Weißer Rauch stieg auf über San Siro in Mailand. Nein, ein neuer Papst ist noch nicht in Sicht und wird auch künftig nicht im Giuseppe-Meazza-Stadion auserkoren. Es war die neue Nationalmannschaft von Italien, die am Donnerstagabend schon vor dem Viertelfinal-Hinspiel der Nations League gegen Deutschland ein Feuerwerk erleben durfte.

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Und eine Halbzeit lang sah es auch so aus, als könne die Squadra Azzurra wieder zum alten Angstgegner der DFB-Elf werden. Dann aber drehte die deutsche Nationalmannschaft in der zweiten Halbzeit das Spiel und gewann das Viertelfinal-Hinspiel der Nations League in Mailand mit 2:1 (0:1). Joker Tim Kleindienst und Rückkehrer Leon Goretzka köpften die Mannschaft von Bundestrainer Julian Nagelsmann zum Sieg und verschafften der DFB-Elf eine super Ausgangssituation für das Rückspiel am Sonntag in Dortmund.

Goretzka bei Rückkehr wieder in der Startelf

Nagelsmann hatte zuletzt betont, dass er vor allem auf Spieler setzen werde, die auch in ihren Clubs regelmäßig zum Einsatz kommen. Insofern war es nicht überraschend, dass Goretzka auf Anhieb wieder in der Startelf stand und den zuletzt bei Bayer Leverkusen mehrfach nicht berücksichtigten Robert Andrich auf die Bank verdrängte. Goretza bildete auf der Doppelsechs eine Große Koalition mit Dortmunds Pascal Groß.

Deutlich überraschender, aber nicht weniger nachvollziehbar war die Nominierung von Nadiem Amiri. Der Mainzer befindet sich seit Monaten in Topform und durfte zur Belohnung als Spielmacher hinter seinem Clubkollegen Jonathan Burkardt auflaufen, der das Duell gegen Tim Kleindienst für sich entschied.

Die Wahrheit ist, dass die Offensivachse um Amiri, Burkardt und dem Münchner Leroy Sané in Abwesenheit von Florian Wirtz, Kai Havertz und Niclas Füllkrug eigentlich nur die zweite deutsche Reihe ist. Und das war in der Anfangsphase in Mailand auch zu spüren.

Deutschland in der ersten Halbzeit harmlos

Die DFB-Elf kontrollierte zwar das Spiel, doch gefährlich wurden nur die von Luciano Spalletti trainierten Italiener. So wie in der neunten Minute, als eine Seitenverlagerung reichte, um die DFB-Defensive zu überspielen. Matteo Politano entwischte David Raum im Rücken und legte in die Mitte, wo Jonathan Tah noch klären konnte, das aber direkt vor die Füße von Sandro Tonali, der im Rückraum freistehend vollstreckte.

Es passte zum deutschen Spiel, dass der im Spielaufbau sehr tief stehende Goretzka per Kopf (16.) und per Dropkick aus 20 Metern (20.) die einzigen deutschen Abschlüsse der ersten Halbzeit hatte.

Baumann hält Deutschland im Spiel

Auf der anderen Seite parierte Oliver Baumann zweimal innerhalb weniger Minuten gegen Tonali (30.) sowie Moise Kean (32.). Der Matchplan von Nagelsmann sah eigentlich vor, gegen die mannorientierten Italiener durch eine hohe Aktivität Räume zu öffnen und diese dann durch Überzahlmomente zu bespielen. In der Praxis war es aber die Squadra Azzurra, die Deutschlands Abwehr durch tiefe Bälle mehrfach aushebelte und sich viele Räume verschaffte.

Auf der Tribüne ärgerte sich auch der frühere Italien-Legionär Rudi Völler, der wie zuvor Nagelsmann zeitnah seinen Vertrag beim DFB vorzeitig bis 2028 verlängern soll. „Wir haben miteinander verabredet, dass wir jetzt zeitnah auch nochmal miteinander das Gespräch suchen und schauen, ob der Weg weitergehen kann“, sagte DFB-Präsident Bernd Neuendorf vor dem Spiel.

Völler soll beim DFB bis 2028 verlängern

Mit Völler als Sportdirektor an der Spitze hat der DFB vor zwei Jahren einen Neuaufbau eingeleitet, den nun auch die Fußballnation Italien vollzieht. Der langjährige Nationaltorwart Gianluigi Buffon, der als Sportdirektor die Nationalhymne noch genauso inbrünstig mitsingt, steht eine spannende Generation zur Verfügung, die in der ersten Halbzeit zeigte, dass Italien in Zukunft wieder eine große Rolle spielen wird.

In der zweiten Halbzeit war es dann aber die deutsche Mannschaft, die zeigte, dass sie im internationalen Fußball wieder eine echte Größe ist. Nagelsmann brachte Tim Kleindienst für den harmlosen Burkardt sowie Nico Schlotterbeck für Raum und sprang schon drei Minuten jubelnd aus seiner Coachingzone. Kapitän Joshua Kimmich flankte aus dem Halbfeld scharf an den Fünfmeterraum, wo Kleindienst zum 1:1 einköpfte (48.).

Goretzka wird zum Matchwinner

Es sollte nicht das letzte Kopfballtor der DFB-Elf bleiben. Wieder war es Kimmich, der diesmal per Ecke von links den Ball in die Mitte schlug. Diesmal war es Goretzka, der richtig stand und Italiens Hünen-Torwart Gianluigi Donnarumma zum Siegtreffer überwinden konnte (76.). Der Münchner wurde bei seinem Comeback zum Matchwinner und hat nun gute Chancen, sich wieder in der Nationalelf festzuspielen. Und im Sommer zumindest ein kleines Heimturnier zu erleben, das er im vergangenen Jahr verpasst hatte.