Den Spielplan hat Janik Bachmann natürlich auch längst gesehen. Der Mittelfeldspieler geht in sein zweites Jahr beim Zweitligisten FC Schalke 04, die Auftaktaufgaben gegen Hertha BSC (1. August) und den VfL Bochum (22. bis 24. August) sowie zwischendurch beim 1. FC Kaiserslautern (8. bis 10. August) haben es in sich. Nach dem schweißtreibenden 30-Grad-Training am Montagvormittag blickte der 29-Jährige gut gelaunt auf das, was kommt. „Macht doch Bock, oder?“, sagte er und ergänzte locker: „Keine Mannschaft weiß doch, was in einer Vorbereitung passiert, vor allem, was Verletzungen und Neue betrifft.“

Schalke-Wiedersehen mit Paul Seguin am ersten Spieltag

Und doch hat das Zweitliga-Eröffnungsspiel gegen Hertha BSC eine besondere Brisanz. Eine Brisanz, die Schalkes missratene vergangene Saison mit der neuen verbindet. Es geht um Paul Seguin, der Schalke Richtung Hertha BSC verließ, der als einer von vielen für den Absturz steht und dessen Wechsel von einigen Misstönen begleitet war. Das Video der Seguin-Vorstellung, in dem eine Mini-Steigerlied-Uhr vom Tisch geschmissen wurde, kam bei den S04-Fans gar nicht gut an. „Vielleicht wusste Paul nicht, was er da macht. Ich weiß auch gar nicht, ob er es so gemeint hat“, sagte Bachmann und ergänzte: „Paul ist ein feiner Junge, ich habe mich gut mit ihm verstanden in der Kabine. Ich habe ihm geschrieben, dass ich ihm in Berlin alles Gute wünsche. Ich freue mich auf den ersten Spieltag, weil es direkt ein paar heiße Duelle gibt.“

Schalke ist und bleibt positiv verrückt: Rund 3.000 Fans kommen zum ersten Training, die grottenschlechte Saison scheint vergessen. Ein neuer Sportvorstand, ein neuer Trainer, ein neuer Wind auf Schalke? Das wird sich in den kommenden Monaten noch zeigen, denn die sportlichen und finanziellen Probleme sind immer noch gewaltig. In einer Sonderfolge von "Inside Schalke" sprechen unsere Moderatoren Matthias Heselmann und Sinan Sat mit dem WAZ Schalke-Experten, Andreas Ernst, über Neu-Trainer Miron Muslic, Sportvorstand Frank Baumann, den Kader, den Aufsichtsrat und einiges mehr. | 19:04 - der Schalke-Talk

Heiße Duelle, so etwas wollen die Schalke-Fans hören. Der Seguin-Ballbesitz-Fußball soll der Vergangenheit angehören, in nicht nur wegen der Hitze kraftraubenden Einheiten zeigt der neue Trainer Miron Muslic seiner Mannschaft die taktischen Details seines intensiven Pressingsystems. „Bei dem Wetter Fußballtraining zu haben, viel Input zu bekommen, und nicht nur die Beine werden beansprucht, sondern auch der Kopf brennt bei jedem – mir macht so etwas Spaß. Bei jeder Einheit sieht man, dass die Jungs Bock haben“, sagt er. Ihm persönlich würde das System liegen: „Ich gehe gern vorne drauf und laufe intensiv. Ich gehe mit einem sehr guten Gefühl in die Saison, Training und Spiele machen mir sehr viel Spaß.“

Muslic scheint Bachmann zudem auf dessen Lieblingsposition einzuplanen. In Muslics bevorzugtem 3-4-2-1-System soll Bachmann im defensiven Mittelfeld aufräumen. „Der Trainer hat klare Prinzipien, zum Beispiel was die Doppel-Sechs angeht – wann man mit nach vorn geht oder wann man die Sechs hält. Die Doppel-Sechs ist schon meine Lieblingsposition“, sagte er. Muslic-Vorgänger Kees van Wonderen hatte Bachmann ab und zu auf der Spielmacher-Position eingesetzt.

Sommertrainingslager FC Schalke 04 in Mittersill/Österreich
Gegner am 1. August: Schalkes Janik Bachmann (l.) und Paul Seguin, jetzt bei Hertha BSC.© FUNKE Foto Services | Tim Rehbein/RHR-FOTO

In 25 Zweitligaspielen hatte Bachmann fünf Scorerpunkte gesammelt und damit als einer von nur drei neuen Spielern (die anderen waren Moussa Sylla und Loris Karius) die Erwartungen erfüllt. Sein persönliches Ziel sei es, verletzungsfrei zu bleiben und weiterhin regelmäßig zum Einsatz zu kommen. Und das allgemeine Ziel? Wie alle Schalker blieb er unkonkret: „Wir müssen als Team eng zusammenrücken, den Plan des Trainers umsetzen. Ich will nicht nach hinten gucken, sondern den Fans eine geilere Runde bieten als in der vergangenen Saison.“ Zudem erwartet er eine erneut ausgeglichene Liga: „Es gab so viele Trainerwechsel, da müssen sich sehr viele Mannschaften erst einmal finden. Nach den ersten fünf, sechs Spieltagen kann man mehr sagen.“

Schalke-Profi Bachmann: „Hätte Bock auf den Mannschaftsrat“

Etwas konkreter wurde Bachmann nur, als er von der WAZ darauf angesprochen wurde, dass er in der zweiten Halbzeit des Testspiel-Starts gegen die Amateurauswahl „Best of Grafschaft“ (9:1) die Kapitänsbinde trug. „Auch wenn es nur ein Test war: Es war eine Ehre für mich, die Binde von Schalke 04 zu tragen.“ Noch gibt es keine Hierarchie in Schalkes Mannschaft, Kapitän Kenan Karaman und Tomas Kalas, Dritt-Kapitän der Vorsaison sind verletzt. Ex-Vizekapitän Seguin hat S04 verlassen, der heimliche Kabinenchef Michael Langer seine Karriere beendet. „Der Trainer weiß, was für ein Typ ich bin und dass ich Bock darauf hätte, im Mannschaftsrat zu sein. Aber es ist die Entscheidung des Trainers. Ich mische mich da mit ein“, sagte Bachmann. Eine mutige Ansage.

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Doch als Lautsprecher will er nicht gelten. „Jeder, der mich kennt, der weiß, dass ich diszipliniert arbeite, ob vor, in oder nach dem Training.“ Einer wie er steht für heiße Duelle – und das nicht nur gegen Hertha BSC und Paul Seguin.