Sven Mislintat hat sich erstmals und ausführlich zu seinem Aus bei Borussia Dortmund geäußert – und wehrt sich dabei gegen Vorwürfe. „Wir alle – und da nehme ich mich ausdrücklich mit in die Verantwortung – haben es nicht schnell und gut genug hinbekommen, unsere Kompetenzen abzugleichen, zu besprechen und sie gegebenenfalls bei Überschneidungen neu zu ordnen“, sagte der 52-Jährige in einem Interview mit dem kicker (Montagsausgabe). 

Mislintat war im Mai 2024 als Technischer Direktor zum BVB zurückgekehrt, nachdem er sich in seiner ersten Zeit in Dortmund den Ruf eines außergewöhnlichen Talente-Spähers erarbeitet hatte. Unter dem anderen der Transfer von Ousmane Dembele im Jahr 2016, dem aktuellen Ballon d’Or-Gewinner von Paris Saint-Germain, ist auf Mislintats Scouting zurückzuführen. Gemeinsam mit Sport-Geschäftsführer Lars Ricken, Sportdirektor Sebastian Kehl und Trainer Edin Terzic sollte Mislintat nun den neuen BVB prägen.

BVB: Sven Mislintat wurde Anfang des Jahres freigestellt

Anfang des Jahres allerdings wurde Mislintat freigestellt, Ende August dann die Zusammenarbeit formal beendet. Denn Mislintats Engagement war von ständiger Unruhe begleitet worden. Auch diese Redaktion hatte im August 2024 von ersten Rissen zwischen Mislintat und Kehl berichtet, da der Kaderplaner, der Sportdirektor Kehl zuarbeiten sollte, seine Kompetenzen mehrfach überschritten haben soll. Von da an arbeitete Mislintat auf Bewährung. Den Machtkampf gewann schließlich Kehl, der seinen Vertrag verlängerte.

Training Borussia Dortmund
Juli 2024: Sport-Geschäftsführer Lars Ricken und Kaderplaner Sven Mislintat beim öffentlichen BVB-Training.© DPA Images | Bernd Thissen

„Maßnahmen hätten helfen können, als Gruppe zusammenzuwachsen und als solche eine echte Chance zu haben“, sagte Mislintat nun. „Zum einen im Zuge der Neustrukturierung Sebastian Kehl die gleiche längerfristige vertragliche Klarheit wie Lars Ricken und mir zu geben. Zum anderen wäre es sicher gut gewesen, die neue Rollenverteilung, die Aufgaben und Verantwortungsbereiche ganz klar zu klären und zu kommunizieren. Intern wie extern.“ Mislintat nannte als Beispiel eine gemeinsame Pressekonferenz.

BVB: Sven Mislintat wehrt sich gegen Vorwürfe

Mislintat wehrte sich zudem gegen Vorwürfe, Kompetenzen überschritten zu haben.  „Ich habe mich immer an meinen Arbeitsvertrag gehalten – und an die Vorgaben meiner Vorgesetzten Lars Ricken und Aki Watzke“, so der gebürtige Kamener. Auch dem Eindruck, bei allen Stationen (Ajax Amsterdam, VfB Stuttgart, BVB) verbrannte Erde hinterlassen zu haben, widersprach Mislintat, räumte allerdings ein, „dass ich sehr diskussionsfreudig und meinungsstark bin. Höchstleistungen erreicht man nicht in Komfortzonen“.

Außerdem sei nicht zutreffend, dass Mislintat auf Kehls Job als Sportdirektor scharf gewesen sei. „Das ist falsch. Ich fand die technische Direktion sehr passend und entschied mich bewusst dazu. Und ich glaube weiterhin, dass wir das Ding mit einem besseren Start auch gemeinsam hätten rocken können“, so Mislintat. Insgesamt plante Mislintat zwei Transferphasen, in denen der BVB Transfers wie Serhou Guirassy, Waldemar Anton und Daniel Svensson tätigte. „Wenn man sich diese Transfers, ihr sportliches Standing und ihre Wertentwicklung ansieht, kann sich jeder sein eigenes Urteil bilden“, antwortete Mislintat auf die Frage, ob seine beste Zeit vorbei sei.