Man hatte sich bei der Deutschen Fußball Liga schon die Hände gerieben mit Blick auf den kommenden Samstag, auf einen echten Meister-Gipfel zwischen Borussia Dortmund und Bayern München. Lange sah es so aus, als ob dieser ausbleiben würde, oder zumindest viel an Schärfe verliert. Der BVB erlebte nämlich einen Abend zum Vergessen bei RB Leipzig – und bestrafte dann die groben Fahrlässigkeiten der Gastgeber. Fabio Silva rettete in der dritten Minute der Nachspielzeit den Dortmundern einen Punkt beim 2:2 (0:2).
Christoph Baumgartner schockierte die schwachen Gäste mit einem Doppelpack (20./40.), das Eigentor von Romulo (50.) schien dem BVB lange nicht zu helfen. Dann erlöste der eingewechselte Silva seine Mannschaft. Acht Punkte beträgt der Rückstand nun auf die Bayern. Vor dem Bayern-Kracher geht es am Mittwoch im Rückspiel gegen Atalanta Bergamo um den Achtelfinal-Einzug in der Champions League.
Worum es tatsächlich ging im Duell mit Leipzig, da gab es im BVB-Lager unterschiedliche Ansichten. Die einen meinen, dass man mit einem Sieg im Osten der Republik vor allem die Champions-League-Teilnahme absichern kann. Die anderen hingegen sahen in der Partie die nächste Gelegenheit, den Angriff auf München und damit das Titelrennen fortzuführen. Der Rekordmeister hatte mit dem 3:2 am Samstagnachmittag gegen Eintracht Frankfurt vorgelegt, den Vorsprung auf Dortmund ausgebaut. Der Ball lag nun auf Seiten des BVB.
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Reggiani erneut in der BVB-Startelf
Der war mit einer breiten Brust nach Leipzig gekommen. „Wir sind im Moment gut drauf, das nimmt jeder wahr. Wir wollen diesen Schwung mit nach Leipzig nehmen und wollen dort natürlich auch die drei Punkte holen“, sagte Trainer Niko Kovac, ein Verfechter der konservativen Saisonziele. „Es geht ins letzte Drittel der Saison, das ist Crunchtime.“ Das begann für Dortmund mit Personalproblemen in der Abwehr, sodass Luca Reggiani (18) zum zweiten Mal in Folge nach dem ordentlichen Debüt gegen Bergamo am Dienstag (2:0) in der Startelf stand. In die kehrte auch Marcel Sabitzer zurück, dafür blieb Julian Brandt zunächst auf der Bank. Mit dem Wechsel ging auch eine leichte Systemanpassung einher: Serhou Guirassy und Maximilian Beier bildeten eine Sturm-Doppelspitze.
Beier hatte auch die erste Riesenchance der Partie, konterte sich stark durch das Mittelfeld und stürmte allein auf Maarten Vandevoordt zu. Doch der Schuss in Richtung des Leipzig-Torwarts kam aus immer spitzer werdendem Winkel – und war dann zu unplatziert. Ausgangslage des Angriffs war schnelles Umschalten nach einem Leipziger Angriff über die linke Seite, genauer: Yan Diomande. Und das war ein Vorbote für das, was den BVB in der ersten Halbzeit erwarten sollte.

Linksaußen Diomande zeigte immer wieder sein Können, wurde in Eins-gegen-Eins-Situationen in Position freigespielt, in denen man ihn kaum verteidigen kann. Auch Julian Ryerson, der als Dortmund-Beckham zuletzt mit vielen Vorlagen nach Flanken in Erscheinung getreten war. Der Norweger erwischte einen miserablen Abend mit Diomande, der mit dem Führungstreffer in der 20 Minute begann.
Baumgartner bestraft schlafende BVB-Abwehr
Der Ivorer zog locker vorbei an Ryerson und spielte in die Mitte, wo Christoph Baumgartner der schlafenden BVB-Abwehr entwischt war und zum 1:0 einschob. In der 37. Minute spielte Leipzig eine exakte Kopie des Angriffs, nur schoss Baumgartner da vorbei. Anders als drei Minuten später. Wieder kam Leipzig über die rechte Dortmunder Abwehrseite, die mit Ryerson und Reggiani überfordert wirkte. Diomande bediente Kapitän David Raum, der flankte auf Baumgartner – 2:0 (39.). Es war ein kräftiger Schock für den BVB, der von Normalform weit entfernt war.

Und dennoch, auch eine Lehre dieser Saison, durfte man ihn nicht abschreiben. Kurz nach der Pause schlugen die Dortmunder zurück durch ihre Paradedisziplin Standards. Ryerson schlug eine Ecke, Ramy Bensebaini verlängerte, Romulo köpfte ins eigene Leipzig-Tor. Nur noch 1:2 (50.).
Nicht zu übersehen aber war, dass Dortmund aus dem Spiel heraus die Mittel fehlten, um ernstzunehmend vor das Leipziger Tor zu kommen. Nach etwa einer Stunde brachte Kovac drei neue Offensiv-Leute in Person von Carney Chukwuemeka, Yan Couto und Brandt für Beier, Reggiani und Felix Nmecha. Näher dran am nächsten Tor waren jedoch die Leipziger. Diomande, diesmal über rechts, dribbelte vier Schwarz-Gelbe aus, der ebenso eingewechselte Antonio Nusa spielte Couto aus, schoss aber drüber (67.), danach klärte Bensebaini kurz vor der Linie (73.). Diomande hatte die nächsten Abschlüsse (79./83.). Noch hielten die Leipziger mit ihrer Chancenverwertung und langsam schwindenden Kräften den BVB im Spiel – und das wurde bestraft. Adeyemi bediente Silva, der zum Ausgleich einschob (90.+3). Brandt hatte gar die Möglichkeit zum 3:2, doch das wäre zu viel des Guten gewesen.
Für Aufregung sorgte eine Szene in der 89. Minute: Karim Adeyemi wurde von Castello Lukeba zu Fall gebracht. Ein Elfmeterpfiff blieb aus. „Eine Frechheit“, wie nicht nur Abwehrchef Waldemar Anton im Nachgang fand. Auch Trainer Niko Kovac echauffierte sich: „Ich verstehe wirklich nicht, wieso sich da nicht gemeldet wird. Das kann man nicht sehen, aus der Perspektive wo Benjamin Brand steht, aber im Studio haben sie die Bilder, die wir auch haben.“





