Captain Schlotterbeck marschierte vor, trommelte die Kollegen zusammen und peitschte den Auswärtsblock noch einmal ein, bevor sich der Fußball-Krimi vom Main endgültig zuspitzte. Zwischen Eintracht Frankfurt und Borussia Dortmund stand es nach 120 packenden Pokal-Minuten 1:1 (1:0), Ansgar Knauff traf zur frühen Führung (7. Minute), Julian Brandt glich aus (48.), ein Abseitstor von Jonathan Burkardt (115.) zählte nicht. Die Mannschaft brauchte in der absoluten Crunchtime nun jeden Mann oder jede Frau auf der Tribüne, die Nico Schlotterbeck entgegenbrüllten.

Es musste der Elfmeter-Showdown herhalten für die Entscheidung in diesem Zweitrunden-Wahnsinn. Fabio Silva begann für den BVB. Drin! Can Uzun glich aus. Niklas Süle? Sicher. Und dann Doan: Der Frankfurter knallte drüber. Dortmund führte! Chukwuemeka: Drin! Nmecha? Drin! Und dann die Entscheidung: Kobel hielt gegen Chaibi! Der BVB ist weiter, steht nach dem 5:3 nach Elfmeterschießen im Achtelfinale.

Ja, Berlin, Berlin, der BVB träumt wieder von Berlin! Die Borussia kam seit dem Titelgewinn 2021 unter Edin Terzic ja nie mehr über das Vietelfinale hinaus. Nun hat man sich gegen ein starken Konkurrenten durchgesetzt, nachdem vor ziemlich genau einem Jahr in der 2. Runde beim VfL Wolfsburg nach Verlängerung Schluss war.

BVB-Überraschung: Guirassy und Nmecha bleiben zunächst draußen

Bei der Rückkehr zu seiner alten Liebe - Niko Kovac gewann mit der Eintracht 2018 den Pokal und ist Mitglied auf Lebenszeit - verblüffte der BVB-Trainer mit der Aufstellung. Ja, er hatte Rotation in den heißen Herbstwochen angekündigt. Doch es war sehr überraschend, dass Lebensversicherung Serhou Guirassy und der so formstarke Mittelfeldchef Felix Nmecha draußen saßen. Der Kroate pokerte damit hoch, ließ er doch ausgerechnet in diesem K.o.-Spiel erstmals überhaupt seinen Top-Stürmer freiwillig auf der Bank. „Ich möchte ihm eine Pause geben und hoffe, dass wir ihn nicht brauchen werden“, begründete Kovac bei „Sky“.

BVB-Trainer Niko Kovac über Serhou Guirassy

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    Insgesamt tauschte er seine Startelf auf fünf Positionen. Aaron Anselmino, Jobe Bellingham, Marcel Sabitzer, Maximilian Beier und Julian Brandt rückten neu rein und wurden in der Anfangsphase kalt erwischt. Die Fans der SGE rauchten das Waldstadion, neudeutsch Deutsche-Bank-Park, mit schwarzem Qualm zum Anstoß ein, was die Dortmunder Abwehr offenbar kollektiv kurz benebelte.

    Frühe Frankfurt-Führung durch Ex-Dortmunder Knauff

    Die 7. Minute: Daniel Svensson wollte einen langen Frankfurter Schlag klären, doch köpfte genau in die Füße von Mario Götze. Weit und breit war kein Schwarzgelber zu sehen. Traumhaft wie in besten BVB-Zeiten konnte der Weltmeister von 2014 also auf Ansgar Knauff durchstecken. Der Ex-Dortmunder verwandelte eiskalt an Gregor Kobel vorbei zum 1:0. Erster Angriff, erstes Tor – die Frankfurter hüpften, Borussia lief dem frühen Pokalschock hinterher.

    Das Bild eines typischen BVB-Spiels verfestigte sich: Dortmund wollte das Spiel lenken und Frankfurt kontern. Doch wie so oft zuletzt, fehlten die klaren Chancen. Angefeuert von Trainer Dino Toppmöller an der Seitenlinie warf sich die Eintracht rein, wirkte mit zunehmender Spieldauer immer griffiger – und regte sich in der 43. Minute mächtig auf: Dortmunds Abwehr-Mann Anselmino mähte nur Sekundenbruchteile nach seiner Gelben Karte Nathaniel Brown um. Dass Schiedsrichter Sven Jablonski ihn mit einer letzten Ermarnung davonkommen ließ, war XXL-Glück für den Argentinier.

    Julian Brandt bringt BVB zurück ins Pokalspiel

    Zum Seitenwechsel reagierte Kovac, wechselte Niklas Süle für Anselmino ein. Und zwei Minuten nach Wiederanpfiff klingelte es: Julian Ryerson flankte scharf in die Mitte, am zweiten Pfosten schob Julian Brandt ein (48.). BVB-Spiele sollten vielleicht nur noch zweite Halbzeiten haben, wie zuletzt steigerte sich die Mannschaft. Plötzlich war Spielfreude zu erkennen. Auf der anderen Seite rettete der starke Kobel gegen Knauff (69.) und weitere Male, einmal die Latte gegen Ritsu Doan (79.). Für Dortmund kamen Guirassy und Silva rein. Das Spiel war nun packend! Ohne große Highlights, dafür mit Starkstromspannung ausgestattet – bis zum letzten Schuss.