Es war ein Meilenstein, den der FC Schalke 04 da vor dem Anpfiff des Zweitliga-Spiels gegen Holstein Kiel verkündete: Ein Fan namens Susanne sei das 200.000 Mitglied, teilte Stadionsprecher Dirk Oberschulte-Beckmann mit. Schalke, sechstgrößter Verein der Welt, drittgrößter Deutschlands sowieso - was für eine beeindruckende Zahl. Das Spiel indes konnte nicht mithalten. Es gelang den Schalkern nicht, ihren Traumstart auszubauen. Sie verloren durch ein Gegentor von Alexander Bernhardsson nach sechs Minuten mit 0:1 (0:1). Es war für Trainer Miron Muslic die erste Heimniederlage.

Schalke-Torjäger Sylla vergibt mehrere Chancen

Der Trainer hätte aber schon nach 120 Sekunden beinahe gejubelt: Moussa Sylla lief allein aufs Kieler Tor zu, zögerte mit dem Abschluss aber viel zu lange, sodass er den Ball noch vertändelte. Was für eine Chance! Sylla, 1,3-Millionen-Euro-Zugang Christian Gomis und Felipe Sanchez waren für Hasan Kurucay, Janik Bachmann (beide Bank) und Emil Höjlund (verletzt) in Schalkes Startelf gerückt. Schon nach sechs Minuten erlitt Schalkes Elf den ersten großen Rückschlag. Nach einem weiten Ball der Kieler vermasselte Sanchez unbedrängt die Ballkontrolle und schenkte dem Bundesliga-Absteiger den Ball. Adrian Kapralik spielte den Ball auf Bernhardsson, dessen Schuss fälschte der heransprintende Timo Becker per Grätsche unhaltbar für Torwart Loris Karius ab – 0:1.

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Auf diesen wilden Start folgten aber sehr langweilige 25 Minuten. Die Kieler ließen es etwas ruhiger angehen und profitierten davon, dass Schalke nicht viel einfiel, um die gegnerische Abwehr zu gefährden. Auch die zahlreichen Standardsituationen (zwei Ecken, drei Freistöße aus dem Halbfeld, etliche Einwürfe) sorgten nicht für die gewünschte Gefahr. Erst ein Sylla-Schuss in die Arme von Kiels Torwart Jonas Krumrey (30.) sorgte für ein ganz kurzes Powerplay. Zunächst ließ Sylla auch seine dritte Chance liegen (32.), genau wie Christian Gomis zwei Minuten später scheiterte er am gut reagierenden Torwart Krumrey. Sanchez schoss aus der zweiten Reihe weit drüber (39.), Kapitän Kenan Karaman verdribbelte sich im Kieler Strafraum (40.) – es passierte was offensiv, wenigstens zehn Minuten lang.

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Doch auf der Anzeigetafel stand eindeutig das Ergebnis: 0:1 aus Schalker Sicht. Kurz vor und kurz nach der Pause wäre daraus beinahe das 0:2 geworden. In der zweiten Minute der Nachspielzeit gestatteten die Schalker den Gästen eine Kombination, an deren Ende John Tolkin den Ball fein auf die Fünfmeterraumlinie spielte. Der freistehende Marcus Müller bekam ihn aber nicht mehr vernünftig platziert, der Ball flog in die Arme von Schalke-Torwart Karius. Eine Minute nach dem Wiederanpfiff stand Carl Johansson nach einer Ecke ganz frei und köpfte den Ball gegen die Latte des Schalker Tores.

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Es blieb bei dem knappen Rückstand, dem die Schalker von Minute zu Minute hilfloser hinterherliefen. Sie waren durchaus fleißig, kämpften, Soufiane El-Faouzi bemühte sich darum, das Spiel an sich zu reißen. Die Abwehrkette stand sehr, sehr hoch. Doch die Schalker spielten nur um den Strafraum herum und erarbeiteten sich keine Chance. Mal kam der letzte Pass nicht an, mal übersahen die Schalker ihren besser postierten Mitspieler oder die Schussversuche verfehlten das Ziel deutlich (Vitalie Becker/73.). Nicht mit großer Kunst, sondern mit solider Abwehrarbeit verteidigte Kiel die Führung. Oft flog der Ball in der Schlussphase nach Verlegenheitsflanken oder Freistößen in den Kieler Strafraum: ohne Erfolg. Selbst in sieben Minuten Nachspielzeit passierte mit der Brechstange nichts mehr.

Es blieb beim 0:1 und der Erkenntnis: Fünf Tore nach fünf Spielen sind zu wenig. Schalkes Problem ist die Offensive.