Diesmal war es etwas schwieriger mit dem Jubel, was an der Wahl der Arbeitsbekleidung lag. Nico Schlotterbeck griff am Samstagabend im Kühlschrank Alte Försterei zum Langarm-Trikot, da kommt der Bizeps zwar nicht ganz so zur Geltung und es braucht auch etwas, bis man das Shirt zurechtgezupft hat. Doch was sein muss, muss sein. Also posierte der 26-Jährige in der 54. Minute vor dem Gästeblock nach seinem Kopfball-Tor zum 2:0.
Es war ein ganz wichtiges Tor, das dem BVB zum 3:0 (1:0)-Auswärtssieg verhalf. Ob des Patzers von Bayern München beim FC Augsburg (1:2) verkürzte Dortmund den Rückstand in der Tabelle auf acht Punkte und konterte die aufkommende Kritik. Emre Can brachte seine Mannschaft nach zehn Minuten per Foulelfmeter in Führung, Maximilian Beier setzte den Schlusspunkt (84.).
BVB-Kapitän Can beschwört die Tugenden
Can, einer von vier Neuen in der Startelf, machte keinen Hehl aus der Zielsetzung im Berliner Osten. „Die Tugenden sind das Wichtigste“, sagte Dortmunds Kapitän vor Anpfiff. Genau die hatte seine Mannschaft am Dienstagabend in der Champions League bei Tottenham Hotspur (0:2) vermissen lassen. Nach der Nicht-Leistung in der ersten Halbzeit war die schwarz-gelbe Stimmung in den vergangenen Tagen angespannt – trotz sieben Punkten aus den ersten drei Bundesliga-Partien im Jahr 2026.

Neben Can rückten auch Julian Ryerson, Maximilian Beier und Fabio Silva für die in London schwachen Ramy Bensebaini, Yan Couto, Karim Adeyemi und Julian Brandt in die Anfangself. Besonders die Hereinnahme von Silva machte sich bezahlt. Der Portugiese brachte bei klirrend kalten Temperaturen unter dem Gefrierpunkt zumindest einen Hauch von Spielfreude auf den frisch verlegten Rasen – und leitete den frühen Führungstreffer mit ein (9.). Er bediente Serhou Guirassy, der zwar im Zweikampf gestört wurde, aber am Ball blieb und vom herausstürmenden Union-Torwart Frederik Rönnow abgeräumt wurde. Kapitän Can verwandelte den fälligen Elfmeter eiskalt im unteren linken Eck.
Ein taktisch günstiger Treffer, der den BVB-Profis Sicherheit gab in einer erwartbar zähen Partie. Und es hätte früh ein zweiter folgen müssen. Leopold Querfeld verbaselte den Ball am eigenen Sechzehner, Felix Nmecha spielte weiter zu Guirassy, statt selbst zu schießen – und machte es so unnötig kompliziert. Guirassy musste auf Jobe Bellingham ablegen, dessen Schuss geblockt wurde. Auch Silva verzog.
BVB-Bruch in der ersten Halbzeit
So aber blieb Union irgendwie im Spiel. Gut für den BVB: Gefährlich wurden die Gäste nicht wirklich, unberechenbar waren nur die Hereingaben, die Schwarz-Gelb jedoch nur punktuell ins Wackeln brachten. Dennoch war Mitte der ersten Halbzeit ein Bruch im Spiel zu erkennen, wie zuletzt ob Ungenauigkeiten und fehlender Verbindung der verschiedenen Mannschaftsteile.
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In den wichtigen Momenten war der BVB aber da, der Schlüssel zum zwölften Saisonsieg. Auch nach dem Seitenwechsel. Nur neun Minuten nach Wiederanpfiff köpfte Nico Schlotterbeck nach einer Ecke des ehemaligen Köpenickers Ryerson das wichtige 2:0. Zuvor hatte Rönnow noch einen Schuss von Bellingham aus der zweiten Reihe pariert.
BVB bleibt diesmal stabil
Eine Lehre der bisherigen Saison aber ist, dass selbst eine Zwei-Tore-Führung längst keine Sieggarantie ist. Mehrfach verdaddelte der BVB ja schon fast sichere drei Punkte. Die Partie blieb wohl auch deswegen hitzig, die 22.000 Berliner Fans trieben ihre Mannschaft an, griffen dabei allerdings auch zu Schmähgesängen gegen den BVB-Kapitän, den das aber eher anzusticheln schien. Mit Tugenden wie Aggressivität ging der 32-Jährige durchaus voran.

Gegen schwache Köpenicker brach Dortmund diesmal in einer nach dem Tor ereignislosen zweiten Halbzeit nicht ein. Stattdessen besorgte Beier mit einem strammen Rechtsschuss den dritten Treffer (84.). Der Arbeitssieg dürfte Selbstvertrauen geben für das Liga-Finale in der Champions League am Mittwochabend gegen Inter Mailand.





