Man kann nach dieser Tour de France mit Fug und Recht behaupten: Tadej Pogacar hat die Radsport-Welt aus den Angeln gehoben. Die Art und Weise, wie der Slowene die Ausgabe 2024 für sich entschied, war bemerkenswert. Bissig, aggressiv, gnadenlos ging Pogacar die gesamte Tour über zu Werke, getreu seinem Motto: Angriff ist die beste Verteidigung. Seine Konkurrenten Jonas Vingegaard und Remco Evenepoel hatten da kaum etwas entgegenzusetzen.

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Pogacar ist vielleicht der kompletteste Radsportler der Geschichte. Das ist keine ganz neue Erkenntnis, gewann der 25-Jährige schließlich schon Frühjahrsklassiker nach Soloritten. Auch bei der Tour de France stand er schon zweimal zuvor ganz oben auf dem Treppchen. Doch in der 24er-Ausgabe des größten Radrennens der Welt setzte er mit seinen Leistungen noch einmal einen drauf. Anders als etwa Chris Froome, Geraint Thomas oder Vingegaard verwaltete Pogacar seinen Vorsprung nicht, sondern griff unermüdlich an, setzte in den Bergen die Akzente.

Pogacar lässt Konkurrenten keine Chance

„Manchmal ist es ein dummer Instinkt“, sagte der Slowene während der letzten Woche der Tour über seine Fahrweise: „Aber meistens ist ein Angriff auch die beste Verteidigung.“ Das bekamen seine Konkurrenten zu spüren. Trat Pogacar an, konnte kaum jemand an seinem Hinterrad bleiben. Nur einmal ließ er sich von seinem dänischen Konkurrenten Vingegaard im Sprint abkochen. Doch die Revanche ließ nicht lange auf sich warten, Pogacar demütigte seine Konkurrenz teilweise und verschenkte nicht einen Millimeter.

Tadej Pogacar hat die Tour de France in beeindruckender Manier gewonnen.
Tadej Pogacar hat die Tour de France in beeindruckender Manier gewonnen.© AFP | LAURENT CIPRIANI

Diese Leistungen allerdings werfen auch Fragen auf: kann das alles mit rechten Dingen zu gehen? Schließlich war in der Vergangenheit kaum eine Sportart so dopingverseucht wie der Radsport. Kann es wirklich sein, dass Pogacar nur mit hartem Training und technischen Tüfteleien Kletterrekorde auf den härtesten Anstiegen der Pyrenäen und Alpen aufstellt, die sogar des Doping überführten Radstars der Vergangenheit nicht schafften? Die Zweifel fahren mit, wenngleich man nur zu gern glauben möchte, dass dieser Radfahrer neben seiner erfrischenden Art auch mit ungeheurem Talent gesegnet ist. „Wir erleben eine goldene Ära des Radsports“, sagte er selbst. Man kann nur hoffen, dass in ein paar Jahren nicht eine andere Schlagzeile über dem Tour-Erfolg stehen wird.