Viele HSV-Fans waren gerade auf der Rückreise aus Freiburg, als ein Bericht der „Bild“-Zeitung um Mitternacht für Aufsehen sorgte. Der HSV hatte wenige Stunden zuvor das erste Bundesligaspiel des Jahres 2026 beim SC Freiburg mit 1:2 verloren. Doch für das Ergebnis dürfte sich kaum noch jemand interessiert haben, der die Überschrift des Online-Artikels gelesen hatte: „Vorwurf: Sexuelle Belästigung! Warum HSV-Chef Kuntz wirklich gehen musste“, lautete die Zeile, die am Sonntag auch auf der Titelseite der „Bild am Sonntag“ stand.

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Eine Woche zuvor hatte der HSV mit seiner Mitteilung bereits für einen Paukenschlag zum Start des neuen Jahres gesorgt. „HSV und Stefan Kuntz einigen sich auf Vertragsauflösung“, teilte der Club am 2. Januar überraschend mit. Der Vorstand hatte den Aufsichtsrat „nach Weihnachten aus persönlichen familiären Gründen um eine sofortige Beendigung seiner Tätigkeit“ gebeten, schrieb der Club in seiner Mitteilung.

Kuntz wehrt sich gegen die Vorwürfe

Nicht wenige Fans spekulierten nach der unerwarteten Nachricht bereits, ob womöglich noch andere Gründe hinter dieser Entscheidung stecken könnten. Nun berichtet die „Bild“ über schwere Vorwürfe, die zum Kuntz-Aus geführt haben sollen. Konkret schreibt die Zeitung vom Vorwurf der „sexuellen Belästigung“ gegen Mitarbeiterinnen des HSV.

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Der Manager veröffentlichte am Sonntagabend auf seiner Instagram-Seite eine Stellungnahme, in der er sich gegen die Vorwürfe wehrt. „Mich erreichen zahlreiche Anfragen wegen der aktuellen Berichterstattung über meine Person. Erst einmal möchte ich sagen, dass mich die Vorwürfe hart treffen“, schreibt Kuntz. „Klar ist: Ich weise diese Vorwürfe entschieden zurück! Im Sinne meiner Familie und aller mir nahestehenden Personen habe ich meine Anwälte (Kanzlei Schertz Bergmann) darum gebeten, gegen diese FALSCHEN Vorwürfe und Vorverurteilungen vorzugehen.“

HSV-Aufsichtsrat widerspricht Stefan Kuntz

Am Montag reagierte auch der Aufsichtsrat und widersprach der Darstellung von Kuntz. „Im Dezember 2025 sind an den Aufsichtsrat Vorwürfe eines schwerwiegenden Fehlverhaltens von Stefan Kuntz herangetragen worden. Der Aufsichtsrat hat gemäß seiner Verantwortung sofort nach Kenntnisnahme der Vorwürfe mit Unterstützung spezialisierter externer Anwälte die Aufklärung der Vorfälle eingeleitet. Nach sorgfältiger Prüfung und der Erkenntnis, dass die Vorwürfe glaubhaft sind, hat der Aufsichtsrat umgehend entschieden, eine schnellstmögliche Trennung von dem Vorstandsmitglied anzustreben“, teilt das Kontrollgremium um den Vorsitzenden Michael Papenfuß in einem Statement mit.

Und weiter: „Aufgrund der expliziten Bitte der betroffenen Personen hatte bei der Trennung der Schutz der Betroffenen oberste Priorität, die auch weiterhin anhält.

Schwere Vorwurfe gegen Kuntz: HSV-Aufsichtsrat nennt Details

Darüber hinaus bezichtigte der Aufsichtsrat Kuntz der Falschaussage, nachdem der Ex-Vorstand bei Instagram von einer Verleumdungskampagne gegen ihn sprach. „Stefan Kuntz hat auf dieser Grundlage und insbesondere in Kenntnis der gegen ihn erhobenen Vorwürfe der Trennung zum 31.12.2025 zugestimmt. Er war dabei anwaltlich vertreten. Die Gelegenheit zur Stellungnahme gegenüber dem Aufsichtsrat hat Herr Kuntz trotz mehrfacher Angebote explizit nicht genutzt. Vor dem dargestellten Hintergrund sind die Vorwürfe einer ,Verleumdungskampagne‘ gegen Stefan Kuntz klar unzutreffend und irreführend.“

Der Aufsichtsratsvorsitzende Michael Papenfuß am Rednerpult.
HSV-Aufsichtsratschef Michael Papenfuß stellt sich mit einem inhaltsstarken Statement gegen die Darstellung von Stefan Kuntz.© WITTERS | TayDucLam

Abschließend unterstrich der Aufsichtsrat die Werte, für die der HSV steht, und betonte sein schnelles und konsequentes Handeln. „Der HSV duldet unabhängig von der betroffenen Hierarchieebene kein Fehlverhalten der hier in Rede stehenden Art und bekennt sich nachhaltig zu den in der Satzung niedergelegten Werten der Toleranz und des Respekts und wendet sich gegen Diskriminierung jeder Art. Dem Aufsichtsrat war es wichtig, im vorliegenden Fall schnell und konsequent zu handeln. Der Schutz der Persönlichkeitsrechte der betroffenen Personen steht für den HSV – wie schon bisher – im Vordergrund.“

HSV-Aufsichtsrat sprach von „intensiver Zeit“

Nach der Vertragsauflösung mit Kuntz hatte Aufsichtsratschef Papenfuß in einem Interview auf hsv.de zunächst gesagt: „Die Zeit zwischen den Jahren war sehr intensiv und kein sanfter Ausklang des Jahres 2025. Es haben viele Gespräche in unterschiedlichen Konstellationen stattgefunden. Bitte akzeptieren Sie, dass ich keine vertraulichen Details preisgebe.“

Kuntz selbst sagte in der Mitteilung: „Manchmal gibt es wichtigere Dinge als Fußball. Das ist nun bei mir der Fall. Mehr möchte ich dazu nicht sagen und bitte darum, dies zu respektieren.“

Kuntz war im Sommer 2024 als Nachfolger von Jonas Boldt zum HSV gekommen und schaffte auf Anhieb die Rückkehr in die Bundesliga. Nach seinem Abgang führt Eric Huwer den HSV vorerst als Alleinvorstand. „Wir sind mit Vorstand Eric Huwer und einer starken zweiten Führungsebene gut aufgestellt für die kommenden Aufgaben“, sagte Papenfuß in der Mitteilung. Der Fokus liege jetzt auf Teil zwei der Bundesligasaison sowie der Transferperiode.

Nach den Statements von Kuntz und dem Aufsichtsrat dürfte das letzte Wort in diesem Fall aber noch nicht gesprochen sein.