Daniel Svensson spazierte vom Platz, und in dieser 26. Minute war das Fußballspiel eigentlich gelaufen. Was folgte, war eine Vorführung von Tottenham Hotspur, die ihren Fans die Krise der vergangenen Wochen wegzauberten. Borussia Dortmund unterlag den Nordlondonern in der Champions League am Ende hochverdient und zeigte in den ersten 45 Minuten stellenweise eine peinliche Vorstellung. Am Ende stand ein 0:2 (0:2), und für den BVB bleiben vor dem abschließenden Spiel der Liga-Phase gegen Inter Mailand in der kommenden Woche nur noch Außenseiterchancen auf den direkten Einzug ins Achtelfinale.

Am Dienstagabend hatten die Engländer dabei über eine Stunde Überzahl. In der 25. Minute grätschte Svensson mit dem gestreckten Fuß in den Ball und traf Wilson Odobert auf Schienbeinhöhe. In der Realgeschwindigkeit sah der Zweikampf harmlos aus, doch Glenn Nyberg (Schweden) wurde vom Video-Schiedsrichter an den Monitor geschickt. Die Zeitlupe zeigte ihm ein anderes Bild: Er zeigte Rot und die Partie war durch. Zu diesem Zeitpunkt lag Borussia bereits mit 0:1 zurück, nachdem Cristian Romero in der 14. Minute getroffen hatte. Der BVB wirkte geschockt, Dominic Solanke erhöhte noch vor der Halbzeitpause auf 2:0 (37.).

Tottenham-Statement für wackelnden Trainer Thomas Frank

Man wollte „etwas Gescheites hinzimmern“, hatte Trainer Niko Kovac angekündigt. Doch scheinbar hatten sich nur die Spurs in ihrer hochmodernen Fußballschüssel, in der sie nun seit 24 Europacup-Spielen ungeschlagen sind, viel vorgenommen. Schnell war klar: Gegen Thomas Frank, ihren mit dem Rücken zur Wand stehenden Trainer, würde die Mannschaft nicht spielen. Im Gegenteil. Der wackelnde Däne, der den 14. Platz in der Premier League zu verantworten hat, breitete am Seitenrand in der 14. Minute vor Freude die Arme aus. Sein Kapitän Romero erlöste den Krisenklub.

Nach einem abgewehrten Eckball duckte sich Julian Brandt weg. Mit etwas Glück bekam der wirbelnde Odobert den zweiten Versuch, um scharf in die Mitte zu flanken. Dort warf sich Romero hinein und versenkte zum frühen 1:0 für die Spurs. Anschließend hätte Karim Adeyemi für Dortmund ausgleichen können, doch nach einem langen Ball von Torwart Gregor Kobel vertändelte er seine Chance kläglich. Und so ging es dahin.

Tottenham Hotspur - Borussia Dortmund
Stolper-Tor: Dominic Solanke schießt sich selbst an und der Ball trudelt ins Netz.© dpa | Kin Cheung

Der Ex-Leipziger Xavi Simons begann zu brillieren und hatte zunehmend Spaß am Ball, auf der rechten Abwehrseite war Yan Couto gegen Djed Spence überfordert. Tottenhams Stürmer Solanke nutzte danach die mangelnde Abstimmung zwischen Ramy Bensebaini, Nico Schlotterbeck und Julian Brandt aus, stolperte den Ball zum 2:0 ins Netz (37.).

Der BVB-Reporter: Das erste BVB-Totalversagen der Saison

weitere Videos

    Im zweiten Durchgang zeigt der BVB zumindest Kampfgeist

    Kovac hatte nach dem Platzverweis zu diesem Zeitpunkt notgedrungen auf Vierkette umgestellt, doch das funktionierte auch nicht. Zumindest die Höchststrafe, einen Spieler noch vor der Halbzeit auszuwechseln, blieb seinen Profis erspart, obwohl er das augenscheinlich überlegte. Stattdessen entschied Kovac sich aber dafür abzuwarten und seine Wechsel für die zweite Halbzeit vorzubereiten. Unter 40 Prozent gewonnene Zweikämpfe im ersten Durchgang waren ja auch der beste Beweis, dass das nötig war.

    Weitere News und Infos zum BVB

    Im zweiten Durchgang kamen also Ryerson und Kapitän Emre Can und die Borussia sammelte sich, als der Regen über der 1,3 Milliarden Euro schweren Hightech-Arena einsetze. Ryerson versuchte es nach 50 Minuten per Freistoß und scheiterte knapp. Schlotterbeck forderte ebenfalls einen Platzverweis, als er schreiend zu Boden ging und allen Dortmunder kurz angst und bange geworden war, nachdem Solanke ihm auf den Knöchel trat (58.). Es gab aber dafür nicht einmal eine Verwarnung. Durch weitere Wechsel, Silva, Chukwuemeka und Beier kamen, gelang es Dortmund, sich im Rest des Spiels zumindest nicht abschlachten zu lassen. Was blieb, war dennoch eine brutale erste Halbzeit, die dringend aufgearbeitet werden muss. Am Samstag geht es im Bundesliga-Topspiel in die deutsche Hauptstadt zu Union Berlin. Der Abend in der englischen Hauptstadt war einer zum Vergessen.