Aus dieser schwarz-gelben Mannschaft wirst du nicht schlau. Unter der Woche blamiert sie sich in Barcelona. Am Samstagabend entdeckt sie in München das Kämpfen wieder, um die Sensation innerhalb von vier Minuten erst selbst wieder einzureißen, danach doch noch einmal zurückzuschlagen. Der BVB entführt einen Punkt beim FC Bayern, ergaunert nach wildem Schlagabtausch ein 2:2-Unentschieden. Der Kampf um das internationale Geschäft wird bis zum letzten Spieltag spannend bleiben. Borussia Dortmund ist in der Tabelle Achter.
BVB: Nach Beier-Treffer beginnen Bayern-Festspiele
Nach dem 0:4-Debakel in Barcelona war die Stimmung im Umfeld der Borussia merklich an-, wenn nicht sogar niedergeschlagen. Den Bossen wurde in Spanien schonungslos vor Augen geführt: Die Champions League wird den BVB kein zweites Mal in der Saison-Endabrechnung retten. Umso mehr kam es nun darauf an, im „Klassiker“, wenn sich bei 27 Punkten Tabellenunterschied überhaupt noch davon sprechen ließ, eine Reaktion zu zeigen.
Ausgerechnet in der Spielphase, die der zuletzt so grummelige Trainer Niko Kovac als anfälligste für Gegentore ausgemacht hatte, schlug Dortmund zu. Stürmer Maximilian Beier behauptete kurz nach dem Seitenwechsel einen langen Ball. Julian Ryerson flankte auf den zweiten Pfosten, wo Beier wacher als Bayerns Innenverteidiger Kim war und per Kopfballaufsetzer ins schwarz-gelbe Glück köpfte (48. Minute). Ausgelassen feierte der DFB-Stürmer die Führung vor dem Auswärtsblock. Für einen kurzen Moment war der Mittwoch auf dem Platz und auf der Tribüne vergessen. Bis Bayerns Festspielminuten begannen.

Waldemar Anton rutschte kurz nach der Führung in eine Hereingabe von Ex-Dortmunder Raphael Guerreiro und lenkte den Ball über Kobel hinweg an die Unterkante der Latte. Ein Signaltreffer. Der verdiente Ausgleich fiel durch Guerreiro selbst, der trocken mit seinem schwachen rechten Fuß ins Tor schoss (65.). Vier Minuten später setzte der eingewechselte Serge Gnabry zum Solo an, bekam nur Borussen-Begleitschutz und netzte zum 2:1 ein (69.). BVB jetzt am Boden? Tatsächlich nicht!
Nach Ecke zauberte Guirassy halb im Fallen und scheiterte per Seitfallzieher an Bayern-Torwart Jonas Urbig, den Nachschuss versenkte Anton zum umjubelten 2:2 (75.). Ein ganz wichtiger Punkt für den BVB, der das ramponierte Image nach dauerhaften Krise in der Bundesliga und der Viertelfinal-Schmach in Barcelona aufpoliert.
Kovac hatte seine Mannschaft angezählt, seine Startelf auf fünf Positionen verändert. Bensebaini, Nmecha, Chukwuemeka, Adeyemi und Gittens mussten auf die Bank. Für allem für Gittens und Adeyemi, deren Defensivarbeit Kovac öffentlich kritisiert hatte, war das als Denkzettel zu verstehen. Der zornige Trainer brachte Süle, überraschend Salih Özcan und wechselte zurück in sein Siegersystem, das 3-5-2. Die Marschroute war klar: Die Räume für Bayerns Offensiv-Maschinerie, die Kovac als „deckungsgleich“ mit der Barcelonas bezeichnete, sollte und musste geschlossen werden.
BVB: Defensiv engagierter als in Barcelona
Der Trainer fuchtelte bei seiner Rückkehr in die Allianz Arena, 16 Monate war er von Sommer 2018 an Bayern-Coach, an der Seitenlinie wild herum, pfiff Ryerson nach einem Ballverlust in der Anfangsphase zurück auf seine Position, ruderte seine Männer immer wieder hinten raus. Der Trainer, der unter der Woche Einstellung und Mentalität seiner Mannschaft anprangerte, sah eine defensiv engagiertere Elf als in Barcelona, die aber mit dem Ball extrem limitiert agierte. Dennoch eiskalt war und mit einem starken Torwart Gregor Kobel, der den Punkte rettete.
Das Feuer, das teils in der ersten Halbzeit und bei den Dortmundern in Barcelona vollständig ausgelöscht war, kam durch die BVB-Führung von Maxi Beier so richtig ins Spiel. Doch der zweite Sieg in Folge in München blieb aus, der Lupfer von Pascal Groß in der Schlussminute landete nur auf dem Tor. Anders als vor ziemlich genau einem Jahr, als Dortmund mit Ex-Trainer Edin Terzic in München einen Sieg für die Seele landete. Boss Hans-Joachim Watzke rauchte danals genüsslich seine Siegerzigarette auf der Tribüne. Nun werden die Zukunft-Sorgen bleiben. Immerhin die Moral hat nach der Blamage in Barcelona gestimmt.


