Der Blick ging zu Schiedsrichter Istvan Kovacs, der nach 85 Minuten zu seinem Ohr griff. Karim Adeyemi war zuvor im Strafraum zu Fall gekommen. Ein Foul? Das prüfte Video-Referee Rob Dieperink gerade im Uefa-Container vor dem Stadion. Seine Entscheidung: Kein Strafstoß! Und damit war Borussia Dortmunds letzte Chance auf den Ausgleich gegen Inter Mailand dahin. So reichte den Italienern am Mittwochabend die Treffer von Federico Dimarco (81.) und Andy Diouf (90.+4) zu einem 2:0 (0:0)-Sieg. Der BVB zieht damit als ungesetztes Team in die Play-off-Runde der Champions League ein. Dort wartet Bayer Leverkusen oder Atalanta Bergamo. Die Auslosung am Freitag (12 Uhr) wird Gewissheit bringen.
Trainer Niko Kovac hatte für die größte Personal-Überraschung in dieser Saison gesorgt. Zum dritten Mal überhaupt und erstmals im Europapokal stand Abwehr-Eigengewächs Filippo Mane in der Startelf. Das lag auch an Manes ansprechender Winter-Vorbereitung, vor allem aber am großen Defensiv-Engpass zu Beginn des neuen Jahres. In Niklas Süle (Rücken) und Waldemar Anton (Infekt) fehlten Kovac zwei Innenverteidiger, zudem ist ja Aaron Anselmino (zurück zum FC Chelsea) seit Montag nicht mehr Teil des Kaders. Und weil Ramy Bensebaini auf der linken Außenbahn den gesperrten Daniel Svensson vertreten musste, fiel die Wahl auf Mane.
BVB: Filippo Mane steht in der Startelf
„Filippo hatte am Anfang der Saison großes Pech“, sagte Kovac. „Es war nicht einfach für ihn, aber er hat die Einsatzzeiten in der zweiten Mannschaft genutzt, er ist U-21-Nationalspieler – und heute kriegt er das Vertrauen.“ Mit zwei guten Tacklings in der ersten Halbzeit ergrätschte sich der 20-Jährige gegen seine italienischen Landsleute Respekt, doch wackelte auch das eine oder andere Mal. Mane reihte sich damit aber in die Dortmunder Defensive ein, die in viele Eins-gegen-Eins-Duelle verwickelt war, große Räume ließ, die Inter über Umschaltmomente gerne bespielte. Glück für den BVB: Bis zum Ende kombinierte sich Mailand ohne Top-Torjäger Lautaro Martinez (vier Treffer, Ersatzbank) nicht durch, weil Genauigkeit fehlte oder ein Dortmunder Abwehrbein dann doch dazwischen war. Die beste Chance hatte Martinez-Ersatz Ange-Yoan Bonny mit einem freien Aufsetzer-Kopfball, dem letztlich die Wucht fehlte.

Diskutiert werden musste nach der ersten Halbzeit wieder über Details im Dortmunder Spiel. Die können auf Königsklassen-Niveau ein Team belohnen oder bestrafen. Beim BVB dürfte wieder gehadert werden, denn nach zehn Minuten hätte Serhou Guirassy seine Mannschaft in Führung schießen müssen. Nach Ecke von Ramy Bensebaini und Schuss von Julian Ryerson kam der Guineer aus acht Metern völlig frei zum Schuss – und traf den Ball nicht richtig (10.). Es war die größte Tor-Möglichkeit des ersten Durchgangs.
BVB gegen Inter: Viele Fehler auf beiden Seiten
Auch nach dem Seitenwechsel hatte die Partie überschaubares Fußball-Niveau, es war ein deutsch-italienisches Fehler-Festival mit Ballgewinnen und noch schnelleren Ballverlusten. Insgesamt wirkte alles sehr statisch. Erst nach 61 Minuten gab es einen Aufreger, als Bensebaini mit dem ganz langen Grätsch-Bein Pio Esposito im Fünf-Meter-Raum am 1:0 hinderte. Würde Inter in Hoffnung auf das Achtelfinale, das mit einem Sieg noch erreicht werden könnte, nun etwas mehr riskieren?
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Erstmal wechselte Dortmund offensiv. Karim Adeyemi kam für den erneut blassen Guirassy (68.). Adeyemi stand dann gleich im Fokus, als er bei einem Konter von Fabio Silva bedient wurde, aber nicht mehr vor dem beschäftigunglosen Inter-Keeper Yann Sommer an den Ball kam (70.). Auf der Gegenseite hielt Gregor Kobel aus spitzem Winkel gegen den ebenfalls eingewechselten Davide Frattesi, der große Lücken in der BVB-Abwehr ausnutzte. Kurz danach trat Federico Dimarco aus 16 Metern zum Freistoß an – und schlenzte den Ball mit Gefühl in die rechte Ecke (81.). Details eben. Felix Nmecha hatte zuvor den Ex-Dortmunder Henrikh Mkhitaryan zu Fall gebracht.
Kovac brachte als Reaktion auf den Rückstand Carney Chukwuemeka und Julian Brand für Silva und Maximilian Beier. Die 81.365 Zuschauerinnen und Zuschauer im wieder ausverkauften Dortmunder Stadion konnten diesmal allerdings kein eigenes Last-Minute-Tor bejubeln. Stattdessen machte Andy Diouf (90.+4) für Inter alles klar.




