, hält große Distanz zu den Spielern. Bei Tönnies war das stets anders. „Wenn sich ein Fußballer schwer verletzt hat, war ich schnell in der Kabine. Ich bin runtergelaufen, habe ihn in den Arm genommen. Eingemischt habe ich mich nie, aber den einen oder anderen mal korrigiert. So hast du eine hohe Akzeptanz.“ Über Jefferson Farfan erzählte er, er hätte sich einmal über eine schlechte Leistung gewundert, die - wie er erfuhr - aber daran gelegen hatte, dass dessen Vater an Krebs erkrankt war. „In der Halbzeit habe ich gesagt: Du spielst Fußball, ich kümmere mich um Papa, besorge den besten Arzt in Amerika. Da hat er noch ein Tor geschossen und eins vorbereitet.“ Und Kevin Kuranyi hätte er einen Ratschlag erteilt: „Ich kriegte den Tipp, dass er mit seinen Freunden in Düsseldorf war und für jeden ein teures Handy gekauft hat. Ich habe ihm gesagt: Kevin, einen Rat. Mach das nicht. Wer sich von dir aushalten lässt, ist nicht dein Freund. Lange Jahre später sagte er mir: Clemens, deine Ansage hat mir so viel gegeben.“

Die schönste Zeit auf Schalke sei der Bau der Arena gewesen, der „intensiv von mir betrieben wurde“, so Tönnies. Als Vater der Arena gilt der legendäre Manager Rudi Assauer: „Ich habe dem Rudi den Bauhelm aufgesetzt und habe ihm gesagt: Du bist der Herr des Stadions.“