Ginge es nach der Stimmung in den sozialen Medien, könnte manchmal der Eindruck entstehen, – überspitzt formuliert – Borussia Dortmund stünde kurz vor der Vereinsauflösung. Bewusst überspitzt geht es auch dort zu. Jede (vermeintliche) Entscheidung von Sport-Geschäftsführer Lars Ricken und Sportdirektor Sebastian Kehl wird deshalb gerne hinterfragt – in diesem Jahr vor allem in Sachen Transfers. Am Samstag hat Trainer Niko Kovac seine Mannschaft wieder empfangen und neue Spieler waren nicht dabei. Auch das sorgte nicht gerade für Heiterkeit.
BVB-Boss Lars Ricken: „Gibt einen klaren Plan“
Im Interview mit dem Kicker bezieht Ricken nun Stellung zu der BVB-Suche auf dem Transfermarkt: „Ich kann das zum Teil verstehen, weil natürlich jeder Klub – auch wir – den Wunsch hat, zum Trainingsstart möglichst die Mannschaft komplett zu haben“, erklärt der Dortmunder Boss, aber für Borussia gehe es darum, richtige Entscheidungen zu treffen und „nicht in Aktionismus zu verfallen, nur um Menschen, die sich meist anonym via Social Media beklagen, zu zeigen, dass wir aktiv sind.“

Ricken deutet im Laufe des Gesprächs weitere Aktivitäten durchaus an. In den nächsten Tagen und Wochen könnte es sein, dass „an zwei, drei Stellen auf der Zugangsseite noch etwas passiert, falls wir der Meinung sind, dass uns diese Transfers sportlich weiterhelfen und wirtschaftlich sinnvoll sind. Noch einmal: Es gibt einen klaren Plan, unser Sportdirektor Sebastian Kehl befindet sich gerade mitten in der Umsetzung.“
Zuletzt war der Transfer von Wunschspieler Ethan Nwaneri geplatzt. Das Interesse an einer weiteren Verpflichtung von Carney Chukwuemeka bestätigt Ricken. Weitere, heiße Kandidaten sind derzeit noch unter Verschluss. Ricken stellt klar: „In Jobe konnten wir unseren absoluten Wunschspieler verpflichten. Dazu haben wir Daniel Svensson fest verpflichtet. Wir haben jetzt noch gut 35 Tage Zeit und wissen genau, wie und mit wem wir uns auf welchen Positionen verstärken möchten. 95 Prozent von dem, was ich bisher an Gerüchten gelesen habe, ist nicht korrekt.“
BVB: Lars Ricken hat im Verein aufgeräumt
Für Ricken sei das aber eine Bestätigung seiner Arbeit: „Es zeigt aber immerhin, dass Internes jetzt so lange es nur irgend geht auch intern bleibt. Ich habe in meinem ersten Halbjahr als Geschäftsführer Sport mehrfach betont, dass Loyalität und Verschwiegenheit für mich die Basis für Erfolg sind. Und ich habe auch nicht von ungefähr personelle Konsequenzen gezogen, als ich nach einigen Monaten im Amt gesehen habe: Da läuft echt was schief.“
Die Transfer-Priorität liegt klar in der Offensive, ein flexibler Spieler wird gesucht, der hinter den Spitzen Kovacs und auf der Außenposition spielen kann. Nach einigen zum Teil noch bevorstehende Abgängen besteht die Sorge, der Kader biete zu wenig Alternativen, sei zu klein. Diese Taktik ging im vergangenen Herbst aufgrund einer Verletzungsseuche schief. Wiederholen sich Fehler?
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„Es gab diese eine Phase, in der wir zehn Verletzte gleichzeitig hatten. Mit keiner Kaderplanung der Welt kannst du das auffangen – es sei denn, du hast über 30 Spieler in deinem Aufgebot“, erwidert Ricken. Er sagt: „Das wollen wir nicht. Was wir stattdessen benötigen, sind Spieler, die belastungsstabil sind – so wie Jobe Bellingham, der in der Championship die härteste Ausbildung durchlaufen hat, die man sich vorstellen kann.“
„Niko“, sagt Ricken, „hat bewiesen, dass er die Spieler in kurzer Zeit – selbst während des laufenden Spielbetriebs – auf ein hohes Fitnesslevel bringen kann. Wenn wir es also schaffen, unsere fußballerische Qualität mit einer hohen körperlichen Widerstandsfähigkeit zu paaren, dann sind wir schwer zu schlagen. Das haben die letzten Spiele der Vorsaison gezeigt.“





