Bald „müllert“ es beim FC Bayern nicht mehr. Am Samstag hat Thomas Müller bei Instagram vermeldet, dass er sich im Sommer vom deutschen Rekordmeister verabschiedet. Der Weltmeister von 2014 und der FC Bayern stehen damit vor einer schmerzhaften Trennung – nach 25 Jahren.

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Die Gründe sind vielseitig. Müller ist nicht mehr der Jüngste, mit seinen 35 Jahren nahezu der Methusalem unter den Bayern-Superstars wie Jamal Musiala (22) oder Michael Olise (23). Er soll bis zu 17 Millionen Euro jährlich verdienen – auch das wohl ein mitentscheidender Grund für die Bayern-Chefs, ihn von der Gehaltsliste zu streichen und Geld zu sparen. Von sportlichen und finanziellen Aspekten mal abgesehen: Das Müller-Aus wird vor allem unter Bayern-Fans heftig diskutiert.

Kein neuer Vertrag für Müller: Macht Bayern einen gewaltigen Fehler?

PRO von Patricia von Thien

Einen Beckenbauer des 21. Jahrhunderts verprellt man nicht

Patricia von Thien, Berliner Morgenpost/Funke Zentralredaktion
Patricia von Thien, Chefin vom Dienst

Auf „Amazon Prime“ läuft aktuell eine Dokumentation über Thomas Müller. Titel: „Einer wie keiner“. In den ersten Minuten des Films finden Bayern-Verantwortliche und Klub-Ikonen wie Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß überschwänglich lobende Worte für den Offensivspieler. Sie alle heben die übergeordnete Bedeutung Müllers für den Klub hervor. Jetzt zeigt sich: alles nur leere Worthülsen.

Bayern will Müller keinen neuen Vertrag geben. Und begeht damit einen gewaltigen Fehler. Müller ist die Galionsfigur des Vereins. Zweimaliger Champions-League-Sieger, zwölffacher Deutscher Meister, Weltmeister. Aushängeschild und Sympathieträger. Müller, der im oberbayerischen Pähl aufgewachsen ist, verkörpert die DNA des Vereins wie kaum ein Zweiter. So einen wie ihn werden sie in den kommenden Jahrzehnten nie wieder kriegen.

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Ob sich die Verantwortlichen Freund, Eberl und Co. darüber bewusst sind? Womöglich ja. So jedenfalls kann man es interpretieren, wenn es heißt, dass Müller in verantwortlicher Position langfristig an den Verein gebunden werden soll. Aber ganz ehrlich, wie wollen die Fans Müller am liebsten sehen? In Anzug und Krawatte in der Vorstandsetage – oder doch lieber wild gestikulierend und kämpfend auf dem Platz im verschwitzten Trikot?

Müller sollte die Chance bekommen, bei Bayern weiterzuspielen. Ein Einjahresvertrag dürfte ja wohl drin sein! Auch wenn er nicht mehr der Schnellste ist: Er ist ein Kämpfer und hat den unbändigen Siegeswillen. Müller ist Müller, ein Beckenbauer des 21. Jahrhunderts. Einer, der so lange es geht auf den Platz gehört – und den Bayern unter keinen Umständen verprellen darf.

CONTRA von Pascal Biedenweg

Auf dem Platz ist Müller mittlerweile eher Denkmal als Dirigent

Pascal Biedenweg
Pascal Biedenweg, Digital Lead

Vielen eingefleischten Müller-Fans wird das Folgende wehtun – aber der FC Bayern macht diesmal alles richtig. Ja, Thomas Müller ist eine Vereinsikone, ein Weltmeister, ein Original mit Stallgeruch und „Raumdeuter“-Lizenz. Aber er ist eben auch 35 Jahre alt. Und auf dem Platz mittlerweile eher Denkmal als Dirigent.

Müller hat dem FC Bayern alles gegeben – aber genau deshalb ist jetzt der Moment gekommen, an dem man sich sportlich sauber trennt. Denn auch wenn sein Fußballhirn weiterhin Weltklasse ist: Die Beine sind es nicht mehr. In K.o.-Spielen in der Champions League gegen Inter Mailand oder den FC Barcelona braucht es Tempo, Pressing, Explosivität – nicht nostalgische Gänsehaut. Das ist Profifußball auf allerhöchstem Niveau, kein Klassentreffen.

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Zumal Müller ja sportlich auch noch was vor sich haben könnte: In den USA wartet die MLS – mit weniger Druck und einem Batzen Geld. Ein, zwei Jahre Tommi-Show in New York, Selfies mit Jay Z und Beyoncé, ein paar Tore gegen Philadelphia – das klingt doch nach einem würdigen Karriereausklang. Und so ähnlich hat es doch auch schon der Größte aller Zeiten gemacht: Franz Beckenbauer.

Und das Beste: Müller ist damit ja nicht aus der Welt. Der Mann ist Bayern-DNA pur – der kommt wieder! Nur eben mit Hemd, Sakko und Visitenkarte als Sportdirektor mit Entertainerlizenz. Dann kann er weiter die Kabine unterhalten – aber muss nicht mehr hinter Kylian Mbappé herrennen.

Die Entscheidung des FC Bayern ist also kein Fehler, sondern eine mit Weitsicht. Auf dem Feld wird Platz frei für die Zukunft. Und im Verein bleibt Platz für Müller – nur eben später.

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