Sie ist das Herz des Signal-Iduna-Parks – und sie war wieder einmal ohrenbetäubend: Die Gelbe Wand hat beim 2:0-Treffer von Karim Adeyemi gegen den 1. FC Heidenheim am 13. September 2024 nicht nur gejubelt, sondern ist einmal mehr explodiert. 114,3 Dezibel wurden in diesem Moment gemessen – so laut wie ein Rockkonzert. Kein anderer Moment in dieser Bundesliga-Saison war im Stadion von Borussia Dortmund lauter.

BVB: Derby gegen Bochum sehr laut

Die Messung stammt von GEERS, Deutschlands führendem Hörakustiker. Das Unternehmen hat bei jedem Heimspiel des BVB vor der Südtribüne professionelle Schallpegelmessungen durchgeführt – und zieht nun zum Saisonende eine Bilanz.

Arthur Romijn, Geschäftsführer von GEERS, erklärt: „Ein volles Stadion, tausende Fans, pure Emotion – der Soundtrack eines unvergesslichen Spiels. Genau diese Lautstärke macht den Reiz aus, kann aber auch gefährlich fürs Gehör werden – selbst wenn es nur manchmal so laut wird. Schon ab 85 Dezibel, also etwa so laut wie ein Torjubel, kann es kritisch werden. Daher sind wir laut für Gehörschutz. Denn mit dem richtigen Schutz bleibt das Erlebnis genauso intensiv – nur eben ohne Risiko für die Ohren.“

Nur zwei Wochen nach dem Heidenheim-Spiel bebte das Westfalenstadion erneut: Beim kleinen Revierderby gegen den VfL Bochum wurde mit 93,55 Dezibel der höchste Durchschnittswert der Saison erreicht. Schon beim gemeinsamen Singen von „You’ll never walk alone“ vor Anpfiff schnellte der Pegel auf 109 Dezibel. Das emotionale Auf und Ab des Spiels – von 0:2-Rückstand bis zum 4:2-Sieg – war auch akustisch ein echtes Spektakel. Auffällig: Beides waren Abendspiele unter Flutlicht.

Ekstase pur: Die BVB-Profis bejubeln das 3:2 durch Serhou Guirassy gegen den VfL Bochum.
Ekstase pur: Die BVB-Profis bejubeln das 3:2 durch Serhou Guirassy gegen den VfL Bochum.© AFP | Ina Fassbender

„Was wir im Stadion hören, hat eine direkte Wirkung auf unser emotionales Erleben. Klänge beeinflussen unsere Stimmung, treiben unseren Puls in die Höhe und schaffen das Gefühl, Teil von etwas Größerem zu sein“, erklärt Professor Dr. Stefan Launer, Leiter der Grundlagenforschung bei der Sonova AG, zu der auch GEERS gehört.

„Die Akustik im Stadion hat eine wesentlich größere Auswirkung auf die Stimmung im Stadion, als vielen wohl bewusst ist. Sie wirkt sich nämlich nicht nur auf die Ohren aus, sondern auf den ganzen Körper. Zwischen Gehör und Gehirn besteht eine enge Verbindung. Geräusche werden im auditorischen Kortex verarbeitet und in Kombination mit dem limbischen System – der Schaltzentrale unserer Gefühle im Gehirn – emotional bewertet. Genau diese Verbindung zwischen Hören, Gehirn und Emotion macht das Stadionerlebnis so einzigartig.“