65 Minuten lang passierte wenig bis nichts im Nachbarschaftsduell zwischen Schalke 04 und dem VfL Bochum, das mit Spannung erwartete, aber weitgehend langweilige Zweitliga-Topspiel schien auf ein trostloses 0:0 hinauszulaufen, und jeder hätte damit leben können. Dass sich eine turbulente, sogar spektakuläre Schlussphase entwickeln würde, hätte wohl keiner der 62.072 Zuschauer zu diesem Zeitpunkt für möglich gehalten. Das glücklichere Ende hatten dann die Königsblauen, die einen 0:1-Rückstand drehten und noch mit 2:1 (0:0) gewannen.

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Zum 64. Mal trafen die Klubs in einem Pflichtspiel seit 1963 aufeinander, aber zum ersten Mal in der 2. Bundesliga. Beide Teams waren identisch gestartet: ein Sieg, eine Niederlage, ein Rumpel-Sieg nach Verlängerung im DFB-Pokal. Dennoch war die Laune höchst unterschiedlich: Schalke ging in Bestbesetzung mit Rückenwind ins Spiel, die ersatzgeschwächten Bochumer mit dem Grummeln eines drohenden Fehlstarts.

Es herrschte Derbystimmung in der Schalker Arena

Die Stimmung beim Einlaufen war eines Bundesliga-Topspiels würdig. Die Schalker Nordkurve präsentierte sich in Blau und Weiß mit großem Wappen und der Aufschrift „Ruhrpott“, dazu erklangen die Klänge von Wolfgang Petrys „Ruhrgebiet“ in einer modernen Fassung. Die Bochumer Anhänger zündeten etliche Pyrofackeln und hüllten die Arena für ein paar Minuten in Nebel.

firo :  23.08.2025,
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2.Bundesliga
FC Schalke 04 - VfL Bochum
Tor für Schalke: Mehr als elf S04-Profis bejubeln Bryan Lasmes 2:1.© Jürgen Fromme /firo Sportphoto | Jürgen Fromme

Doch so leidenschaftlich sich die Fankurven vor dem Anpfiff präsentierten: Das Spiel konnte die Erwartungen weitgehend nicht erfüllen. Es waren die Bochumer, bis dahin leicht besser, die in der 66. Minute das Hin und Her der letzten Minuten eröffneten. Sie hatten die dickste Chance bis dahin ausgelassen, in der 24. Minute hatte Kevin Vogt einen Handelfmeter so unplatziert geschossen, dass Schalkes Torwart Loris Karius abwehren konnte.

Bochumer Führung aus dem Nichts

Wie aus dem Nichts glückte ihnen dann die erste richtig gelungene Kombination des Abends. Stürmer Philipp Hofmann legte am Strafraum den Ball auf Mats Pannewig ab, der zwang S04-Torwart Loris Karius zu einer Parade. Den Abstauber aber verwandelte Gerrit Holtmann. Riesenjubel bei den Bochumern über die 1:0-Führung.

Die Schalker hatten bis dahin weitgehend enttäuscht, vor allem in der Offensive war ihnen wenig eingefallen, nachdem sie schon in den beiden Pflichtspielen zuvor in Kaiserslautern (0:1) und Leipzig (1:0 nach Verlängerung, DFB-Pokal) enttäuscht hatten. Der Fußball von Trainer Miron Muslic schien schon im vierten Pflichtspiel entzaubert. Mit ganz einfachen Mitteln gelang es den Bochumern, Schalkes Pressingsystem auszuhebeln.

Es sah nicht gut aus für Schalke

Sie arbeiteten einfach mit langen Bällen nach vorn. Gewannen die Schalker dann den Zweikampf, fiel ihnen mit Ball wenig bis gar nichts ein. Ihr Spielsystem ist auf Wucht, Intensität, Laufstärke ausgelegt. Die besten Dribbler und Techniker, Amin Younes und Ilyes Hamache, fehlten im Kader. Nur Christopher Antwi-Adjei hatte in den ersten 75 Minuten eine Chance für S04 (45.+3).

Es sah deshalb nicht gut aus für die Schalker, als der Bochumer Jubel verklungen war. Jedem war klar: Nur noch eine Standardsituation würde S04 helfen können. In der 76. Minute schlug Vitalie Becker die fünfte Ecke für S04 in den Strafraum. Bochums Verteidiger Kevin Vogt gewann das Kopfballduell. Schalke-Zugang Finn Porath zog aus 20 Metern Entfernung ab, Verteidiger Hasan Kurucay fälschte unhaltbar ab – 1:1.

Schalke vergab noch Chancen auf höheren Sieg gegen Bochum

Dieser Glückstreffer weckte die leise gewordenen S04-Fans auf und plötzlich legten die Schalker eine blitzsaubere Schlussoffensive hin. In der 79. Minute erlief der eingewechselte Bryan Lasme einen Pass von Soufiane El-Faouzi, ließ Colin Kleine-Bekel aussteigen und schoss den Ball zum 2:1 ins kurze Eck. Später ließen Lasme (86.) und Moussa Sylla (89.) Chancen liegen, um das Ergebnis sogar noch höher zu gestalten. Die Bochumer versuchten es mit der Brechstange, bei einer Ecke ging sogar Torwart Timo Horn mit nach vorn. Es brachte nichts mehr.

Als Schiedsrichter Frank Willenborg das Spiel beendete, war nur der Jubel bei Königsblau groß. „Die Nummer 1 im Pott sind wir“, schmetterten die Schalker Fans und empfingen ihre Spieler mit viel Applaus. Aus einem ordentlichen Start ist nun ein sehr guter geworden: sechs Punkte und ein Weiterkommen im DFB-Pokal, so hatte sich das Trainer Miron Muslic vorgestellt. Doch der VfL? Die Fans grummelten schon vor dem Spiel. Nach dem Spiel änderte sich das nicht. Der Blick in der Tabelle geht erst einmal nach unten.