In manchen Momenten wurde es richtig höhnisch. „Ein Stefan Kretzschmar sitzt hier nach dem zweiten Spiel und sagt: Aber wir können es ja noch schaffen“, sagte Michael Kraus und fing an, herzlich zu lachen. Dabei war im Lager der deutschen Handballer niemandem nach Lachen zumute, denn durch das so überraschende wie schockierende 27:30 (17:13) gegen Serbien droht der Mannschaft von Alfred Gislason das Aus bei der Europameisterschaft. Und genau das war der Grund, warum Kraus und sein 2007er Weltmeister-Kollege Pascal Hens gemeinsam mit Stefan Kretzschmar im Podcast „Harzblut“ hart ins Gericht gingen.

Nach Serbien-Schock: „Mir macht Angst, wie wir angreifen“

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Der frühere Mittelmann Kraus schien dabei am wenigsten ein Blatt vor den Mund nehmen zu wollen: „Alfred, scheiße gecoacht. Vercoacht“, sagte der 42-Jährige und adressierte noch direkt an den Bundestrainer: „Kannst du dir auf den Zettel schreiben. Heute war nichts.“

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Dass der 66 Jahre alte Isländer seinem eigenen Team beim Stand von 25:26 ein Tor durch Juri Knorr klaute, indem er Sekundenbruchteile vor dem erfolgreichen Abschluss des Regisseurs den Timeout-Knopf gedrückt hatte, war nicht mal Hauptvorwurf der drei Handball-Legenden. Ihnen ging es vor allem um personelle Entscheidungen und die spielerische Ausrichtung. „Mir macht Angst, wie wir angreifen“, kritisierte Kretzschmar unmissverständlich. „Wir sind so unkreativ und ohne Lösungen im Angriff, ohne Flow.“ Bei der deutschen Offensive denke er unfreiwillig: „Was machen wir denn jetzt? Was wollen wir denn jetzt? Wo wollen wir denn hin? Was ist die Idee?“ Hens bemängelte, dass man den Spielern angemerkt habe, „dass sie sich nicht so wohlfühlen“.

Handball-Legenden vermissen Plan B: „Heilloses Durcheinander“

Handball-EM - Serbien - Deutschland
Hart in der Kritik: Handball-Bundestrainer Alfred Gislason.© Sina Schuldt/dpa | Sina Schuldt

Der 45-Jährige rieb sich aber vor allem an der vielen Wechselei im Rückraum auf – wobei der unsichere Julian Köster mit Abstand die meiste Spielzeit bekam und Juri Knorr nach starker erster Halbzeit völlig unverständlich in der zweiten Hälfte nur noch wenig auf der Platte war. Was den 25-Jährigen auch mächtig verärgerte, der Dänemark-Legionär von Aalborg HB verschaffte sich nach auch nach dem Spiel richtig Luft. „Da hast du gefühlt bei jedem im Kopf nur noch Fragezeichen gesehen“, sagte Hens, den auch sechs Treffer von Renars Uscins (bei allerdings zwölf Versuchen) nicht beschwichtigen konnten. „Da hat, finde ich, den Jungs auf dem Feld auch die führende Hand von draußen so ein bisschen gefehlt. Das ist mein Eindruck gewesen. Da haben sie mir fast ein bisschen leidgetan.“

EM-Debütant Miro Schluroff machte mit seinen knallharten Distanzwürfen noch den besten Eindruck im Abschluss, auch Franz Semper hatte mit drei Toren seine Rolle voll erfüllt. Marko Grgic, der in Flensburg stark spielt, aber in der Nationalmannschaft nicht den Schalter umlegen kann, stand dagegen gerade mal drei Minuten auf dem Feld. Hart in seiner Kritik wurde deshalb wieder Michael Kraus: „Das ist ein heilloses Durcheinander. Mir fehlt da auch so ein bisschen die Kreativität im Angriff.“ Da helfe auch nicht die überwiegend gute Abwehr: „Du kannst nicht immer sagen: Wir holzen hinten alles zusammen, Andi Wolff hält 40 Bälle, wir rühren da Beton an. Das kann es doch nicht sein. Für eine Medaille reicht das nicht, wenn man so unkreativ spielt im Angriff.“

Kretzschmar über Außen: „Da hätte heute auch der Busfahrer stehen können“

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Für Hens brauche es daher Angriffsalternativen in der DHB-Auswahl: „Wenn du auf andere Nationen guckst, da gibt es schon seit Ewigkeiten Sieben-gegen-Sechs. Findet bei uns nicht statt. Haben wir nicht diese Alternative, wenn es vorne nicht läuft?“ Ebenfalls ein Kritikpunkt: die Außen Lukas Mertens, Lukas Zerbe, Rune Dahmke und Mathis Häseler, die überhaupt nicht im Spiel eingebunden waren. Hens voller Ironie: „Es war wichtig, dass wir vier Außen dabei hatten, die haben super mitgespielt heute.“ Kretzschmar ergänzte: „Auf Außen hätten heute auch der Busfahrer und der Physiotherapeut stehen können, muss man ganz ehrlich sagen. Da kam ja gar kein Ball hin.“

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