Borussia Dortmunds Julian Ryerson und Aaron Anselmino sind ohnehin keine Fußballprofis, gegen die du als Gegner gerne spielst. Zwei aggressive Wemmser, die keinen Zweikampf scheuen, hat Schwarzgelb da auf der rechten Abwehrseite. In der Halbzeitpause nahm der Norweger mit der Leoparden-Frisur seinen südamerikanischen Hintermann in den Arm und kloppte seine Hand dreimal in die Faust. Fighten, fighten, fighten! Anselmino vereinte beim 2:1 (1:0)-Auswärtserfolg bei Bayer Leverkusen alle Attribute, die den BVB an diesem Abend auszeichneten: eine Portion Ekligkeit, pure Willenskraft und etwas Glück.

Aaron Anselmino köpft sein erstes BVB-Tor

Der 1,86 Meter große Argentinier schraubte sich in der 41. Minute nach einem Freistoß von Daniel Svensson zwischen Robert Andrich und Loic Bade in die Höhe und wuchtete den Ball mit etwas Hilfe des Innenpfostens ins Netz. Es war Anselminos erstes Tor für Borussia Dortmund und was für ein wichtiges: Der BVB kann es doch! Der ultrawichtige Dreier in Leverkusen war der erste Sieg gegen eine Top-Mannschaft in dieser Saison und für Trainer Niko Kovac die Vergoldung des 4:0-Befreiungsschlags in der Champions League gegen Villarreal. Karim Adeyemi erzielte per Kopf das 2:0 (66. Minute), Christian Kofane (82. Minute) verkürzte für Bayer.

Dortmund setzte damit im ersten von zwei Teilen des wichtigsten Doppelpacks des Jahres gegen die Werkself ein Statement an die Liga. Am Dienstag treffen die beiden Mannschaften im Achtefinale des DFB Pokal gleich wieder aufeinander. Dann wüsste man, wo man stehe, sagte Kapitän Nico Schlotterbeck unmittelbar vor Anpfiff im Interview bei Sky. In der Liga vorerst weiterhin in der Spitzengruppe, der BVB überholte Leverkusen und sprang auf Platz drei.

Karim Adeyemi jubelt über das 2:0 in Leverkusen.
Karim Adeyemi jubelt über das 2:0 in Leverkusen.© Getty Images | PAU BARRENA

Doch Dortmund wäre nicht Dortmund, würde es nicht doch Wirbel abseits dieses Supersieges geben. Der einmal mehr glücklose Stürmer Serhou Guirassy klatschte bei seiner Auswechslung nach einer Stunde nicht mit Trainer Kovac ab, der ihm böse hinterherschaute. Welche Folgen diese Aktion für den Guineer haben wird, wird sich zeigen.

BVB-Kapitän Schlotterbeck zu Beginn von der Rolle

Kovac veränderte seine Mannschaft im Vergleich zur Königsklasse nur auf einer Position. Für den auf die Bank rückenden Yan Couto übernahm Ryerson auf der rechten Seite. Hieß auch, dass defensiv wieder Anselmino, Waldemar Anton und Anführer Schlotterbeck die Dreierreihe bildeten. Der etatmäßige Kapitän Emre Can saß draußen, Kovac behielt mit Anselmino das goldene Händchen.

Apropos Schlotterbeck, um ihn geht es ja in diesen Wochen beim Ballspielverein. Die Dortmunder Verantwortlichen werden langsam nervös, pochen darauf, dass ihr Anführer seinen bis 2027 laufenden Vertrag vorzeitig langfristig verlängert. Noch hat er seine Entscheidung den Bossen mitgeteilt. Ihm geht es um die sportliche Entwicklung, möchte Titel gewinnen.

4:0-Sieg in der Champions League - alles rosig also bei Borussia Dortmund? Nun ja. Nach der Kritik von Ex-Spieler und TV-Experte Mats Hummels fragen die Reporter Christian Woop und Jonas Ortmann gemeinsam mit Moderatorin Linda Joy Sonnenberg in einer neuen Folge von "Echte Tiefe - den BVB verstehen": Hat der Weltmeister recht? Es geht um fehlende Entwicklung beim BVB, Defizite und die Frage, wie es eigentlich um Nico Schlotterbeck steht. Bahnt sich ein Abschied des "Weltklasse-Innenverteidigers" an, wie Hummels seinen ehemaligen Teamkollegen bezeichnet? Wie stark kann Niko Kovac die Mannschaft in den englischen Wochen weiterentwickeln? Oder haben sich Probleme schon zu seiner Zeit in München angedeutet? Die WAZ-Reporter geben Einblicke in ihre Recherchen, analysieren und haben eine klare Meinung. Auch, wenn sie sich nicht immer einig sind. Viel Spaß bei der neuen Folge.

In der BayArena entwickelte sich ein fußballerisches Abtasten, der BVB war um Kontrolle bemüht und vor allem um spielerische Elemente. Julian Brandt bot Laufwege an, Guirassy forderte den Ball. Die Dortmunder pressten hoch, doch die erste Chance zur Führung hatte Leverkusen.

BVB behält in Leverkusen die Nerven

Tabsoba hebelte mit einem Pass durch das Zentrum das BVB-Mittelfeld in Person von Marcel Sabitzer und Felix Nmecha aus, das Zuspiel leitete Maza auf den schnellen Linksaußen Ernest Poku weiter. Der Leverkusener blieb aber nicht cool genug und haute den Ball aus neun Metern drüber (10.). Kurz vor der Pause köpfte Anselmino die 1:0-Führung.

Nach dem Seitenwechsel übernahm Bayer wie zu erwarten die Kontrolle. Dortmund verteidigte, stellte zu und nahm viel Zeit von der Uhr. Tillmann hatte nach einem Freistoß den Ausgleich auf dem Kopf (55.). Auf der anderen Seite scheiterte Stürmer Guirassy in der 59. Minute völlig freistegend per Kopf an Flekken. Das war eine Chance, die er normalerweise im Schlaf verwandelt.

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Für den glücklosen Angreifer war danach Schluss, Silva kam ins Spiel. Guirassy schlenderte frustriert vom Feld. Und zack: Silva servierte! Seine punktgenaue Flanke wuchtete Adeyemi neben den Pfosten ins Glück und spazierte zur Eckfahne vor den Auswärtsblock. Kofane machte die Schlussphase mit seinem Anschlusstor hitzig, doch die Dortmunder Supersere hielt: Die Werkself bleibt gegen Schwarzgelb seit fünf Heimspielen sieglos und holte aus diesen fünf Partien nur einen Punkt.