Niederlage? Das ist nicht das Wort, das Fans oder vermeintlichen Experten durch den Kopf geht, wenn sie an Laura Nolte denken. Die 27-jährige Bobpilotin des BSC Winterberg, die aus Unna stammt und die an der Ruhr-Universität in Bochum studierte, steht für Erfolg, für Spaß, für Leichtigkeit. Doch so sehr Laura Nolte auch in der aktuellen Saison die Rennen im Eiskanal dominierte, so sehr die Rolle der Goldfavoritin bei den Olympischen Winterspielen in Cortina d‘Ampezzo besonders im Zweierbob auf sie zutrifft – so sehr spielen Niederlagen eine entscheidende Rolle in ihrer bisherigen Karriere.

Nolte verpasst Medaille bei Premiere

Eine erlitt die Sportsoldatin vor vier Jahren in China. Denn bevor die bunten und lustigen Bilder von Laura Nolte und ihrer Anschieberin Deborah Levi als Überraschungs-Olympiasiegerinnen im Zweierbob entstanden, herrschten nach Noltes erstem Wettbewerb bei Olympischen Winterspielen für einen kurzen Moment graues Einerlei und Enttäuschung. Sie war – im Monobob auf den undankbaren vierten Platz gefahren.

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Das war weder körperlich noch mental eine so schwere Niederlage wie etwa im Zweierbob bei der Weltmeisterschaft 2020, als Chef-Bundestrainer René Spies sich zur Halbzeit der WM in Altenberg gezwungen sah, seine damals noch sehr junge Pilotin aus dem Wettbewerb zu nehmen. Doch Nolte hatte vor der Olympia-Premiere mit einer Medaille geliebäugelt.

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„Erfolg definiert sich für mich auch über das persönliche Wachstum“, sagte Laura Nolte vor ihren zweiten Olympischen Winterspielen in Cortina d‘Ampezzo, die an diesem Sonntag mit den Läufen eins und zwei im Monobob für die Bobsportler beginnen. Und ihre Persönlichkeit wuchs. Aus dem gestürzten Talent wurde eine Olympiasiegerin im Zweierbob, aus der jungen Laura längst die Chefin eines erfolgreichen Bobteams.

Olympische Winterspiele 2026
Laura Nolte (rechts) erlebt gut gelaunt die Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele in Cortina d'Ampezzo mit Jacqueline Pfeifer (Mitte) und Axel Jungk (links).© Robert Michael/dpa | Robert Michael

„Ich bin eine Chefin auf Augenhöhe“, beschrieb sich die Pilotin selbst. Alles andere wäre eine Überraschung, schließlich bilden mit ihr und der für den SC Potsdam startenden Deborah Levi zwei echte Freundinnen den Kern dieses Teams. Seit 2018 fahren sie zusammen Bob und wohnen seit einiger Zeit sogar beide in Frankfurt, um das gemeinsame Training besser zu bewältigen.

Nolte: So vermindert sie Druck

Sprangen Nolte und Levi in dieser Weltcupsaison gemeinsam in den Bob, gewannen sie. Wer nach Olympia-Gold 2022 viermal in Folge den Gesamtweltcup im Zweierbob holt, startet dieses Mal nicht als Geheimfavorit, sondern als Goldfavorit im Zeichen der fünf Ringe. Nolte und Levi ficht das nicht an. „Ich habe mittlerweile so viele Situationen erlebt, in denen ich Druck von außen und die eigene, gestiegene Erwartungshaltung händeln musste, damit kann ich umgehen“, erklärte Nolte selbstbewusst.

Das war cool, um dieses olympische Flair aufzusaugen. Und jetzt: Fokus auf die Wettkämpfe!

Laura Nolte, Bobpilotin

Das Druckverminderungsrezept in Italien? Nolte und Levi reisten nicht wie zum Beispiel die deutschen Bob-Stars Francesco Friedrich und Johannes Lochner nach der Eröffnungsfeier wieder ab aus Cortina d‘Ampezzo. Sie blieben in ihrer eigenen Unterkunft, die fern des Olympischen Dorfes näher an der Bobbahn liegt. Sie trainierten und erlebten. „Es war eine coole Zeit hier. Wir konnten uns Sachen anschauen. Wir waren in der Stadt, haben eine Food-Tour gemacht. Wir waren im Deutschen Haus, im Adidas-Haus. Das war cool, um dieses olympische Flair aufzusaugen. Und jetzt: Fokus auf die Wettkämpfe!“, sagte Nolte.

Die BSC-Athletin startet allerdings nicht nur als Goldfavoritin in die Zweierbob-Rennen. Als eine der besten Pilotinnen der Welt zählt sie auch im Monobob zu den heißen Medaillenkandidatinnen. „Im Monobob ist die Konkurrenz sehr, sehr stark. Jede olympische Medaille ist nur schwer zu erreichen. Aber ich arbeite intensiv dafür“, sagte die in dieser Disziplin mittlerweile zweifache Weltmeisterin.

Nolte: Das ist ihr Olympia-Ziel

Obwohl ihr dort die Start-Rakete Levi fehlt, um den 165-kg-Schlitten in die Bahn zu katapultieren, gewann Nolte in dieser Saison die Gesamtweltcup-Wertung in dieser Disziplin, stand nur einmal nicht auf dem Podest der besten Drei. Und: Wie im Zweierbob beendete sie den Saisonauftakt auf der Olympiabahn auch im Monobob mit einem Sieg.

Zum einen trägt das harte Sommertraining unter Sprint-Bundestrainer David Korell offenbar Früchte, zum anderen scheinen die deutschen Material-Tüftler die sehr wenigen Möglichkeiten, die ein Monobob zur individuellen Einstellung bietet, optimal ausgenutzt zu haben. „Der erste Trainingslauf war sehr schlecht, mit dem zweiten war ich dann zufrieden. Es war viel rutschiger, als ich es erwartet habe. Es sind immer noch ein paar Kleinigkeiten dabei, die nicht gut waren, aber das kriegen wir schon hin“, resümierte Nolte das Training.

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Ihr Ziel formulierte sie bereits zum Saisonbeginn: „Natürlich wollen wir immer um Gold fahren, wenn wir starten. Aber es wäre ein Traum, wenn ich aus Cortina mit zwei Olympia-Medaillen abreisen könnte“, sagte Laura Nolte. Denn damit hätte sie erneut eine große Herausforderung gemeistert – und eine offene Rechnung im Monobob schnell beglichen.