Von Abschiedstournee will Thomas Müller eigentlich gar nichts wissen. Und trotzdem wird es in diesen Tagen und Wochen einige letzte Male für die Legende des FC Bayern geben. Nach über 16 Profi-Jahren geht Müllers Spielerkarriere beim Münchener Heimatverein im Sommer zu Ende. Gerne hätte der Routinier noch einmal beim Rekordmeister verlängert, das bleibt ihm jedoch verwehrt. So war das 2:2 gegen Inter Mailand, gleichbedeutend mit dem bitteren Ausscheiden im Viertelfinale, sein letztes Champions-League-Spiel im Bayern-Trikot.

Wöchentlich

Sport-Newsletter: Jetzt kostenlos anmelden!

Mit unserem täglichen Newsletter verpassen Sie nichts, was die Sport-Welt bewegt.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Wehmut wollte bei Müller kurz nach Schlusspfiff zunächst nicht aufkommen. „So emotional fühle ich es gerade gar nicht“, sagte der „Raumdeuter“ im Anschluss. „Wir sind natürlich enttäuscht. Was heißt enttäuscht, ich bin gar nicht so enttäuscht, denn wir spielen Fußball. Ich bewerte Spiele immer ein bisschen für mich selbst. Habe ich alles gegeben und kann in den Spiegel schauen? Hat die Mannschaft alles gegeben und kann in den Spiegel schauen?“ Das können sie wohl, Müller und seine Mannschaftskollegen. 

FC Bayern: Thomas Müller jetzt gleichauf mit Lionel Messi

Je weiter der Abend voranschritt, desto mehr nahmen die Emotionen dann doch den gebührenden Raum ein. 5881 Müller-Tage in der Champions League mit den Triumphen 2013 und 2020 sorgten nicht nur bei Eltern und Bruder für große Gefühle. Auch langjährige Teamkollegen wie Manuel Neuer oder Leon Goretzka nahmen den Weltmeister von 2014 nach dem Spiel liebevoll in den Arm. „Ein bisschen habe ich schon das Gefühl, dass die Jungs das Gespür haben, dass es meine letzte Partie war in der Champions League“, sagte Müller.

Auch interessant

Die letzte und eine besondere. Mit seinem 163. Einsatz in der Königsklasse zog Müller mit Superstar Lionel Messi gleich. Mehr Auftritte haben nur Cristiano Ronaldo (183) und Iker Casillas (177) absolviert. „Thomas ist heute in den Olymp der drei Rekordspieler der Champions League aufgestiegen. Das ist eine Lebensleistung, die es nur ganz, ganz selten gibt“, würdigte Vorstandsboss Jan-Christian Dreesen die Vereinsikone in seiner Bankettrede. Und Sportvorstand Max Eberl sagte, dass man Müller jetzt „in einem Atemzug“ mit Messi nennen könne.

Was kommt nach Bayern? Müller hat noch keinen Plan

Über allem steht nun die Frage, wie es für den Weltmeister von 2014 ab Sommer weitergeht. Eine Antwort geben kann noch nicht einmal Müller selbst: „Die Planung kenne ich tatsächlich noch nicht. Ich habe während diesen heißen Wochen nichts vorangetrieben. Es ist mir auch völlig egal, was jetzt dann kommt. Jetzt kommt in zwei Tagen Heidenheim.“

Ob er stolz auf die vielen Auftritte in der Champions League sei? „Ich bin nicht stolz“, trat Müller erneut auf die Gefühlsbremse. „Ich freue mich, dass ich so viel Spaß hatte und dass ich es geschafft habe, dass ein paar andere noch wegen mir Spaß hatten. Das ist das, was in mir vorgeht. Den Rest wird die Zukunft zeigen.“ (mit dpa/sid)