Die Nachspielzeit war eigentlich schon vorbei, da ließ US-Nationalspieler Giovanni Reyna den Großteil der gut 70.000 Zuschauer im SoFi Stadion von Los Angeles noch einmal so richtig eskalieren. In rund 20 Metern Torentfernung kam der in der Schlussphase eingewechselte Offensivspieler in halbrechter Position an den Ball. Gegnerdruck? Fehlanzeige. So drosch Reyna den Ball unhaltbar für Paraguays Keeper Orlando Gill ins linke Eck zum 4:1-Endstand für die USA im ersten WM-Gruppenspiel – mit dem Außenrist.

Wer könnte ein Traumtor dieser Art besser analysieren als „Mister Außenrist“ Mats Hummels? „Das wäre zu hoch gegriffen, weil ich tatsächlich kein einziges Profitor mit dem Außenrist geschossen habe“, gab sich der WM-Experte bei MagentaTV zunächst bescheiden, räumte aber auch ein: „Ich konnte schon damit schießen, vor allem im Training.“

Magenta-Experte Mats Hummels kennt Reyna aus gemeinsamen BVB-Zeiten.
Magenta-Experte Mats Hummels kennt Reyna aus gemeinsamen BVB-Zeiten.© AFP | Ina Fassbender

Hummels analysiert Reynas Traumtor

Reyna gelang das Kunststück sogar in einem WM-Spiel – vor den Augen der gesamten Fußballwelt: „Das ist ein wunderschöner Treffer. Der ist wirklich sehr, sehr schön“, schwärmte Hummels vom Geniestreich seines ehemaligen BVB-Kollegen. „Es ist einfach so, dass Außenristschüsse ungewöhnlich sind und dass deswegen Torhüter, die auf gewisse Bewegungen reagieren, auf den nicht vorbereitet ist. Der kommt überraschend, weil der Schuss aus dem Lauf perfekt in den normalen Laufschritt getimt ist. Der muss dann gar nicht so platziert sein, wenn er so überraschend kommt.“

Borussia Mönchengladbach v SV Werder Bremen - Bundesliga
Bei Borussia Mönchengladbach zündete Reyna bislang nicht.© Getty Images | Lars Baron

Natürlich kennt der Magenta-Experte die technischen Fähigkeiten des US-Amerikaners aus mehreren gemeinsamen Jahren bei Borussia Dortmund. Dort sollte Reyna einmal der nächste außerordentlich begabte Spieler werden, der den großen Durchbruch schafft, den Verein als Topstar verlässt und eine gigantische Ablösesumme in die Klubkasse spült. Das Portal Transfermarkt.de führte ihn schon 2021 mit einem Marktwert von stolzen 42 Millionen Euro – heute sind es noch 4 Millionen.

Profitiert Gladbach von guter WM?

Verletzungen warfen Reyna immer wieder zurück, bis irgendwann auch Spielwitz und Leichtigkeit fehlten. Im vergangenen Winter ging es für den gehemmten Edeltechniker zunächst per Leihe zu Borussia Mönchengladbach, wo er bislang ebenfalls nicht überzeugen konnte (20 Einsätze, ein Tor, eine Vorlage). Trotzdem griff eine Kaufpflicht von marktwertgerechten 4 Millionen Euro, sodass Reyna nun bis Sommer 2028 fest im Gladbacher Kader steht. Der BVB hatte sich einst ganz andere Summen ausgemalt.

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Die Hoffnung der Fohlen: Dass Reyna, gestärkt von den Erfahrungen bei der WM, mit neuem Selbstbewusstsein und neuer Wertigkeit zur Borussia zurückkehrt – wofür das dann auch immer gut sein mag. Ob der 23-Jährige nun den Durchbruch in Gladbach schafft, oder durch gute WM-Auftritte seinen Marktwert steigert und anderswo Transfer-Interesse weckt – beides wäre im Sinne des Bundesligisten. So oder so war Außenrist-Traumtor ein vielversprechender Auftakt.