Um die Relevanz dieses Auswärtsspiels in Nordirland herauszustellen, reichte ein Satz des Bundestrainers. „Verlieren ist heute auf jeden Fall verboten, besser ist es, zu gewinnen“, sagte Julian Nagelsmann. Und die deutsche Nationalmannschaft setzte beim 1:0 (1:0)-Sieg am Montagabend in Belfast die Forderung ihres Chefs um. Dank des ersten Länderspiel-Tores von Nick Woltemade (31.) kann die DFB-Elf am 14. November in Luxemburg und drei Tage später in Leipzig gegen die Slowakei das Ticket für die Weltmeisterschaft nach einer zunächst holprigen Qualifikations-Runde aus eigener Kraft lösen.

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Den ersten großen Beifall in Belfast gab es bereits 15 Minuten vor Anpfiff, als der Stadionsprecher das Publikum im Windsor Park darum bat, sich von den Plätzen zu erheben. Vom Monarch, den Gott schützen soll, wurde anschließend noch nicht gesungen, dafür jedoch applaudiert für einen der Könige des nordirischen Fußballs: Michael O‘Neill. Der Nationaltrainer stand gegen Deutschland zum 100. Mal an der Seitenlinie. „Das ist eine unglaubliche Zahl“, zollte sein Gegenüber Nagelsmann Respekt. „Ich wünsche ihm das Beste, aber nicht heute Abend.“
Nick Woltemade erlöst die DFB-Elf nach einer Ecke
Neben der 100er-Marke beeindruckte O‘Neill auch mit einer Serie. Seit zwei Jahren haben die Nordiren nicht mehr im Windsor Park im Südwesten von Belfast verloren. Deutschland war also gewarnt vor dem Hexenkessel in der nordirischen Hauptstadt. Auch ob der Tabellensituation. Die DFB-Elf benötigte nach dem 4:0 gegen Luxemburg einen weiteren Sieg, um Platz eins in WM-Qualifikations-Gruppe A, den Deutschland am Freitagabend übernommen hatte, zu verteidigen. Nur der Tabellenerste ist sicher beim Turnier in den USA, Kanada und Mexiko im kommenden Sommer dabei.
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Der Bundestrainer setzte auf die gleiche Startelf wie in Sinsheim: mit Kapitän Joshua Kimmich als Rechtsverteidiger und Anführer des fünfköpfigen Bayern-Blocks, Spielmacher Florian Wirtz sowie dem bisher glücklosen Stürmer Nick Woltemade. Der Stürmer von Newcastle United stand vor der Partie im Fokus, da er noch immer vergeblich auf sein erstes Tor im DFB-Dress wartete. An diesem Abend folgte nun die Erlösung (31.). David Raums Ecke flog scharf in den Strafraum, Woltemade schraubte sich hoch und fälschte den Ball mit der hinteren Schulter ins Tor ab – 1:0.
DFB-Elf im Glück: Nordirland-Tor zählt wegen Abseits nicht
Erlösung für Woltemade, Belohnung für Deutschland. Die Nagelsmann-Elf nämlich lieferte eine seriöse, gut strukturierte erste Halbzeit ab. Der taktische Plan: Die Nordiren mit Hilfe vom kontrollierten Passspiel locken und dann mit einem langen Ball auf Dortmunds Karim Adeyemi, Bayerns Serge Gnabry oder Wirtz hinter die letzte Kette kommen. Das klappte zwar nur selten, doch das DFB-Team blieb dran und kontrollierte die Partie. Torgelegenheiten hatten die Deutschen lange mit Schüssen aus der zweiten Reihe, wie der von Aleksandar Pavlovic (19.) nach einem Konter über Wirtz und Gnabry.

Und Nordirland? Die Gastgeber legten Wert auf Physis. Und Standards, wie in der 14. Minute, als die 18.000 Zuschauerinnen und Zuschauer plötzlich aus dem Häuschen waren. Torwart Bailey Peacock-Farrell schlug einen Freistoß auf Daniel Ballard, der verlängerte per Kopf auf Paddy McNair. Dessen Versuch wurde geblockt, den Nachschuss aber knallte Jamie Reid unter die Latte – Nordirlands Führung. Oder? Der Blick zum Linienrichter verriet: Nein! McNair stand im Abseits, Glück für Deutschland. Anschließend kam von den Nordiren offensiv nicht mehr viel mit Ausnahme von zwei Fernschüssen in der Schlussphase der ersten Hälfte.
Nordirland schnuppert gegen DFB-Elf am Ausgleich
Zur zweiten Halbzeit blieb die deutsche Mannschaft personell unverändert – und hätte gleich das zweite Tor erzielen können. Wirtz schickte per Steilpass Adeyemi auf die Reise, der beim BVB so treffsichere Adeyemi stürmte allein auf Peacock-Farrell zu, schoss aber knapp links am Tor vorbei. So blieb es spannend gegen die leidenschaftlichen Nordiren, die stets von ihren Fans frenetisch bejubelt wurden, wenn sie es mal über die Mittellinie schafften, wie in der 60. Minute, als Ethan Galbraith den Ball ans Außennetz knallte.
Nordirland schnupperte nun ganz leicht am Ausgleich. Nagelsmann brachte daraufhin Maximilian Beier für Adeyemi, um möglichst einen der Konter, die sich nun boten, auszuspielen und mit dem zweiten Tor Ruhe reinzukriegen. Gnabry war bei seinem Schuss, den Peacock-Farrell zur Ecke abwehrte, nah dran (70.). Auf der Gegenseite hielt Oliver Baumann den Versuch von Callum Marshall (88.). Für eine deutlich verbesserte deutsche Mannschaft reichte es aber auch so zum Sieg, weil sie die Kontrolle über das zurückgewann.






