Auch am Bundesliga-Sonntag war der VAR wieder omnipräsent. Christoph Baumgartner schoss RB Leipzig zum 2:1 (1:0) beim 1. FC Köln, der Österreicher stand aber nicht nur aufgrund seiner beiden Tore im Mittelpunkt. In der Schlussphase hatte er einen Schuss von Kölns Jan Thielmann kurz vor der Torlinie mit der Hand abgewehrt. Den fälligen Strafstoß gab es aber nicht, weil ein Kölner bei der Entstehung der Chance im Abseits stand. Schiedsrichter Frank Willenborg entschied nach minutenlangem VAR-Check auf Freistoß für Leipzig.
War es in Köln vor allem die Wartezeit, die Unverständnis hervorrief, zog in Mainz die Entscheidung an sich großen Ärger nach sich. Beim 1:0-Sieg des FSV Mainz 05 gegen den FC Augsburg hatte Schiedsrichter Patrick Ittrich nach einem Strafraumduell zwischen Elvis Rexhbecaj und dem Mainzer Stefan Bell auf Strafstoß entschieden, der nach ebenfalls minutenlanger Überprüfung des VAR Bestand hatte. In der Zeitlupe war eine Berührung allerdings wohl nicht zweifelsfrei zu erkennen.
Augsburger Rexhbecaj hat genug vom VAR
„Im Videokeller wurde ein Kontakt gesucht, aber nicht gefunden“, echauffierte sich Augsburg-Trainer Manuel Baum heftig. „Da wäre es das Mindeste gewesen, dass der Schiedsrichter rausgeschickt wird, um sich das selbst anzuschauen. Dann wäre er zum Schluss gekommen, den Elfmeter zurückzunehmen. Es ist für mich komplett unverständlich, warum das nicht geschehen ist. Man sieht in keinem Bild eine Berührung, da bewegt sich nicht einmal ein Stutzen. Man sieht nur einen Spieler, der hinfällt.“ Aus seiner Sicht sei es „aberwitzig, dass ein nicht sichtbarer Kontakt dazu führt, dass die Entscheidung bestehen bleibt“.
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Elfmeter-Verursacher Rexhbecaj setzte zu einer Generalabrechnung mit dem Video-Assistenten an. „Jede Mannschaft hat damit zu kämpfen. Vorige Woche waren es drei andere Vereine, wo Skandal-Entscheidungen getroffen wurden. Der VAR macht einfach viel zu viele Fehler, warum auch immer.“ Der Mittelfeldspieler plädiert daher für eine Rückkehr zum alten System. „Ich wünsche mir, dass es wieder ist wie früher. Ich könnte mit Fehlentscheidungen des Schiedsrichters besser leben als mit Fehlentscheidungen nach Videobeweis. Das dürfte es eigentlich gar nicht geben“, sagte Rexhbecaj.
VAR: Mats Hummels nennt eine Lösung
Am Sonntag meldete sich schließlich Mats Hummels zum großen Bundesliga-Aufreger zu Wort. „Entschuldigung für das viele Einmischen bei dem Thema. Aber vielleicht sollte die Herangehensweise bei Elfmetern wie gestern gegen Augsburg anders sein“, leitete Hummels seinen Beitrag bei X ein. „Und zwar, dass es nicht eine klare Fehlentscheidung sein muss, um korrigiert zu werden.“ Sondern: „Um eine Rote Karte oder einen Elfmeter zu geben, muss man sich immer 100 Prozent sicher sein.“ „Sobald es Zweifel gibt“ beim Anschauen der Bilder, fuhr Hummels fort, solle es „weder Platzverweise noch Strafstöße“ geben. „Dafür sind diese Situationen zu spielentscheidend.“

Hoffenheimer Ärger über Rot und Elfmeter
Als ebenfalls spielentscheidend erwies sich am Sonntagabend eine Szene in der Partie FC Bayern München gegen die TSG Hoffenheim (5:1). In der 18. Minute entschied Schiedsrichter Tobias Stieler nach einem Zweikampf zwischen Bayern-Profi Luis Díaz und Kevin Akpoguma auf Elfmeter und Rot gegen den Hoffenheimer Verteidiger. In Unterzahl verlor der Tabellendritte dann deutlich, während die Münchner wieder sechs Punkte Abstand zwischen sich und Verfolger Borussia Dortmund legen konnten.
Stieler verteidigte seine Entscheidung nach dem Spiel und nannte sie „alternativlos“. Für den Schiedsrichter war es „ein Haltevergehen“ von Akpoguma gegen Díaz, der im Strafraum „in der besseren Position“ gewesen sei. Der Bayern-Angreifer habe eine Torchance gehabt. Ilzer sprach dagegen später in der Pressekonferenz von „einer klaren Fehlentscheidung“ und urteilte: „Es war überhaupt kein Foulspiel.“ Zumindest stand in diesem Fall mal nicht der VAR im Zentrum der Diskussion.
Bedenklich trotzdem: Auch nach dieser letzten Partie des 21. Bundesliga-Spieltags stand der Unparteiische im Mittelpunkt – und das ist nie ein gutes Zeichen. (mit dpa/sid)





