Wenn im bevorstehenden Juli über Erfolg oder Scheitern der deutschen Nationalelf diskutiert wird, könnte in der Analyse auch noch einmal der 25. März angesprochen werden. An jenem Mittwoch nämlich spielten sich Kai Havertz und Nick Woltemade zum ersten Mal in Herzogenaurach die Bälle zu. Beide versprechen auch im Duett viel Offensivpower für die Endrunde in Nordamerika, gelten als Faktoren für den Titel – für den dann sozusagen an besagtem Donnerstag ein Grundstein gelegt worden ist. Sollte dieses Turnier aber für das DFB-Team die nächste Enttäuschung parat halten, kommt man wohl eher zum Analyse-Ergebnis: Tja, wie sollte das auch gutgehen?

Wöchentlich

Sport-Newsletter: Jetzt kostenlos anmelden!

Mit unserem täglichen Newsletter verpassen Sie nichts, was die Sport-Welt bewegt.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Es ist ja bemerkenswert, dass die beiden Premier-League-Profis, die in den USA ganz wichtig werden sollen, erst drei Monate vor WM-Beginn erstmals gemeinsam trainiert haben. Havertz, 26, vom FC Arsenal hat aufgrund von Verletzungen zuletzt im November 2024 für Deutschland gespielt. Woltemades Stern ging erst anschließend auf, inzwischen stürmt der 24-Jährige für Newcastle United. Beide sind Angreifer, aber keine klassischen Neuner, sie würden auch als Zehner gute Figuren abgeben. „Wir können uns da gut ergänzen“, glaubt Havertz. Und erst recht, wenn um das Duo herum auch noch Florian Wirtz und Jamal Musiala wuseln. Nur gibt es da einen Haken: Die Krux der WM-Achse, die sich schon seit Monaten nicht einspielen kann.

DFB-Team gegen die Schweiz und Ghana

Julian Nagelsmann hat seine WM-Ideen bereits ausführlich skizziert, die meisten der Startelfplätze sind vergeben, man muss da kaum zwischen den Zeilen des Bundestrainers lesen. Die Besetzung, die Nagelsmann dafür im Kopf hat, ist in Teilen bloß gar nicht dabei bei den Länderspielen am Freitag in Basel gegen die Schweiz (20.45 Uhr/RTL) und drei Tage später in Stuttgart gegen Ghana (20.45 Uhr/ARD) – oder noch nicht in verlässlicher Form, um das DFB-Team titelreif zu machen.

Kai Havertz und Antonio Rüdiger
Welche Rollen spielen Kai Havertz und Antonio Rüdiger bei der WM?© dpa | Thissen

Antonio Rüdigers Rolle als Abwehrchef in spe hat Nagelsmann von dessen Fitnesszustand abhängig gemacht. Auf der Doppel-Sechs würde er am liebsten das Bayern-Duo Aleksandar Pavlovic und Leon Goretzka sehen. Auch Felix Nmecha vom BVB kommt als Goretzka-Partner infrage, doch Pavlovic und Nmecha mussten beide absagen für den März. Nmecha fehlt bis Mai wegen einer Außenbandverletzung. Wie es um Pavlovic steht, ist nicht genau klar. Keine guten Aussichten für eine Kernposition.

Schlüsselspieler Wirtz zaubert noch nicht

Vorne muss Nagelsmann das Musiala-Wirtz-Woltemade-Havertz-Quartett legen, um gewinnen zu können. Wobei Havertz lange verletzt war, Musiala gerade geschont wird und Schlüsselspieler Wirtz zwar stärker wird beim FC Liverpool, aber längst noch nicht so zaubert wie vor der Heim-EM.

Auch für Nagelsmann ist diese Situation neu. Vor der Heim-EM 2024 hatte er monatelang herumexperimentiert und seinen Kurs gewechselt. Im März 2024 allerdings stand fest, wer spielt. Die Startelf beim Testspiel-Sieg in Lyon gegen Frankreich unterschied sich nur einer Position von der beim Turnierauftakt gegen Schottland: im Tor, da Marc-André ter Stegen den verletzten Manuel Neuer vertrat. Und der hat zuvor jahrelang mit Kimmich, Kroos und Gündogan trainiert.