Wie gut die Stimmung bei Borussia Dortmund gerade ist, sah man nach etwa 80 Spielminuten am Samstagnachmittag in Mainz. Felix Nmecha, gerade ausgewechselt, lehnte sich ganz entspannt auf das Dach der Reservebank und begann ein Gespräch mit einem der jüngsten BVB-Fans im Stadion. Vielleicht zwei oder drei Jahre alt muss dieser gewesen sein. Beide, Nmecha und der Junge, grinsten herzlich. Dann hielt Nmecha noch seine Hand nach oben, sodass das Kind abklatschen konnte.
In Nmechas Rücken liefen da noch die letzten Minuten der Bundesliga-Partie. Den 2:0 (2:0)-Sieg hatte der überlegende BVB nach Toren von Daniel Svensson (27.) und Karim Adeyemi (40.) zu diesem Zeitpunkt schon in der Tasche, was auch daran lag, dass Mainz nach einem Platzverweis für Robin Zentner (67., Notbremse) die Begegnung in Unterzahl beendete. Damit beißen sich die Dortmunder als erster Verfolger mit 13 Punkten aus fünf Spielen am FC Bayern München fest.
BVB: Hiobsbotschaft um Serhou Guirassy
Kurz vor Anpfiff erreichte die Dortmunder eine Hiobsbotschaft. Serhou Guirassy, die BVB-Lebensversicherung, fasste sich beim Aufwärmen an den Oberschenkel. Anschließend ging der Guineer in die Kabine – eine Vorsichtsmaßnahme. Für Guirassy rutschte Julian Brandt kurzfristig in die Startelf. Mit einer Ausnahme bot Trainer Niko Kovac ansonsten jene Mannschaft auf, die sich in der vergangenen Woche mit 1:0 gegen den VfL Wolfsburg durchgesetzt hatte. Nur Julian Ryerson saß draußen, dafür begann Yan Couto.

25 Minuten lang sahen die 33.105 Zuschauerinnen und Zuschauer in der Mainzer Mewa-Arena ein unterdurchschnittliches Fußball-Spiel. Viele Bälle versprangen, Ungenauigkeiten prägten Spiel beider Mannschaften. Auffällig: Beide Teams hatten so ihre Probleme mit dem Rasen, der von außen seifig wirkte. Bevor es überhaupt mal gefährlich werden konnte in einem der Strafräume, waren die Spieler schon weggerutscht. Eine positive Beobachtung gab es zu diesem Zeitpunkt jedoch aus BVB-Sicht: Guirassy war inzwischen zurück aus den Katakomben und absolvierte hinter dem Tor ein paar lockere Laufübungen. Der Torjäger soll für die Champions-League-Begegnung am kommenden Mittwoch mit Athletic Bilbao aus Spanien wieder einsatzbereit sein.
Von jetzt auf gleich allerdings änderte sich die Dynamik auf dem Rasen. Denn Mainz hatte die erste dicke Chance des Spiels. Nadiem Amiri spielte einen langen Ball auf Armindo Sieb, der in die Mitte spielte, wo Paul Nebel angerutscht kam und den Ball an den rechten Pfosten setzte (26.).
BVB: Perfekter Konter bringt Dortmund die Führung
Und der BVB? Machte es praktisch im Gegenzug besser. Die Dortmunder malten einen perfekten Angriff aufs Grün. Über Karim Adeyemi und Maximilian Beier gelangte der Ball zu Brandt, der wohlüberlegt in die Mitte passte, weil Daniel Svensson auf der linken Seite mit einlief. Der Schwede erzielte das 1:0 (27.).

Die Gastgeber mussten nach dem Rückstand mehr tun, das gab Räume für Schwarz-Gelb – und das 2:0. Wieder war Adeyemi Ausgangspunkt, indem er den Ball an Danny da Costa vorbeispitzelte. Nach einem beinahe verunglückten Doppelpass mit Brandt lag der Ball wieder im Netz (40.). 2:0, die beeindruckende Effizienz einer neuen Spitzenmannschaft, die auch ohne spielerischen Glanz auskam.
Man brauchte nun viel Fantasie, um Gründe dafür zu finden, warum die Mainzer diese Partie noch drehen sollte. Dortmunds Abwehr stand erneut sehr sicher, ließ kaum etwas zu. Klar war auch: Jedes Risiko würde automatisch zu Dortmunder Möglichkeiten für das dritte Tor führen.
BVB gegen Mainz: Gastgeber am Ende in Unterzahl
Dass der vierte Saisonsieg aber noch nicht unter Dach und Fach war, stellten die Gäste in der 56. Minute fest. Andreas Hanche-Olsen köpfte eine Ecke von Nebel wuchtig, aber unplatziert aufs Dortmunder Tor. Gregor Kobel musste nach einer ereignislosen Stunde aus Sicht des Keepers mal wieder eingreifen.
Der Schweizer leitete wenig später die Vorentscheidung ein. Kobels schneller Abschlag führte zu einem Laufduell zwischen Adeyemi und Kobels Gegenüber Robin Zentner – mit dem besseren Ende für Adeyemi. Zentner erwischte Adeyemi vor dem Strafraum, sodass Schiedsrichter Tobias Reichel – anders als Zentner – nicht lange zögerte und dem Mainzer Torwart die Rote Karte zeigte (67.). Arnaud Nordin (84.) schoss noch einmal knapp über das Tor, was den BVB nicht daran hinderte, den Sieg nach Hause zu bringen. Erwähnenswert zudem: Der neue Stürmer Fabio Silva gab noch sein Kurz-Debüt (87.), Brandt hatte in der Nachspielzeit das 3:0 auf dem Fuß.



