Ihr Lieblingsmotiv hatten sich die Fotografen schon eine halbe Stunde vor dem Anpfiff ausgesucht. Sie verfolgten Lukas Kwasniok auf Schritt und Tritt. Der Trainer des SC Paderborn, der am Mittwoch ungewöhnlich offen mit einem Wechsel zum FC Schalke 04 kokettiert hatte, hatte viel riskiert und gewann alles. Er verließ die Veltins-Arena als großer Sieger. Ungefährdet schob sich Paderborn durch einen 2:0 (1:0)-Auswärtssieg auf den dritten Platz und träumt mehr denn je vom Bundesliga-Aufstieg. Schalke muss zwei Spieltage vor Schluss wieder um die sicher geglaubte Rettung bangen.
Die Luft auf Schalke ist raus
Und das liegt nicht nur an der Tabellensituation. Sondern vor allem an der Spielweise. Wie schon in Kaiserslautern vor einer Woche (1:2) zeigten die Schalker eine Die-Luft-ist-raus-Leistung, ließen die Paderborner Wucht viel zu oft wehrlos über sich ergehen. Trainer Kees van Wonderen scheint mit seinen Ansprachen kaum noch durchzukommen, das werden auch die Schalker Bosse auf der Tribüne registriert haben. Vor rund 62.000 Zuschauern gestalteten die Königsblauen die ersten 25 Minuten ausgeglichen, danach aber hatte sich der Aufstiegskandidat warmgespielt und auf die Kulisse eingestellt. Und erarbeitete sich leicht Chance um Chance.
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Die tragische Figur der ersten Hälfte war Torwart Justin Heekeren, der mit bravourösen Paraden gegen Filip Biblija (35./36./40.) dreimal einen Rückstand verhinderte, beim 0:1 durch Raphael Obermair (40.) aber nicht gut aussah. Obermairs Flachschuss von der Strafraumgrenze war haltbar. Die Entscheidung fiel schon in der dritten Minute der zweiten Hälfte. In der Abwehr hatte Tomas Kalas geschlafen, weshalb Marvin Mehlem frei vor Heekeren auftauchte und locker auf 2:0 erhöhte (48.). Nur einem beherzten Sprint von Taylan Bulut war es zu verdanken (68.), dass Paderborns Stürmer Sven Michel, der allein auf Heekeren zulief, nicht abschließen konnte.
Schalke-Fans mit toller Choreo - und wütend
Schalkes Fans, die in der ersten Hälfte nur eine Chance durch Anton Donkor (42.) und nach der Pause einige Torannäherungen, als das Spiel entschieden war, sahen, hatten da schon auf Trotz umgestellt. „1000 Trainer schon verschlissen, Spieler kommen, Spieler gehen“, stimmten sie an. „Nur was stets bleibt, sind wir Schalker, die immer treu zur Mannschaft stehen.“ Vor dem Spiel hatten sie eine erstklassige, sehenswerte Choreographie gezeigt, die Kurve sehenswert in blau und weiß getaucht.
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Und dann? Die Veltins-Arena hatte sich schon weit vor dem Abpfiff geleert, zu aussichtslos war die Schalker Situation. Diejenigen, die blieben, pfiffen wütend, als es vorbei war. Die schlechteste Saison der Vereinsgeschichte rückt näher, bisher war der 12. Platz in der Zweitliga-Saison 1988/89 der Minuspunkt. In dieser Form wird Schalke, aktuell 13., aber keinen Punkt mehr holen. Und Kwasniok sich gut überlegen, ob er wirklich diese Mammutaufgabe übernehmen will.




