Mit ihm feierte die deutsche Nationalmannschaft den letzten großen Erfolg in Brasilien 2014. Ein überragender Bastian Schweinsteiger führte seinerzeit das Team als absoluter Führungsspieler zum WM-Titel. Mittlerweile ist die DFB-Legende als ARD-Experte unterwegs - und so erbost und enttäuscht wie nach der desaströsen 0:2-Pleite zum WM-Quali-Auftakt in der Slowakei sah man ihn noch nie zuvor in seiner Funktion neben dem grünen Rasen. Noch nie zuvor verlor ein DFB-Team ein Auswärtsspiel in der WM-Qualifikation.

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„In keiner Minute des Spiels habe ich geglaubt, dass wir dieses Spiel gewinnen. Wir haben völlig verdient hier verloren. Das ist ein sehr harter Rückschlag“, gab Schweinsteiger als erstes Statement bei Moderatorin Esther Sedlaczek unmittelbar nach dem Schlusspfiff ab.

DFB-Debakel in der Slowakei: Schweinsteiger attestiert Team ein Einstellungsproblem

Der 41-Jährige legte nach: „Das war kein Glückssieg für die Slowakei. Das war völlig verdient. Die Gier muss von den Spielern selbst kommen und von selbst 1:1-Duelle gewinnen. Die Slowaken waren viel galliger das Spiel zu gewinnen. Wir wollten ein wenig drum herum spielen. Aber du brauchst Entschlossenheit und Gefahr.“

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Diese Entschlossenheit, Gefahr und vor allen Dingen Gier fehlte ihm beim Auftritt der DFB-Elf um Kapitän Joshua Kimmich komplett. Der 121-fache Nationalspieler attestierte seinen Nachfolgern ein gravierendes Problem in Sachen Einstellung und zog einen Vergleich zur seiner aktiven Zeit: „Bei mir war die Einstellung nie ein Problem. Du kannst dir das nicht erlauben. Wir waren auch erfolgreich bei den Turnieren. Dieses Team muss jetzt liefern, wir waren seit 2016 nur einmal im Halbfinale. Die Spieler müssen sich zusammensetzen und Tacheles reden. Es gab keine Aufbruchstimmung, null. Wir nehmen das alles hin. Das habe ich auch noch nie gesehen.“

Ähnlich wie Schweinsteiger sah es Kimmich bei seinem Statement in den Katakomben das Stadions von Bratislava: „Das ist einzig und allein eine Einstellungssache und das war auch schon in den letzten Spielen unser Problem. Wir müssen uns selber coachen und unterstützen. Es ist auch nicht der richtige Ansatz, sich gegenseitig zu zerlegen. In drei Tagen haben wir die Chance es wieder besser zu machen. Ich glaube nicht, dass da keine Mannschaft in der Kabine sitzt. Jeder ist selbstkritisch genug und jeder weiß, dass wir in einem Boot sitzen. Ich glaube an uns und auch an unsere Qualität.“

Völler zur DFB-Pleite: „Nicht nur enttäuschende, sondern leblose Vorstellung“

Auch Bundestrainer Julian Nagelsmann pflichtete bei seinem Interview im Beisein von Schweinsteiger der Bayern-Legende zu. Sein Team habe nicht die Emotionalität auf den Platz gebracht, die es für einen Erfolg benötige. Allerdings wirkte Nagelsmann etwas ratlos, gab zu: „Wieso diese Emotionalität nicht da ist, ist eine berechtigte Frage. Heute waren wir von allem meilenweit weg von Gut und Böse – auch von Böse übrigens.“ Wirklichen Optimismus strahlten weder Nagelsmann noch Kimmich bei ihren Statements aus.

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Ein weiterer Punkt versetzte Schweinsteiger einen Schmerz. Die Tatsache, dass die deutschen Spieler im Anschluss an den Debakel-Auftritt von den eigenen Fans ausgepfiffen wurden „tat mir im Herzen weh“, erklärte der Experte. Mit derlei Spielen und Auftritten werde es generell schwierig, sich für die WM in den USA zu qualifizieren: „Und selbst wenn wir uns qualifizieren würden wir bei solchen Leistungen nicht weit kommen“, legte der Münchner nochmals nach.

Rudi Völler, der als Direktor der deutschen Nationalmannschaft tätig ist und Schweinsteiger einst 2004 zum Nationalspieler machte, attestierte der Nationalelf ebenfalls ein Einstellungsproblem: „Es hat sich das fortgesetzt, was wir bei der Nations League bereits zu erkennen war. Wenn wir nicht in jedem Zweikampf und Duell 100 Prozent geben, wird es ein dickes Erwachen. Es war nicht nur eine enttäuschende, sondern leblose Vorstellung.“

Schweinsteiger selbst sagte zum Abschluss der Sendung, dass er einige Tage brauchen werde, „um diese Niederlage zu verdauen“. Mit einem überzeugenden Auftritt am Sonntag gegen Nordirland in Köln könne das DFB-Team erste Wiedergutmachung leisten.