Wenn man nach Szenen sucht, die Borussia Dortmunds Auftritt gegen den FC Augsburg repräsentierten, blieb man an einer Mitte der zweiten Halbzeit hängen. Salih Özcan lag der Ball vor den Füßen, etwa 20 Meter vor dem Tor. Özcan hatte Zeit, doch niemand bot sich an, es war keine Bewegung im Spiel. Also drehte der türkische Nationalspieler ab, dribbelte zurück – und die Fans, sie wurden immer ungeduldiger.

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Mit 0:1 (0:1) unterlag der BVB am Ende gut organisierten Augsburgern, es gab mit Abpfiff ein Pfeifkonzert. In dieser inspirationslosen Verfassung fällt es schwer, der Mannschaft zuzutrauen, in dieser Saison noch eine Serie zu starten, die den Klub in die Champions League bringt. Und auch in dieser Saison ist in der Königsklasse das Weiterkommen stark gefährdet. Nach dem 1:1 im Hinspiel braucht der BVB im zweiten Duell mit OSC Lille am Mittwoch einen Sieg in Frankreich, um ins Viertelfinale zu springen.

Der vermeintlich Ausgleichstreffer von Julian Brandt (links) zählt nicht.
Der vermeintlich Ausgleichstreffer von Julian Brandt (links) zählt nicht.© Jan Fromme /firo Sportphoto | Jan Fromme

BVB gegen Augsburg: Niko Kovac mit drei Änderungen

Trainer Niko Kovac hatte nach dem 1:1 im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League drei Änderungen vorgenommen. Zu einer davon wurde er gezwungen: Daniel Svensson wird aufgrund einer Innenband-Verletzung vor der Länderspiel-Pause nicht mehr zum Einsatz kommen, dafür rückte Ramy Bensebaini zurück in die Startelf. Yan Couto sollte als Rechtsverteidiger die Offensive mit beleben, dafür blieb Julian Ryerson draußen. Und doch sehr überraschend rotierte Winter-Rückkehrer Salih Özcan anstelle von Marcel Sabitzer in die Mannschaft.

Es war alles bereitet für einen frühlingshaften Fußball-Nachmittag. Die Temperaturen kratzten an der 20-Grad-Marke, die Profis trugen am Samstag ihr bestes Hemd: das neongelbe Sondertrikot, das an die Meistersaison 1994/95 erinnern soll. Von Titeln ist der aktuelle Jahrgang des BVB ein ganz weites Stück entfernt, und das demonstrierte er in der ersten Halbzeit eindrucksvoll.

BVB gegen Augsburg: Nur Karim Adeyemi macht mal Hoffnung

Es fehlte an praktisch allem, was benötigt worden wäre gegen den unangenehmen FCA, der seit acht Partien nicht mehr verloren hat in der Bundesliga: hohe Ballgewinne, Ideen mit dem Ball, und auch eine gewisse Energie, die angesichts der Rahmenbedingungen eigentlich obligatorisch sein müsste. 17 Flanken schlugen die Dortmunder in ersten Halbzeit, von denen bloß eine ankam. Einen minimalen Hoffnungsschimmer gab es mal kurz vor der Pause, als sich Karim Adeyemi gegen zwei, drei Augsburger durchsetzte und zu Julian Brandt passte, dessen Abschluss kläglich neben das Tor rollte. Zur Pause pfiff das Publikum.

Borussia Dortmund - FC Augsburg
Vorne enttäuschte BVB-Profis, hinten jubeln die Augsburger.© DPA Images | Bernd Thissen

Wegen der Leistung, aber vor allem wegen dem Ergebnis. Denn die harmlosen Augsburger waren in der 23. Minute in Führung gegangen. Eine Freistoß-Flanke des Ex-Dortmunders Marius Wolf flog auf den zweiten Pfosten, genau auf den Kopf von Jeffrey Gouweleeuw – 1:0. Die halbe Dortmunder Hintermannschaft schaute nur zu.

Spannend zu beobachten war nun die Reaktion des BVB. Trainer Kovac hatte immer wieder darauf hingewiesen, wie entscheidend ein eigener erster Treffer in den vergangenen Spielen gewesen wäre, um die Anzeichen der Verunsicherung aus den Beinen zu bekommen. Die Dortmunder legten engagierter als befürchtet nach dem Seitenwechsel los – und jubelten sechs Minuten nach Wiederbeginn. Pascal Groß flankte, Nico Schlotterbeck legte per Kopf auf Brandt ab, der schob ein. Der Treffer aber zählte nicht, Brandt stand hauchdünn im Abseits.

BVB: Zweiter Augsburg-Treffer zählt wegen Abseits nicht

Und das galt – aus BVB-Sicht glücklicherweise – auch für Gouweleeuw auf der Gegenseite. Wieder hatte sich der Niederländer bei einem Freistoß von Wolf positioniert, wieder landete der Ball beim ihm, und wieder lag er im Tor. Nach minutenlanger Prüfung zählte der Treffer, der eine Kopie des 1:0 gewesen wäre, nicht (62.).

Kovac brachte nun in Person Maximilian Beier einen weiteren Angreifer für Bensebaini. Auch Ryerson (für Couto) kam rein. Dessen Flanke auch Serhou Guirassy war die erste Dortmunder Chance seit dem Abseits-Tor. Der Kopfball flog dann aber doch deutlich drüber (71.). Später wurde auch noch Julien Duranville eingewechselt, der das Spiel beleben sollte. Doch rund um den Strafraum fehlte die Durchschlagskraft. Bezeichnend: Duranvilles bessere Rückgabe auf FCA-Torwart Finn Dahmen (88.). Acht Minuten Nachspielzeit gab es ob der zwei VAR-Checks. Und fast gelang dem BVB doch noch der Ausgleich, doch Guirassys Schuss ging knapp links am Tor vorbei. .