Kapitän Kenan Karaman stand schon am Elfmeterpunkt, hatte den Ball in der Hand. Neun Minuten waren im Zweitliga-Topspiel zwischen Schalke 04 und dem SC Paderborn rum, es stand noch 0:0 – Karaman war bereit für das schnelle Führungstor. Doch dann meldete sich Video-Assistent Robert Kampka bei Schiedsrichter Tobias Reichel und schickte ihn zum Bildschirm.

Schalke-Stürmer Sylla wird von Brackelmann gefoult

Was war passiert? Moussa Sylla hatte im Laufduell mit dem Paderborner Calvin Brackelmann leichte Geschwindigkeitsvorteile, die bessere Position zum Ball und legte ihn an Brackelmann vorbei in den Strafraum. Der Verteidiger berührte Sylla zunächst außerhalb des Strafraums am Oberkörper, so richtig ins Straucheln brachte er ihn aber durch einen leichten Tritt gegen das Knie auf der Strafraumlinie. Für Schalkes Trainer Miron Muslic eine klare Sache: „Ich habe mir die Bilder noch einmal angeschaut. Ich finde: Die erste Entscheidung des Schiedsrichters war die richtige. Es ist ein klarer Elfmeter, ein klares Foul innerhalb der Box.“

Reichel aber bewertete im Gespräch mit Kampka die erste, leichte Berührung als entscheidend. Nach quälend langem Fünf-Minuten-Check sagte er schließlich via Stadion-Mikrofon: „Die Strafstoßsituation wurde überprüft. Nach Ansicht der Bilder fand der Kontakt außerhalb statt. Deswegen ist die finale Entscheidung: direkter Freistoß und Gelbe Karte für die Nummer 4.“ Dass Brackelmann, eben die Nummer 4, mit der Gelben Karte davonkam, fand Muslic ebenfalls fragwürdig. „Warum der VAR einschreitet, das Foul, das klar innerhalb ist, nach außen legt und Gelb zeigt, obwohl es Tor-Raub ist, das weiß ich nicht.“ Nach Muslics Ansicht hätte Sylla ohne das Foul allein vor dem Paderborner Torwart gestanden – für eine Notbremse dieser Art wäre nach Meinung des Trainers ein Platzverweis fällig gewesen.

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Kein Elfmeter, kein Platzverweis: Für Schalke die schlechteste Auflösung. Und wie sah es Kenan Karaman? „Ich habe es im Spiel auch als Elfmeter wahrgenommen. Der Schiedsrichter hat es geprüft, also muss es ja stimmen“, sagte der Kapitän, der sich diese lockere Sicht auch leisten konnte. Er erzielte das Tor zum 1:1 (45.+3) selbst und legte Bryan Lasme den 2:1-Siegtreffer (86.) auf.

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Über den nicht gegebenen Elfmeter regten sich nach dem Abpfiff nur noch wenige auf. Für Schalke war es aber die zweite umstrittene Entscheidung in Folge. Vor einer Woche in Münster (0:0) erkannte der Schiedsrichter eine direkt verwandelte Ecke von Finn Porath wegen eines vermeintlichen Fouls an Preußen-Torwart Johannes Schenk ab. Der Video-Assistent griff nicht ein, erkannte keine klare Fehlentscheidung. Doch die Bilder zeigten: Der Schalker Mika Wallentowitz hatte Schenk fast gar nicht berührt.