Wer wie die deutschen Fußballerinnen ein Turnier mit Wolfgang Petry beginnt, muss mit Wolfgang Petry auch aufhören – keine Gnade. Über musikalischen Geschmack lässt sich nicht streiten, ebenso wenig über die Dringlichkeit der fachlichen Aufarbeitung eines Turniers zu dessen Ende. Ann-Katrin Berger und ihre Teamkolleginnen können am Sonntag nur zuschauen, wer in Basel den EM-Pokal gewinnen wird. Sollten die Spanierinnen sich dann auch gegen die Titelverteidigerinnen aus England durchsetzen, wäre dies Balsam für die schwarzrotgoldenen Fußballfan-Seelen. Im Halbfinale gegen die aktuelle Übermacht des Frauenfußballs verloren zu haben, wertet das eigene Aus auf; und überhaupt kam das Team von Bundestrainer Christian Wück ja weiter, als es viele ihm zugetraut hätten. Oder wie Wolle einst sang: Verlieben, verloren, vergessen, verzeih’n?

DFB-Frauen bewähren sich in Abwehrschlachten, nicht beim Kombinationsfußball

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Es wäre das fatalste Zeichen, das Anhänger der deutschen Frauen-Nationalmannschaft mit auf den Weg in die Zukunft geben könnten. Denn im Wust nie endender und nie sinniger werdender Vergleiche mit dem Männerfußball torpediert Schönrednerei die Bemühungen von Giulia Gwinn, Sjoeke Nüsken und Co., mit ihrem Sport ernst genommen zu werden. Triumphe gehören wie das Scheitern zum Sport, für das Schöne wie das Traurige gibt es am Ende Herleitungen.

Das Wück-Team geht erhobenen Hauptes aus dieser EM, es hat dem Weltmeister kämpferisch viel mehr abverlangt, als diesem lieb sein konnte. Und doch wirken der Einzug ins EM-Halbfinale und rückblickend auch Olympia-Bronze im vergangenen Sommer in Paris wie Errungenschaften, die das fußballerische Potenzial nicht sofort vermuten lassen.

EM-Aus: Wenn die Deutschen kratzen, beißen, rennen, sind die DFB-Fans schon zufrieden

Die Leitkultur unter hiesigen Fußball-Fans scheint immer noch zu sein: kratzen, beißen, rennen. Dazu Grätschen und Befreiungsschläge – den Anhängern geht das Herz auf, wenn andere deren Herzen auf dem Rasen lassen. Der Einzug unter die letzten Vier in der Schweiz darf nicht darüber hinwegtünchen, dass andere Nationen technisch Deutschland den Rang abgelaufen haben.

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Betrachtet man die EM 2022, als fünf spielerisch überzeugende Darbietungen zum Vize-Titel geführt hatten, sorgten seitdem olympische Abwehrschlachten sowie nun lediglich zwei mühsam erkämpfte Siege in fünf EM-Partien (wenn der Elfer-Krimi im Viertelfinale als Unentschieden nach 120 Minuten durchgeht) für die Erfolgserlebnisse. Rückschläge wie schwere Verletzungen vor dem Turnier und währenddessen mal einkalkuliert. Aber: Wo andere Team mit Finesse und Kombinationsfußball glänzen, hält sich die DFB-Auswahl mit Willenskraft, starken Paraden von Ann-Katrin Berger und altmodischen Tugenden über Wasser.

Ex-Nationaltorhüterin Almuth Schult spricht Klartext: Das reicht nicht

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Der ehemaligen Nationaltorhüterin Almuth Schult, so war von ihr als TV-Expertin am Mittwochabend zu vernehmen, genügt das nicht. Den Nationalspielerinnen – die im einzigen zulässigen Vergleich mit den Geschlechtergenossen immer noch erfreulich bodenständig und ohne affektiertes Gehabe herüberkommen – ebenso wenig. Nach dem Weiterkommen gegen Frankreich entfleuchte Christian Wück die vielleicht gar nicht so ehrlich gemeinte Einschätzung: „Mentalität schlägt Talent.“ Sie legt nahe, dass die fußballerischen Qualitäten im deutschen Frauen nicht ausreichen für ganz oben. Deswegen auch Ansätze, in Zukunft Ballbesitz und Technik verbessern zu müssen.

Damit es eines Tages heißt: „Wieder alles im Griff!“ Selbst wenn dieses Lied ja nicht der Petry gesungen hat…