Armindo Sieb hatte gar keine Zeit, um nachzudenken. Als ihm der Ball in der fünften Minute der Nachspielzeit unverhofft vor die Füße fiel, zog er aus 16 Metern ab und versenkte den Ball im kurzen Eck. Jubelnd drehte er ab, kam aber nur wenige Meter weit. Auch aus dem prall gefüllten Gästeblock des 1. FSV Mainz 05 richteten sich die Blicke nach der ersten Ekstase schnell auf Schiedsrichter Mohammed Al-Emara. Und der kannte keine Gnade. Zügig schnellte der Arm des Finnen in die Höhe: Abseits. Das erste internationale K.-o.-Spiel in der Geschichte der Rheinhessen, ein Conference-League-Achtelfinale bei Sigma Olmütz, sollte nicht sein glückliches Ende finden.

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Obwohl der kleine Klub aus dem Osten Tschechiens im Vergleich zum anderen möglichen Gegner, Crystal Palace aus London, zunächst für Stirnrunzeln gesorgt hatte, war schnell klar, dass sich eine vierstellige Anzahl an Mainzern dieses Gastspiel nicht entgehen lassen wollten. Die Nachfrage überstieg das aus Olmütz gestellte Ticketkontingent von 650 Tickets weit. Ein Aufruf der aktiven Fanszene, auch ohne Karte ins Nachbarland zu reisen, tat sein Übriges. Die Tschechen wiederum hatten offensichtlich kein Interesse daran, gegen den Favoriten schon im Hinspiel ein Auswärtsspiel zu haben, und regulierten den Ticketverkauf stark. In der Theorie sollten so nur Sigma-Fans an Tickets im Heimbereich kommen. Ein freier Verkauf vor Ort endete dienstags, zwei Tage vor dem Spiel.
Mainz 05 in der Conference League: Ticket-Regulierungen haben keinen Effekt

Mit Hilfe ein, zwei kleinerer Kniffe waren dennoch zügig zwei Tickets im Heimbereich organisiert, sodass der Reise nach Tschechien gar nichts mehr im Weg stand. In Summe schien das bei hunderten Anhängern der Nullfünfer ähnlich verlaufen zu sein, sodass sich geschätzt 1300 Fans an dem ausgerufenen Treffpunkt im Stadtzentrum einfanden.
Das rief nach einigen Stunden auch die zunächst offenbar nicht im Bilde gewesene tschechische Polizei auf den Plan, die den Ansturm, den die Stadt Olmütz sonst eher selten erlebt, argwöhnisch beobachtete und absicherte. Viele Fans nutzten den kühlen Nachmittag, um sich die Stadt mit ihren, zugegebenermaßen wenigen Sehenswürdigkeiten, anzuschauen oder in diversen Lokalen zu tschechischen Preisen zu speisen.
Rund zweieinhalb Stunden vor dem Anstoß zu bester Conference-League-Zeit um 21 Uhr fanden sich die Mainz-Fans zusammen, um gemeinsam die rund 20 Fußminuten zum Stadion zurückzulegen. Unter lauten Gesängen und interessierten Blicken der Einheimischen zogen die Rheinhessen zum Andruv-Stadion. „Egal, ob Basel, Straßburg oder Köln, die wahre Macht am Rhein ist Mainz 05“, schallte es durch die Gassen der 100.000-Einwohner-Stadt. Die Vorfreude auf dieses historische Auswärtsspiel war bei jedem einzelnen Fan spürbar, lebt in Mainz doch sogar die vage Hoffnung, trotz schwacher Bundesligasaison als einer der Turnierfavoriten die Conference League zu gewinnen.

Mainz 05 zur Conference League in Tschechien: Sigma Olmütz rudert im Ticketstreit zurück
Am Stadion angekommen, sorgte die tschechische Polizei mit der Aufforderung, „im Namen des Gesetzes“ von der Straße herunter „auf den Bürgersteig zu gehen“, zunächst für Belustigung. Rund 50 behelmte Beamte mit Schilden verliehen dieser Forderung allerdings Nachdruck, sodass sich die Gäste schließlich entspannt auf einen an das Stadion angrenzenden Parkplatz begaben. Dass dort der halbe Liter Bier für umgerechnet 2,20 Euro verkauft wurde, trug ebenso zu einer gelösten Stimmung bei wie auch die Tatsache, dass kein Fan im Public-Viewing-Bereich verbleiben musste. Letztlich waren auf Mainzer Seite zu viele Tickets für den Heimbereich im Umlauf, sodass auch der letzte Anhänger ohne Karte seine Eintrittsberechtigung ins Stadion bekam.
Diese Information schien dann auch zu den Verantwortlichen von Sigma Olmütz durchgedrungen zu sein. Im Angesicht der Tatsache, dass der regulierte Ticketverkauf keinen Effekt gehabt hatte, durften sich die Mainzer mit Karten außerhalb des Gästeblocks in dessen Nähe zusammenfinden, was der Großteil dann auch getan hat.

Conference League: Mainz 05 liefert wenige Höhepunkte
Letztlich konnte die Mannschaft auf dem Feld mit dem, was die Fans auf den Rängen ablieferten, nicht mithalten. Die abstiegsbedrohten Nullfünfer boten fußballerische Magerkost, über die auch die beiden wegen Abseits berechtigterweise aberkannten Treffer von Silas (24.) und Sieb (90.+6.) nicht hinwegtäuschen konnten. Aus den Gesichtern der mitgereisten Fans war dennoch die pure Freude, die pure Begeisterung darüber abzulesen, das erste internationale K.-o.-Spiel der Vereinsgeschichte miterleben zu dürfen. Am Donnerstag, 19. März, wollen die Mainzer ab 18.45 Uhr dafür sorgen, dass zeitnah eine weitere magische Nacht in Straßburg oder Rijeka folgen kann. Das Stadion am Europakreisel ist so gut wie ausverkauft. Diesmal auch ohne Tricks.





